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Mehr seelische Leiden bei Adipositas

Wer unter Adipositas leidet, hat ein höheres Risiko, außerdem eine psychische Krankheit zu entwickeln. Das ergab eine Studie um Dr. Michael Leutner, MedUni Wien.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 07.06.2023  15:45 Uhr

Die Wissenschaftler analysierten österreichische nationale Registerdaten stationärer Leistungen von 1997 bis 2014. Sie betrachteten Zusammenhänge zwischen Fettleibigkeit und psychischen Erkrankungen nach ICD-10-Codes der Stufe 3. Dabei stieg die Wahrscheinlichkeit für ein breites Spektrum psychiatrischer Störungen in allen Altersgruppen bei Menschen mit der Vordiagnose Adipositas gegenüber normalgewichtigen Menschen. Depressionen, Psychosen, Angstzustände, Ess- und Persönlichkeitsstörungen wurden signifikant häufiger diagnostiziert. Einzig bei Erkrankungen des Psychose-Spektrums zeigte sich der Zusammenhang nicht.

Das Risiko adipöser Frauen, psychisch zu erkranken, lag, mit Ausnahme von Schizophrenie und Nikotinsucht, deutlich höher als dasjenige adipöser Männer. Fettleibige Frauen hatten bei den diagnostizierten depressiven Episoden eine Rate von 13,3 Prozent, adipöse Männer von 6,61 Prozent. Zum Vergleich: Bei nicht adipösen Frauen lag die Rate bei 4,8 Prozent, bei nicht adipösen Männern betrug sie 3,21 Prozent. Nicht geklärt ist, ob Fettleibigkeit die Ursache für die psychischen Erkrankungen ist oder ob frühe Stadien psychiatrischer Störungen nicht ausreichend erkannt werden.

In jedem Fall werten die Wissenschaftler die Ergebnisse als weiteren Hinweis darauf, dass Adipositas das Risiko für die Gesundheit auf vielen Ebenen steigert. Weil vor allem junge Menschen am stärksten betroffen seien, halten die Forscher ein umfassendes Screening auf psychische Probleme bei Menschen mit Fettleibigkeit für eindeutig notwendig, um Störungen frühzeitig behandeln zu können.

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