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Gleichzeitig Gas und Bremse
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So wirkt Alkohol auf den Körper

In der Silvesternacht wird viel gefeiert und getrunken. Doch was passiert eigentlich während einer durchzechten Nacht und danach im Körper? Eine ganze Menge, wie ein Neurologe erklärt. 
AutorKontaktdpa
Datum 30.12.2023  10:00 Uhr
So wirkt Alkohol auf den Körper

In einer durchzechten Nacht etwa an Silvester vollziehen sich komplexe Prozesse im menschlichen Körper. Durch Alkohol werden im Gehirn bildlich gesprochen das Gas- und Bremspedal gleichzeitig durchgetreten, filigrane Prozesse geraten aus dem Takt, wie Martin Morgenthaler, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern, erklärt. All das vollziehe sich schon kurze Zeit nach dem ersten Schluck Sekt, Wein, Bier oder Schnaps.

Alkohol erreiche schon sechs Minuten nach der Aufnahme das Gehirn. Die Zellen dort seien von einer Hülle umgeben, in der ganz viele Transportfunktionen abliefen, die wiederum den Aktivitätszustand der Zelle bestimmten. In den allermeisten Hirnregionen wirke Alkohol dämpfend, erklärte Morgenthaler. Es komme zu einem Anstieg von Chlorid-Ionen, was sich verlangsamend auf Zellprozesse auswirke – »vor allem auf die Reizübertragung, also die Kommunikation zwischen Zellen«.

»Die Reaktion nimmt ab, mir wird schwindelig, das Sehvermögen lässt nach, ich kann Situationen nicht mehr richtig einschätzen«, sagte Morgenthaler. Auch auf die Energieversorgung der Zellen wirke sich der Alkohol aus. Die Prozesse der Mitochondrien, quasi die Kraftwerke der Zellen, würden verlangsamt. Dieser Effekt falle noch stärker aus, wenn Alkohol gemeinsam mit Nikotin konsumiert werde.

Extremfall Filmriss

Das Extrem einer solchen Reizdämpfung ist der sprichwörtliche Filmriss. Dann funktioniere die Übertragung vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis nicht mehr. Die Arbeit der Synapsen, der Verbindungen zwischen Nervenzellen, werde im Hippocampus, einem Gehirnteil, der wie eine Art Zwischenspeicher funktioniert, gebremst. »Medizinisch gesehen ist der Filmriss also eine Amnesie für Dinge, die ich gerade erlebe«, erklärte Morgenthaler.

Es gebe fragmentarische Filmrisse, wenn »Erinnerungsinseln« blieben. »Da kann ich mich an bestimmte Punkte noch erinnern, dazwischen sind aber Lücken«, sagte er. Beim kompletten Filmriss sei dann ein Abend oder eine Nacht in Gänze weg. »Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt, je schneller und je mehr Alkohol ich konsumiere.« Und sie werde noch größer, wenn verschiedene alkoholische Getränke durcheinander getrunken würden oder Alkohol mit Drogen kombiniert werde.

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