Aber woran liegt es, dass die einen positiver durchs Leben gehen als die anderen? »Es gibt eine genetische Komponente«, sagt Schütz, »man kann sich optimistische Sichtweisen aber auch aneignen.« Rief erklärt es so: Wer als Kind in bestimmten Situationen positive Erfahrungen macht, wird auch als erwachsener Mensch an ähnliche Situationen positive Erwartungen haben. Will man seine Denkweise verändern, kann man üben, die Dinge anders zu sehen, den eigenen Standpunkt zu ändern. Dabei hilft:
»Unsere Studien haben gezeigt, dass auch diese kleinen Dinge wirken«, sagt Schütz.
Und kommen doch einmal sehr negative Gedanken auf, kann man sich bewusst immer wieder »Stopp« vorsagen. Oder sich symbolisch vorstellen, dass man die negativen Gedanken in Form eines Monsters einsperrt. Das heißt aber auch, dass man sich die Zeit nehmen muss, sich mit den negativen Gedanken auseinanderzusetzen, sonst bleibt die Übung ohne positiven Effekt.
Negative Emotionen nur wegzuschieben ist nicht zielführend. Auch Negatives gehört zum Leben dazu und darf zugelassen werden. »Man kann sich über Positives mehr freuen, wenn man den Kontrast des Negativen wahrnimmt«, sagt Schütz.
Derartige Gedankenübungen können helfen, sich von pessimistischen Menschen und deren ansteckender schlechter Stimmung abzugrenzen. Falls sich die Person darüber hinaus nicht meiden lässt, lässt sich vielleicht der Kontakt reduzieren. Oder man spricht das Verhalten beziehungsweise die negative Sichtweise konkret an, hält vielleicht sogar bewusst dagegen, wenn man dazu die Kraft und Energie hat.
Am günstigsten ist es, die Dinge leicht positiv zu sehen und so auch in die Zukunft zu blicken — das mache uns mutig und handlungsfähig, so Schütz — »sonst würde niemand ein Start-up gründen oder Kinder bekommen«. Eine leicht positive Einstellung bedeutet nicht, völlig unrealistisch zu denken. Auch das konnte die Forschung bereits nachweisen. Schütz und ihr Team untersuchten mit Daten des Nationalen Bildungspanels das Verhältnis von objektiver Kompetenz zur Selbsteinschätzung bei Fünftklässlern und die daraus entstehenden Effekte.
Das Ergebnis: Wenn die Schüler sich leicht überschätzten, war das gut für ihr Wohlbefinden. Schätzten sie sich deutlich übertrieben positiv ein, war das schlecht für ihre weitere Kompetenzentwicklung.