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Hals-Nasen-Ohren-Probleme
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Stiller Reflux ohne Sodbrennen

Kloßgefühl beim Schlucken, Räusperzwang, Husten, Nasennebenhöhlenentzündungen, Atemprobleme: Ein sogenannter stiller Reflux äußert sich ganz anders als der Klassiker mit Sodbrennen und saurem Aufstoßen – und bleibt deshalb lange ohne Diagnose. Die Behandlung ist langwierig und erfordert ein hohes Maß an Mitarbeit der Betroffenen.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 14.01.2026  15:00 Uhr

Der lange Weg zur Diagnose

Die Diagnose ist unspezifisch beziehungsweise ist es für den Patienten oft ein zeitraubender Irrweg zwischen Haus-, HNO-Arzt, Internist und Gastroenterologe. Man könnte den stillen Reflux als »Verdachtsdiagnose bezeichnen, die vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt gestellt und vom Gastroenterologen bestätigt wird«. Dieser nimmt eine Magenspiegelung vor sowie in Einzelfällen eine sogenannte 24-Stunden-Impedanz-pH-Metrie, eine Säure-Reflux-Messung per Magensonde. So lässt sich feststellen, ob der Mageninhalt bis zum oberen Schließmuskel der Speiseröhre fließt.

Experte Storr gibt jedoch zu bedenken, dass bei vielen Patienten die Menge des Rückflusses so minimal ist, dass die Refluxmessung einen Normalwert anzeigt, obwohl Beschwerden bestehen. »Eine negative Impedanz-pH-Metrie ist deshalb noch kein Beleg dafür, dass man nicht an einem stillen Reflux leidet«, heißt es da. Umso wichtiger sei eine gründliche Anamnese, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Beschreiben die Patienten etwa, dass ihr Husten mit der Nahrungsaufnahme oder bestimmten Körperpositionen zusammenhängt oder dass beim Vorneüberbeugen Missempfindungen im Halsbereich entstehen, gebe das dem Arzt deutliche Hinweise auf den versteckten Reflux.

PPI helfen nicht immer

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Die gastroenterologische Leitlinie empfiehlt bei extraösophagealen Beschwerden der Refluxkrankheit genauso wie bei Sodbrennen zunächst eine Behandlung mit Protonenpumpenblockern (PPI), also etwa mit Omeprazol, Pantoprazol oder Esomeprazol – und das bis zu zwölf Wochen 40 mg zweimal täglich. Die deutlich längere Einnahmeempfehlung im Vergleich zum klassischen Reflux ist Storr zufolge der Hartnäckigkeit der Beschwerden des stillen Reflux geschuldet. PPI hemmen die Na+/K+-ATPase in den Belegzellen und damit die Säureproduktion. Achtung bei der Beratung: Im Rahmen der Selbstmedikation ist eine Anwendung von Omeprazol oder Pantoprazol 20 mg auf einen Zeitraum von zwei Wochen begrenzt. PPI helfen den meisten Patienten jedoch nicht.

Mehr Erfolg versprechen vor allem Mukoprotektiva und Schichtgitterantazida wie Magaldrat und Hydrtalcit,  weil sie in der Lage sind, schleimhautprotektiv zu wirken. Das sind vor allem Heilerde und Alginate, beide positiv in der aktualisierten S2k-Refluxleitlinie bewertet. Beide bringen folgenden neuen Aspekt in die Therapie mit ein: Zusätzlich zur hohen Säurebindungskapazität legt sich Heilerde (wie von Luvos® Heilerde, als Arzneimittel zugelassen) nach der Einnahme wie ein Schutzfilm über die strapazierte Schleimhaut der Speiseröhre, hat also einen mukosaprotektiven beziehungsweise schleimhautsensitiven Effekt.

Die Unterstützung der Schließmuskelabdichtung ist auch der Pluspunkt der Alginate. Sie greifen nämlich an der sogenannten Säuretasche (Acid Pocket), einer Ansammlung von Magensäure am Übergang vom Magen zur Speiseröhre, an. Alginate, die meist mit einem Antazidum kombiniert sind (wie Gaviscon® Dual, Reluba®), bilden einen Schaum auf der Acid Pocket und eliminieren diese. Zusätzlich bewirken sie eine mechanische Refluxblockade, ein auf dem Speisebrei schwimmendes Gel, das gleichzeitig wie ein Schutzfilm in der Speiseröhre wirkt. Daneben beheben auch Feigenkaktus-Extrakt (wie Refluthin®) oder ein Gel-Komplex bestehend aus Carbomer, Xanthan und Natriumhyaluronat (Sobrade®) das lästige Brennen im Bereich der Speiseröhre. 

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