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Hypersomnie
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Tagsüber quälend müde

Haben Menschen am Tage ein Schlafbedürfnis, das sie deutlich in ihren Alltagsaktivitäten ausbremst, sprechen Mediziner von Hypersomnie. Die Ursachen sind vielfältig und in vielen Fällen nicht vollständig heilbar.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 31.10.2024  08:30 Uhr

Menschen, die unter einer Hypersomnie leiden, berichten individuell von unterschiedlichen Symptomen. Dabei kann es sich um eine Schläfrigkeit tagsüber handeln, die derart massiv ist, dass die Betroffenen einfach einschlafen. Andere Patienten fühlen sich sehr müde, schlafen aber nicht unwillkürlich ein. Bei einer weiteren Gruppe hat sich der Nachtschlaf auf zehn Stunden und mehr ausgedehnt. Und selbst damit fühlen sich diese Menschen am Tag nicht ausgeschlafen.

Vielfältig wie die Symptome sind auch die Ursachen. Das bekannteste Beispiel ist die Narkolepsie. Bei dieser neurologischen und unheilbaren Erkrankung schlafen die Betroffenen unvermittelt tagsüber ein, verursacht durch eine gestörte Regulation von Schlaf und Wachsein. Experten unterscheiden einen Typ 1, gekennzeichnet durch Anfälle plötzlicher Muskelerschlaffung und die häufigste Form, von Typ 2, der ohne diese fachsprachlich als Kataplexien bezeichneten Muskelerschlaffungen einhergeht. Eine Narkolepsie trifft 25 bis 50 von 100.000 Menschen unabhängig vom Geschlecht und beginnend bis zum 40. Lebensjahr.

Ursächlich ist – wahrscheinlich als Folge einer Autoimmunreaktion oder auch einer Infektion – ein Mangel des Botenstoffes Hypokretin, der Schlaf und Wachheit maßgeblich reguliert. Um die Symptome zu reduzieren, kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz wie Psychostimulanzien, Sodiumoxybat, vereinzelt auch trizyklische Antidepressiva. Die Patienten bekommen zudem Maßnahmen an die Hand, mit denen sie selbst das Leiden ein wenig in die Schranken weisen können.

Zu viel Schlaf

Bei einer idiopathischen Hypersomnie brauchen Betroffene mehr als zehn Stunden Schlaf pro Tag, aus dem sie auch nur mühsam erweckbar sind. In der ersten halben Stunde nach dem Aufwachen sind sie nicht ganz bei sich, wirken schlaftrunken. Trotz der hohen Schlafdauer fühlen sie sich auch tagsüber oft müde und leiden besonders bei Tätigkeiten, die den Bewegungsapparat nicht beanspruchen, also Lesen oder am Computer arbeiten, darunter, ständig mit dem Schlaf kämpfen zu müssen. Horcht man nach, erfährt man häufig, dass auch nahe Verwandte derart viel Schlaf brauchen. Es scheint also eine erbliche Komponente zu existieren.

Ähnlich wie bei der Narkolepsie profitieren Betroffene von wachmachenden Medikamenten wie Modafinil, Methylphenidat, Amantadin und noradrenerg wirksamen Antidepressiva. Die Erkrankung schleicht sich ins Leben und dauert mindestens sechs Monate an. Ärzte finden keine weiteren körperlichen Auffälligkeiten. Die Patienten profitieren von einem regelmäßigen Mittagsschlaf. Eine idiopathische Hypersomnie ist nicht heilbar. Die Ursache liegt wahrscheinlich in einer Desynchonisierung des noradrenergen Systems.

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