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Entspannung üben
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Selbsthypnose gegen Schmerzen

Die psychologische Schmerztherapie ist vielfältig und reicht von Verhaltens- und Gesprächstherapie bis hin zu Achtsamkeits- und Entspannungsverfahren. Günter Diehl, Psychologe in der Espan-Klinik Bad Dürrheim, legte beim Frühjahrskongress der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg einen Fokus auf Motivation und Selbsthypnose.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 09.04.2026  16:00 Uhr

Diehl nannte drei wichtige Säulen der Schmerztherapie: Erstens frühzeitig mit nichtmedikamentösen Maßnahmen beginnen, zweitens multimodal behandeln, das heißt, Körper, Psyche und Umfeld einbeziehen, und drittens: »Den Patienten zum ›Manager‹ seines Schmerzes machen.« Dabei sei der gedankliche Umgang mit Schmerzen zentral, so der Psychologe: Fühlt man sich hilflos ausgeliefert oder kann man sich motivieren, mit den Schmerzen umzugehen?

Es gebe zwei Motivationssysteme, erklärte Diehl. Während das aversive System auf das Wegkommen von Problemen, also das Negative fokussiert, steht beim appetitiven System das Erreichen eines positiven Zustands im Zentrum – »das führt uns viel weiter«. Patienten stellen sich vor: »Wie ist es, wenn ich mich wieder schmerzfrei bewegen kann? Wenn ich wieder Treppen steigen oder Sport machen kann?« Die Zielvorstellung sollte so lebendig wie möglich sein – »wie ein Film, der vor unserem inneren Auge abläuft« – und auch in der Gegenwart spielen. Die Verknüpfung der Ziele mit Dankbarkeit sei ebenfalls hilfreich. »Das ist ein klassisches Mentaltraining«, so Diehl.

Negative Gedankenspiralen, die meist nachts oder bei Anspannung auftreten, können den Prozess stören und dazu führen, dass Selbstmitleid und die »Opferrolle« im Vordergrund stehen. Doch auch hier gebe es mentale Techniken, die den Gedankenkreiseln mit etwas Übung Einhalt gebieten, sagte der Psychologe, etwa, indem man gedanklich ein großes rotes Stoppschild vor die negativen Gedanken stellt. Es helfe außerdem zu verinnerlichen: »Gedanken sind Gedanken und erstmal keine Tatsachen.«

Die Schmerzen loslassen

Eine Methode, die die Vorstellungskraft fördert und nutzt, ist das autogene Training, das Diehl zufolge eine Art der Selbsthypnose ist. Ein Beispiel ist die Kälte- oder Wärmesuggestion. Bei Kopfschmerzen stellt man sich beispielsweise vor, wie sich eine angenehme Kühle im Kopf ausbreitet. Darüber hinaus können Affirmationen von Kühle bei Prellungen, akuten Entzündungen oder Zahnschmerzen lindernd wirken. Wärmesuggestionen unterstützen hingegen bei Muskelverspannungen, Rheuma, Rücken- und Nackenschmerzen, chronischen inneren Erkrankungen oder Bauchschmerzen.

Diehl präsentierte eine weitere Übung, die sich schnell in den Alltag integrieren lässt: Patienten stellen sich dabei vor, dass sie an einem langsam fließenden Fluss sitzen und beobachten, wie immer wieder einzelne Blätter hineinfallen und wegfließen. Mit jedem Blatt lassen sie dann etwas Anspannung und Schmerzen »davonfließen«. »Das führt zu einer wunderbaren psychischen Entlastung und natürlich auch zu einer Reduzierung des Schmerzes«, so Diehl.

Das gleiche Prinzip verfolgen Atemübungen, bei denen Patienten mit jedem Ausatmen Schmerzen loslassen. Hierbei kann man ebenfalls die Fantasie nutzen: »Eine weitere wunderbare Möglichkeit ist, sich einen Wohlfühlort vorzustellen«, sagte Diehl, und zwar mit allen Sinnen: Wie sieht es aus? Was rieche und höre ich? Was spüre ich? Als Beispiel zeigte er ein Bild von einer Hängematte im Grünen.

Die Fähigkeit zur Entspannung und Vorstellungskraft bräuchten natürlich Anleitung und Übung, so Diehl. »Das geht nicht von heute auf morgen. Wir brauchen eine gewisse Zeit, gerade wenn es starke Schmerzen sind, nach Operationen oder in der Onkologie.« Dann aber könnten die Methoden die Patienten unterstützen, die Schmerzen selbst zu regulieren – in Ergänzung zu anderen Therapieverfahren und Medikamenten. »Wir haben ein Handwerkszeug«, so Diehl. »Das ist ganz viel Selbstwirksamkeit, sodass wir aus der Hilflosigkeit rauskommen.«

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