Mehrmals am Tag innezuhalten und den Körper zu beobachten kann helfen, gelassener zu bleiben, sagt eine Psychologin. / © Getty Images/Westend61
Die Psychologin und Psychotherapeutin Miriam Junge möchte Menschen dabei unterstützen, bewusster mit ihren Gedanken und Gefühlen umzugehen. Im Interview erklärt sie, welche Rolle Gelassenheit dabei spielt und warum mentale Ordnung dazu beitragen kann, das neue Jahr wirklich anders zu gestalten.
Frage: Frau Junge, kann man Gelassenheit lernen?
Miriam Junge: Ja. Gelassenheit ist nichts, womit man einfach geboren wird. Sie ist ein Zustand, den man Schritt für Schritt lernen kann. Gelassenheit beginnt, wenn wir innehalten, wahrnehmen, was gerade in uns los ist, und dann bewusst handeln. Gelassenheit bedeutet, bei sich zu bleiben, auch wenn es außen hektisch wird. Sie hilft dabei, den Überblick zu behalten, statt impulsiv zu reagieren.
Gelassenheit bedeutet aber nicht, dass einem alles egal ist. Im Gegenteil. Wir nehmen wahr, was passiert, aber wir lassen uns nicht sofort davon mitreißen. Wir bleiben innerlich ruhig und handlungsfähig.
Frage: Welche Dinge bringen uns aus der Gelassenheit? Kann man sich darauf vorbereiten?
Junge: Oft sind es gar nicht die äußeren Umstände, sondern innere Muster, die uns aus der Ruhe bringen. Zum Beispiel: Überforderung, Perfektionismus, das Gefühl, alles kontrollieren oder allen gefallen zu müssen. Wenn wir unsere Bedürfnisse nicht ernst nehmen oder uns zu wenig abgrenzen, geraten wir schnell unter Druck.
Vorbereitung heißt in dem Fall: sich selbst gut kennen. Zu merken, wann es zu viel wird. Und rechtzeitig gegenzusteuern. Schon kleine Atempausen oder ein kurzer Check-in mit sich selbst können helfen. Und die Erkenntnis, dass man im Leben nie fertig ist.
Frage: Wie kann eine Art Trainingsplan für mehr Gelassenheit aussehen?
Junge: Gelassenheit ist wie ein Muskel, den wir stärken können. Wer regelmäßig übt, sich nicht sofort in Gedanken und Gefühlen zu verlieren, sondern erst einmal wahrzunehmen, was gerade los ist, verändert etwas in sich.
Ich empfehle dafür drei einfache Übungen:
Gelassenheit entsteht durch Wiederholung. Und durch Freundlichkeit mit sich selbst.
Im Rahmen einer US-amerikanischen Studie wurde untersucht wie sich kurze Achtsamkeitspraktiken auf das Stressempfinden auswirken. Die 114 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbrachten über einen Zeitraum von einem Monat täglich fünf Minuten entweder mit Meditation oder mit einer gezielten Atemtechnik. Parallel führten alle Teilnehmer ein Stresstagebuch. Das Fazit: Rund 90 Prozent der Teilnehmer berichteten, dass ihnen die Übungen spürbar guttaten. Besonders deutlich war der Effekt bei den Atemübungen.
Die Teilnehmer führten eine von drei unterschiedlichen Atemübungen aus. Alle Methoden sind leicht zu erlernen und ohne Hilfsmittel umsetzbar: