| Katja Egermeier |
| 29.01.2026 14:00 Uhr |
Warum glauben wir manchen Informationen schneller als anderen? Eine neue psychologische Studie liefert Hinweise auf einen bislang unterschätzten Faktor. / © Getty Images/Maria Korneeva
Das Team um Dr. Moritz Ingendahl vom Lehrstuhl Soziale Kognition an der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum zeigte, dass nicht nur der wiederholte Kontakt für mehr Vertrauen sorgt. Der Effekt falle noch stärker aus, wenn der entsprechende Inhalt zuvor selbst ausgewählt wird – etwa, indem eine Headline aktiv angeklickt wird.
An dem Experiment nahmen knapp 1000 Personen teil. Ihnen wurden Informationen – neu und wiederholt – entweder zufällig oder aus einem zuvor selbst gewählten Themenfeld präsentiert. Im Anschluss sollten die Teilnehmenden den Wahrheitsgehalt aller Informationen einschätzen.
Ingendahl erklärt: »Wir konnten übereinstimmend mit älteren Studien sehen, dass die Teilnehmenden wiederholt auftretenden Informationen mehr Glauben schenkten als neuen.« Zudem habe sich gezeigt, dass der Einfluss von Wiederholungen stärker ausfiel, wenn die Information zuvor selbst ausgewählt worden war – im Vergleich zu den zufällig präsentierten Inhalten.
Warum selbst gewählte Inhalte stärker vertrauenswürdig wirken, führen die Forschenden auf die Art der Informationsverarbeitung des menschlichen Gehirns zurück. Aktive Informationssuche erhalte mehr Aufmerksamkeit und kognitive Ressourcen. »Die Testpersonen konnten sich auch später an aktiv gewählte Informationen besser erinnern als an passiv aufgenommene«, so Ingendahl.
Wiederholte Informationen führten also dazu, dass Menschen ihnen stärker vertrauten, sie in den sozialen Medien verstärkt teilten und ihre Verbreitung damit weiter antrieben. Dazu komme, dass Nutzerinnen und Nutzer bei Social Media selbst auswählen, welche Informationen sie erreichen – etwa indem sie entscheiden, wem sie folgen. Das verstärke den Erfolg von Fake News, so die Vermutung der Forschenden.
Gleichzeitig liegt darin aus Sicht der Forschenden eine Chance: Gut aufbereitete Faktenchecks, die aktiv ausgewählt und wiederholt wahrgenommen werden, könnten dem Mechanismus gezielt entgegenwirken.