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Maus-Studie
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Satt schon vom Riechen?

Schon der Geruch von Essen soll für eine gewisse Sättigung sorgen können. Das haben Forschende des Max-Planck-Instituts für Stoffwechselforschung herausgefunden – beziehen das jedoch zunächst nur auf Mäuse, die zudem das Kriterium erfüllten, nicht adipös zu sein. Was bedeutet das nun für den Menschen und ergibt sich daraus ein neuer Ansatz für die Adipositastherapie?
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 18.06.2025  14:00 Uhr

Die Forschenden untersuchten mittels Gehirnscans, welche Gehirnregionen auf welche Weise auf den Geruch von Futter reagieren. Dabei stießen sie auf eine neue Gruppe von Nervenzellen, die eine direkte Verbindung zur Nase aufwiesen. Dadurch waren diese in der Lage, innerhalb kürzester Zeit ein Sättigungsgefühl zu erzeugen, sobald die Mäuse Futter nur rochen. Sobald sie fraßen, wurden die Nervenzellen unmittelbar gehemmt. Die Mäuse nahmen jedoch insgesamt weniger Futter zu sich, wenn die Nervenzellen vor dem Fressen aktiviert worden waren.

Die Studienautoren vermuten, dass dieser Mechanismus die Tiere in der freien Wildbahn dabei unterstützt, sich vor Raubtieren zu schützen. »Indem sie kürzere Fresszeiten haben, verringern sie das Risiko, gefangen zu werden«, erklärt Janice Bulk, Erstautorin der Studie.

Nicht bei allen Mäusen gleich

Bei fettleibigen Mäusen funktionierte dieser Mechanismus allerdings nicht: Rochen diese Nahrung, wurden die speziellen Nervenzellen nicht aktiviert – sie fühlten sich nicht satter und fraßen auch nicht weniger. Das könnte den Forschenden zufolge darauf hinweisen, dass die neu identifizierte Gruppe von Nervenzellen durch Adipositas beeinträchtigt sein könnte – ein Effekt, der insofern schon bekannt ist, dass Fettleibigkeit das Geruchssystem inklusive der neuronalen Aktivität in der Nase stört.

Von der Maus zum Mensch?

Ob Menschen entsprechend auf Essensgerüche reagieren, sei damit noch nicht bewiesen, so die Autoren. Bekannt sei jedoch, dass das menschliche Gehirn die gleiche Gruppe von Nervenzellen wie die Mäuse besitzt. Zudem hätten andere Forschungen bereits ergeben, dass bestimmte Gerüche den Appetit reduzieren können, aber weitere Studien auch gezeigt, dass übergewichtige Menschen in vergleichbaren Situationen deutlich mehr aßen.

Die Studie bestätige die Bedeutung des Geruchssinns bei der Appetitregulierung und der Entstehung von Fettleibigkeit und gebe weiteren Einblick auf den Einfluss von Lebensmittelgerüchen auf unser tägliches Essverhalten, so die Autoren. Es eröffne damit einen neuen Ansatz, um übermäßigem Essen bei Adipositas vorzubeugen.

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