Früher, länger, aggressiver: Die Pollensaison verändert sich. / © Getty Images/Lazarenka
Allergische Beschwerden verändern sich – in ihrer Dauer und ihren Auslösern. Bei einer repräsentativen Befragung des Marktforschungsinstituts Bilendi von mehr als 3500 Allergikern zwischen 18 und 65 Jahren gaben vor allem Frauen an (45 Prozent), dass ihre Beschwerden ganzjährig bestehen. Bei den Männern waren es 32 Prozent. Die Ergebnisse sind Teil des sogenannten Allergieatlas 2026, der im Rahmen einer Presseveranstaltung des Unternehmens Opella vorgestellt wurde. Vor zwei Jahren klagte nur knapp jeder Sechste über ganzjährige Allergiebeschwerden.
Nicht wenige Betroffene gaben eine verstärkte Symptomatik in ihrem Allergieverlauf an. So berichteten 31 Prozent von einer leichten, 10 Prozent von einer deutlichen Verschlechterung der Beschwerden. Gleichzeitig verschiebt sich der zeitliche Verlauf: Symptome treten früher im Jahr auf (24 Prozent), dauern länger (21 Prozent) oder kommen häufiger vor (13 Prozent). Niesreiz, eine juckende und verstopfte Nase (73 Prozent) sowie tränende und gerötete Augen (59 Prozent) stehen beim Beschwerdebild im Vordergrund. Reizungen im Mund-Rachen-Raum, allergisches Asthma und Hautreaktionen treten bei etwa jedem Dritten auf.
Laut Professor Dr. Torsten Zuberbier, Direktor des Instituts für Allergieforschung an der Berliner Charité, hat die Veränderung der Pollensaison maßgeblich etwas mit dem Klimawandel zu tun. »Durch die im Schnitt wärmeren Winter sind bereits im Dezember Erle- und Haselpollen in der Luft. Selbst wenn noch kein Pollenflug sichtbar ist, kann das Allergen schon messbar sein. An warmen und feuchten Tagen lösen sich vermehrt Allergene aus den Pollen. Das gleicht dem Effekt, wenn aufgrund von Regen die Pollen platzen. Die darin enthaltenen kleinen Proteine und Peptidstrukturen können dann zu Reaktionen auch der unteren Atemwege führen, dem sogenannten Thunderstorm-Asthma.«
Die Vegetationsphasen begännen nicht nur früher, sondern insgesamt dauert die Saison länger, weil es weit in den Herbst hinein noch warme Tage gibt. Das wirke sich vor allem auf die Kräuterpollen aus, die länger fliegen. Beifuß gilt als Leitpflanze für Kräuter- und Gewürzallergiker. Invasive Arten wie Ambrosia und der chinesische Götterbaum gewinnen an Bedeutung.