| Juliane Brüggen |
| 18.03.2026 14:00 Uhr |
Paracetamol ist eine wichtige Therapieoption in der Selbstmedikation bei Schmerzen und Fieber. / © Getty Images/Remains
Analgetika, Antipyretika
zum Beispiel: Benuron® Tabletten, Paracetamol 1A-Pharma® Tabletten
Leichte bis mäßig starke Schmerzen, Fieber
Bei Überdosierung sind schwere Leberschäden möglich – bereits bei einmaliger Einnahme der gesamten Tagesdosis.
Eine Einzeldosis von ≥ 6 Gramm bei Erwachsenen oder 140 mg/kg KG bei Kindern führt laut Fachinformation zu Leberzellnekrosen. Es kann es zu Leberschäden, Magen-Darm-Blutungen, metabolischer Azidose, Enzephalopathie, Koma bis hin zum Tod kommen. Da sich die Schädigung erst verzögert bemerkbar macht – klinische Symptome der Leberschäden wie Ikterus treten in der Regel erst nach zwei Tagen auf –, ist umgehend ärztlicher Rat erforderlich, auch wenn sich die Patientin oder der Patient gut fühlt. Mögliche Anzeichen der Überdosierung in den ersten 24 Stunden sind Übelkeit, Erbrechen, Anorexie, Blässe, Unwohlsein, Schwitzen, Schläfrigkeit und Unterleibsschmerzen.
Eine Paracetamol-Vergiftung wird – bereits bei Verdacht – in den ersten zehn Stunden durch intravenöse Gabe von SH-Gruppen-Donatoren wie N-Acetylcystein behandelt. Auch bis zu 48 Stunden nach Intoxikation kann N-Acetylcystein noch Schutz bieten. Zusätzlich kann eine Dialyse die Paracetamol-Konzentration absenken.
In der Regel gut verträglich
Allgemein zu beachten: metabolische Azidose bei Vorliegen von Risikofaktoren, Analgetika-Nephropathie (langfristige Einnahme), Hepatotoxizität, Analgetika-Kopfschmerz (nicht bestimmungsgemäßer, hochdosierter Gebrauch)
Bei peroraler Einnahme (Tabletten): häufig: leichte Schläfrigkeit; gelegentlich: unter anderem Bauchschmerzen, Schwindel, Hypothermie; selten: unter anderem Anstieg der Lebertransaminasen, Hautausschlag, allergische Reaktionen, verändertes Blutbild; sehr selten: unter anderem schwere Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom
Vollständige Informationen sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.
Es liegen Berichte vor, dass Patienten mit bestimmten Risikofaktoren unter Therapie mit Paracetamol eine metabolische Azidose mit vergrößerter Anionenlücke (HAGMA) aufgrund von Pyroglutaminsäure-Azidose entwickelt haben. Pyroglutaminsäure (oder 5-Oxoprolin) ist eine zyklische Aminosäure und Bestandteil des Glutathion-Stoffwechsels. Kommt es zu einem Glutathion-Mangel, wird vermehrt 5-Oxoprolin gebildet, wodurch wiederum eine HAGMA entstehen kann.
Beobachtet wurde die Nebenwirkung bei Patienten mit schweren Erkrankungen, zum Beispiel Niereninsuffizienz, Sepsis oder Mangelernährung, die Paracetamol über einen längeren Zeitraum oder in Kombination mit Flucloxacillin eingenommen haben.
Bei einer metabolischen Azidose sinkt der Blut-pH-Wert unter 7,35. Erste Anzeichen sind starke Atemprobleme, Benommenheit, Übelkeit, Erbrechen. Bei Verdacht auf HAGMA muss Paracetamol sofort abgesetzt und ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.
Allgemein zu beachten:
Paracetamol gehört laut der wissenschaftlichen Datenbank Embryotox bei behandlungsbedürftigen Schmerzen beziehungsweise hohem Fieber in jeder Phase der Schwangerschaft zu den Analgetika beziehungsweise Antipyretika der Wahl. Das Medikament sollte jedoch nicht ohne ärztlichen Rat tage- oder wochenlang eingenommen werden. Paracetamol ist neben Ibuprofen auch Analgetikum der Wahl in der Stillzeit.
Die Anwendung in der Schwangerschaft steht immer wieder in der Diskussion. Postuliert wird unter anderem ein erhöhtes Risiko für ADHS und Autismus beim Kind. Dies gilt jedoch bislang nicht als belegt.
Der Beratungscheck zeigt eine Auswahl an Arzneimittelinformationen. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Weiterführende Informationen finden Sie unter anderem in den entsprechenden Fachinformationen, der Roten Liste sowie auf www.embryotox.de.