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Für Umwelt und Gesundheit
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Papier oft nicht besser als Plastik

Viele Menschen wollen Umwelt und Gesundheit etwas Gutes tun und greifen bei Einweggeschirr verstärkt zu Produkten aus Papier oder Bambus statt aus Plastik. Doch die vermeintlich bessere Alternative ist oft gar nicht besser.
AutorKontaktdpa
Datum 28.08.2023  11:15 Uhr
Papier oft nicht besser als Plastik

Statt der verbotenen Strohhalme aus Plastik gibt es in vielen Restaurants inzwischen Exemplare aus Papier. Die allerdings können für Umwelt und Gesundheit ebenfalls schädlich sein, warnt ein Forschungsteam in der Fachzeitschrift »Food Additives & Contaminants: Part A«. Viele vermeintlich umweltfreundliche Trinkhalme aus Papier oder Bambus enthalten demnach langlebige und potenziell giftige Chemikalien, sogenannte PFAS. Der Verkauf von Plastik-Trinkhalmen ist seit 3. Juli 2021 in der EU verboten.

Schädliche Chemikalien in fast allen Trinkhalm-Alternativen

Die Gruppe um Thimo Groffen von der Universität Antwerpen hatte Trinkhalme von 39 in Belgien erhältlichen Marken untersucht. In 18 von 20 getesteten Papier-Halmen wurden PFAS nachgewiesen. Auch in vier von fünf Bambus-Halmen, drei von vier Plastik-Halmen und sogar in zwei von fünf Glas-Trinkhalmen wiesen die Wissenschaftler solche Substanzen in unterschiedlicher Menge nach. Lediglich in Halmen aus Edelstahl waren keine PFAS zu finden.

Die Forscher fanden mittels eines speziellen Massenspektrometrie-Verfahrens unter anderem Trifluoressigsäure und Trifluormethansulfonsäure. »Beide Chemikalien sind gut wasserlöslich, sodass die Gefahr besteht, dass sie vom Strohhalm in das Getränk übergehen«, erläutern die Forscher. Ob und in welchem Umfang diese und andere PFAS aus den Trinkhalmen vom Menschen aufgenommen werden, müsse nun genauer untersucht werden.

PFAS – per- und polyfluorierte Alkylverbindungen – werden unter anderem verwendet, um Papier-Halme vor Durchnässung zu schützen. Die Studienautoren heben hervor, dass die potenziell gefährlichen Substanzen aber nicht unbedingt bewusst im Herstellungsprozess zugesetzt worden sein müssen. Sie könnten auch durch verunreinigtes Ausgangsmaterial oder Prozesswasser ins Produkt gelangen.

»Strohhalme aus pflanzlichen Materialien wie Papier und Bambus werden oft als nachhaltiger und umweltfreundlicher beworben als solche aus Kunststoff«, sagte Groffen. »Das Vorhandensein von PFAS in diesen Strohhalmen bedeutet jedoch, dass das nicht unbedingt stimmt.«

Geringe Mengen PFAS seien an sich zwar nicht schädlich, könnten aber die bereits im Körper vorhandene chemische Belastung erhöhen. »Die nachhaltigste Alternative scheinen Strohhalme aus Edelstahl zu sein, die wiederverwendet werden können, keine PFAS enthalten und vollständig recycelt werden können«, lautet die Schlussfolgerung des Teams.

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