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OTC-Beratungscheck
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Paracetamol

Kontraindikationen, Neben- und Wechselwirkungen: OTC-Arzneimittel sind nicht weniger beratungsintensiv als verschreibungspflichtige. In der Serie »OTC-Beratungscheck« fasst PTA-Forum die wichtigsten Hinweise zu ausgewählten OTC-Präparaten für die Beratung übersichtlich zusammen. Diesmal: Paracetamol Tabletten.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 18.03.2026  14:00 Uhr

Arzneistoffgruppe

Analgetika, Antipyretika

Präparate

zum Beispiel: Benuron® Tabletten, Paracetamol 1A-Pharma® Tabletten

Indikation

Leichte bis mäßig starke Schmerzen, Fieber

Dosierung/Anwendung

  • Tabletten unzerkaut mit reichlich Flüssig­keit einnehmen, Einnahme nach den Mahlzeiten kann den Wirkeintritt verzögern
  • Dosierung: in der Regel 10–15 mg/kg Körpergewicht (KG) als Einzeldosis, maximal 60 mg/kg Körpergewicht als Tages-Gesamtdosis
  • Für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren (ab 43 kg KG) gilt: Einzeldosis 500–1000 mg und maximale Tagesdosis 4000 mg
  • Dosierungsintervall: mindestens 6 Stunden
  • Dosis- und Intervallanpassung erforderlich: Bei Nieren- und Leberinsuffizienz sowie älteren Patienten mit einem Körpergewicht unter 50 kg, chronischem Alkoholismus, Dehydratation oder chronischer Unterernährung
  • Arzt aufsuchen: Bei hohem Fieber, Anzeichen einer Sekundärinfektion oder wenn Beschwerden länger als drei Tage anhalten
  • Wichtig: Bei der Ermittlung der maximalen Tagesdosis müssen auch zusätzlich eingenommene Kombinationspräparate mit Paracetamol-Komponente einbezogen werden (zum Beispiel Buscopan® Plus, Grippostad® C).

Kontraindikation/Warnhinweis

  • Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder sonstige Bestandteile oder schwere Leberfunktionsstörung ohne ärztliche Betreuung, einschließlich schweres Leberversagen infolge einer alkoholbedingten Leberschädigung
  • Vorsicht bei: Leberinsuffizienz, chronischem Alkoholmissbrauch, Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 50 ml/min), Gilbert-Syndrom, Einnahme anderer leberschädigender Arzneistoffe, Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Favismus), hämolytischer Anämie, Gluthation-Mangel oder Erkrankungen, die einen niedrigen Glutathionspiegel hervorrufen, Dehydratation, chronischer Mangelernährung, KG < 50 kg und älteren Patienten

Bei Überdosierung sind schwere Leberschäden möglich – bereits bei einmaliger Einnahme der gesamten Tagesdosis.

Eine Einzeldosis von ≥ 6 Gramm bei Erwachsenen oder 140 mg/kg KG bei Kindern führt laut Fachinformation zu Leberzellnekrosen. Es kann es zu Leberschäden, Magen-Darm-Blutungen, metabolischer Azidose, Enzephalopathie, Koma bis hin zum Tod kommen. Da sich die Schädigung erst verzögert bemerkbar macht – klinische Symptome der Leberschäden wie Ikterus treten in der Regel erst nach zwei Tagen auf –, ist umgehend ärztlicher Rat erforderlich, auch wenn sich die Patientin oder der Patient gut fühlt. Mögliche Anzeichen der Überdosierung in den ersten 24 Stunden sind Übelkeit, Erbrechen, Anorexie, Blässe, Unwohlsein, Schwitzen, Schläfrigkeit und Unterleibsschmerzen.

Eine Paracetamol-Vergiftung wird – bereits bei Verdacht – in den ersten zehn Stunden durch intravenöse Gabe von SH-Gruppen-Donatoren wie N-Acetylcystein behandelt. Auch bis zu 48 Stunden nach Intoxikation kann N-Acetylcystein noch Schutz bieten. Zusätzlich kann eine Dialyse die Paracetamol-Konzentration absenken.

Nebenwirkungen

In der Regel gut verträglich

Allgemein zu beachten: metabolische Azidose bei Vorliegen von Risikofaktoren, Analgetika-Nephropathie (langfristige Einnahme), Hepatotoxizität, Analgetika-Kopfschmerz (nicht bestimmungsgemäßer, hochdosierter Gebrauch)

Bei peroraler Einnahme (Tabletten): häufig: leichte Schläfrigkeit; gelegentlich: unter anderem Bauchschmerzen, Schwindel, Hypothermie; selten: unter anderem Anstieg der Lebertransaminasen, Hautausschlag, allergische Reaktionen, verändertes Blutbild; sehr selten: unter anderem schwere Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom

Vollständige Informationen sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.

Wechselwirkungen

  • Laut ABDA-Datenbank: Kontraindiziert: Deferipron (erhöhtes Risiko Agranulozytose); schwerwiegend: Clozapin (erhöhtes Risiko Agranulozytose), Flucloxacillin (Risiko metabolische Azidose)

Allgemein zu beachten:

  • Alkohol: Leberschäden möglich auch durch ansonsten unschädliche Paracetamol-Dosen
  • Enzyminduktoren (zum Beispiel Rifampicin, bestimmte Antiepileptika) und potenziell hepatotoxische Substanzen
  • Mittel, die zu einer verlangsamten Magenentleerung führen, zum Beispiel Propanthelin: Aufnahme und Wirkeintritt von Paracetamol verzögert
  • Mittel, die die Magenentleerung beschleunigen, zum Beispiel Metoclopramid: beschleunigte Aufnahme und Wirkung von Paracetamol
  • Probenecid: Hemmung der Bindung von Paracetamol an Glucuronsäure, reduziert Paracetamol-Clearance
  • Colestyramin: verringerte Aufnahme von Paracetamol
  • Zidovudin: erhöhtes Risiko einer Neutropenie
  • Antikoagulantien: verstärkte Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten, wenn Paracetamol wiederholt über einen Zeitraum von mehr als einer Woche eingenommen wird

Schwangerschaft/Stillzeit

Paracetamol gehört laut der wissenschaftlichen Datenbank Embryotox bei behandlungsbedürftigen Schmerzen beziehungsweise hohem Fieber in jeder Phase der Schwangerschaft zu den Analgetika beziehungsweise Antipyretika der Wahl. Das Medikament sollte jedoch nicht ohne ärztlichen Rat tage- oder wochenlang eingenommen werden. Paracetamol ist neben Ibuprofen auch Analgetikum der Wahl in der Stillzeit.

Die Anwendung in der Schwangerschaft steht immer wieder in der Diskussion. Postuliert wird unter anderem ein erhöhtes Risiko für ADHS und Autismus beim Kind. Dies gilt jedoch bislang nicht als belegt.

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