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Demenz
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Musik weckt Emotionen und Erinnerungen

Mehr als 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt. Wenn die Erinnerungen verblassen, kann Musik wie Balsam für Betroffene sein. Darauf setzt zum Beispiel die Robert-Schumann-Philharmonie in Chemnitz.
AutorKontaktdpa
Datum 31.03.2026  16:00 Uhr

Positive Effekte durch Musik

»Die positiven Effekte von Musik sind gut nachweisbar«, ergänzt der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Verhaltensmedizin und Psychosomatik, Thomas Barth. Das beobachte er regelmäßig bei seinen Patienten. »Die Verbesserungen durch Musiktherapie sind denen von Medikamenten ebenbürtig.« Denn bisher könne die Medizin die Erkrankung nicht stoppen, sondern nur ihre Symptome behandeln. Die Musik schaffe es, trotz des Gedächtnisverlustes durch Demenz Emotionen und Erinnerungen zu wecken, helfe Patienten, ruhiger zu werden und besser zu schlafen. Das werde auch durch Studien belegt.

Ein Konzertbesuch könne darüber hinaus eine Abwechslung im oftmals durch Pflege belasteten Alltagstrott bringen. »Manche Patienten drängeln sich regelrecht danach«, erklärt Barth. »Selbst schwer Demenzerkrankte kommen da zur Ruhe, bekommen Stimulation und es kommt für den Moment wieder mehr Leben in sie.« Zudem könnten Betroffene auf diese Weise wieder etwas am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Angebote wie das Sonderkonzert in Chemnitz gibt es auch andernorts in Sachsen. Die Oper Leipzig bietet seit 2018 unter dem Titel »In mir singt ein Lied« Musikangebote für Menschen mit Demenz. Dabei sitzen die Besucher im Konzertfoyer des Opernhauses in einem großen Kreis und singen gemeinsam mit Klavierbegleitung etwa Operettenarien, Schlager oder Volkslieder.

Wenn der geliebte Mensch wieder auflebt

»Die Nachfrage ist ungebremst hoch, die Termine immer sehr schnell ausgebucht«, sagt Opern-Sprecherin Gudula Kienemund. Die Resonanz sei ergreifend. Sie habe dabei persönlich miterlebt, »wie Menschen zu lächeln und sogar tanzen beginnen, die sonst völlig in einer unbekannten Welt verloren scheinen«. Auch für die Angehörigen sei es eine zutiefst emotionale Erfahrung zu sehen, wie ihre demenzkranken Lieben aufleben.

Für das Sonderkonzert in Chemnitz verlassen die Musiker der Robert-Schumann-Philharmonie ihre angestammten Räume und laden in die Universitätsbibliothek. Auch sonst ist einiges anders. Die Stücke werden in Ausschnitten gespielt und das Konzert sei auf eine Stunde begrenzt, um die Besucher nicht zu überfordern, wie Dramaturgin Friederike Pank erläutert. Ab einer Stunde vor Beginn können sie sich mit dem Ort vertraut machen und mit Musikern ins Gespräch kommen. Die Sitzplätze seien locker angeordnet und es gebe jederzeit die Möglichkeit, den Raum zu verlassen. »Wenn jemand mitklatscht oder aufsteht und tanzt, ist das kein Problem.«

Angemeldet hätten sich neben Gruppen auch Paare und Familien mit Kindern und Enkeln. Und schon jetzt sind sich Pank und Reiners sicher: Auch in der nächsten Spielzeit soll das neue Format fortgesetzt werden.

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