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Falsche Signale durch Lockerungen
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Nehmen wir das Virus noch ernst genug?

Mit den Lockerungen in der Corona-Krise habe die Regierung ein falsches Signal gesendet, sagte die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig dem »Spiegel«: »Jetzt sehen die Menschen, dass einige Maßnahmen gelockert werden, und das vermittelt ihnen den Eindruck, dass der Lockdown jetzt nach und nach aufgehoben wird und sie schon bald zum Alltag zurückkehren können.«
AutorKontaktdpa
Datum 28.04.2020  09:00 Uhr

Warnung vor zweiter Welle 

Deutschlands Vorsprung – durch frühzeitiges Erkennen des Ausbruchs – stehe auf dem Spiel, warnte auch der Berliner Virologe Christian Drosten. Er kritisierte etwa geöffnete Malls, in denen sich nun wieder viele Menschen sammelten, weil einzelne Geschäfte klein genug sind, um öffnen zu dürfen. Und er befürchtet, dass sich Menschen oder Firmen nun eigene Spielregeln überlegen, um zu einer Art Normalität zurückzufinden: »Wenn alle anfangen, sich die eigenen Interpretationsspielräume auszulegen ganz frei, dann starten an vielen Orten in Deutschland plötzlich neue Infektionsketten.«

»Deutschlands Vorsprung steht auf dem Spiel«
Christian Drosten, Virologe, Berlin

Drosten warnte bereits vorige Woche von einer neuen Welle, die Deutschland mit größerer Wucht treffen könnte als bisher. Für die Politik ist der allmähliche Weg aus den rigiden Corona-Beschränkungen eine Gratwanderung. Denn ohne eine anhaltende generelle Akzeptanz unter den Bürgern ist das Krisenmanagement nur schwer möglich. Daher sind auch die Botschaften eine sensible Sache: Wie stark können ermunternde Signale ausfallen, ohne dass sich eine trügerische Sicherheit ausbreitet? Was bewirkt es, wenn schon über Lockerungen für Einkaufszentren oder Fußballspiele geredet wird? 

Dabei ist es nicht der Bund allein, der das Lockerungstempo dosiert. Konkrete Maßnahmen sind meist Ländersache, was auch die Kommunikation vielstimmiger macht. Generell geht es um eine Gesamtabwägung: Neben dem Kampf gegen das Virus kommen soziale und wirtschaftliche Nöte in den Blick, die ebenso die Stimmung prägen. Ein Szenario, dass rigide Beschränkungen womöglich wieder von vorne losgehen müssten, will die Bundesregierung vermeiden. Sie wirbt für kleine Schritte, die jeweils überprüft werden. Das erhalte Vertrauen in die Verlässlichkeit von Entscheidungen, argumentierte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

»Wir bewegen uns auf dünnem Eis, man kann auch sagen: auf dünnstem Eis.«
Kanzlerin Angela Merkel (CDU)

Wie sich die Neuinfektionen und die Reproduktionszahl entwickeln – ob sich womöglich zu viel Entspannung in den Köpfen breit macht –, wird sich jedenfalls mit einiger Verzögerung zeigen: Zwischen Ansteckung und Meldung vergehen nach Experteneinschätzung bis zu zwei Wochen.

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