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Aufgaben und mehr Verantwortung
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Neues Konzept zur Apotheke der Zukunft

Wie sollen Apotheken sich weiterentwickeln? Mit dieser Frage hat sich die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände beschäftigt. Es geht um mehr Verantwortung und neue Präventionsaufgaben.
AutorKontaktPZ
Datum 11.04.2025  09:30 Uhr

Das Positionspapier »In eine gesunde Zukunft mit der Apotheke« wurde in den vergangenen Monaten erarbeitet und soll als Diskussionsgrundlage mit dem Gesetzgeber dienen. Hintergrund sind die Herausforderungen der demografischen Entwicklung sowie zunehmend überlastete Notfallambulanzen und Arztpraxen.

Die ABDA orientiert sich bei den neuen Aufgaben auch an Tätigkeiten, die die Kollegenschaft in europäischen Nachbarländern schon übernehmen. Folgende Befugnisse sollen angestrebt werden:

  • Bei Lieferengpässen sollen die Apothekenteams auf ein anderes Präparat mit gleichem Wirkstoff wechseln können (aut idem) oder das verordnete durch eine therapeutisch vergleichbare Alternative ersetzen können (aut simile).
  • Im Notdienst sollen Apothekenteams bei dringendem Bedarf eine N1-Packung an bekannte Chroniker abgeben können.
  • Bei einer definierten Auswahl einfacher akuter Erkrankungen – wie Harnwegsinfekt oder Bindehautentzündung – können Patientinnen und Patienten nach festgelegten Handlungsempfehlungen im Nacht- und Notdienst mit Rx-Arzneimitteln direkt versorgt werden.
  • Rezeptfreie Arzneimittel zur Behandlung akuter Erkrankungen für Kinder können im Notdienst in Apotheken zu Lasten der Krankenkassen abgegeben werden.

Das Papier zielt insgesamt auf eine schnellere und trotzdem sichere Versorgung der Patientinnen und Patienten mit der Dauermedikation. Die Einführung der jährlichen Versorgungspauschale für Hausärztinnen und Hausärzte bei chronisch kranken Menschen mit dem Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG) verfolge das Ziel, medizinisch nicht notwendige Arztbesuche zu reduzieren. Dabei wollen die Apotheken wie folgt unterstützen:

  • Rezeptverlängerung: Stabil eingestellte Patienten sollen für definierte Arzneimittel in der Apotheke vor Ort eine Verlängerung ihres schon einmal eingelösten Rezepts erhalten, wodurch sie eine zusätzliche Packung ihres Medikaments beziehen können.
  • Chronikerversorgung: Apotheken sollen die Patienten mit einem System zur Rezepterinnerung und gegebenenfalls auch durch eine Erfolgskontrolle der Therapie unterstützen.

Der niederschwellige Zugang zu Apotheken soll verstärkt genutzt werden, um Maßnahmen zur Prävention und Früherkennung anzubieten. Auch die politische Entwicklung geht in diese Richtung, wie das am Ende mit der Ampel-Koalition untergegangene Gesundes-Herz-Gesetz (GHG) und aktuell die Positionen der neuen Koalitionäre zeigen. Dazu werden im Papier beispielhaft folgende Aufgaben vorgesehen:

  • Impfungen (hier wird zusätzlich zu Grippe- und Corona-Impfung über sämtliche andere Totimpfstoffe diskutiert)
  • Screenings, etwa auf kardiovaskuläre Risikofaktoren
  • Beratungsangebote, zum Beispiel zur Prävention tabakassoziierter Erkrankungen
  • Leistungen im Bereich des Monitorings

Ein weiteres Kapitel im Positionspapier befasst sich mit der gezielten Unterstützung bei der Arzneimitteltherapie: interprofessionelles Medikationsmanagement, strukturierte Beratung, Monitoring und Erinnerungsservices sowie eine stärkere Einbindung der Apothekerschaft bei der flächendeckenden Einführung der elektronischen Patientenakte (EPA) und des elektronischen Medikationsplans (eMP).

Im Fazit des Papiers erhebt die ABDA auch eine Forderung: »Der skizzierte Weg geht aber nur mit gestärkten Apotheken. Die seit Jahren chronisch unterfinanzierten Apotheken vor Ort haben für Übernahmen weiterer Leistungen derzeit denkbar ungünstige Ausgangsbedingungen. Neben Verbesserungen des aktuellen Apothekenhonorars braucht es auch eine angemessene Honorierung neuer Leistungen, um deren Umsetzung nachhaltig zu sichern.«

Das Positionspapier wurde vom ABDA-Gesamtvorstand einstimmig angenommen.

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