An Dauereinstichstellen können lokale Veränderungen des Unterhautfettgewebes auftreten. / © Getty Images/Olena Malik
Unterzuckerungen sind die häufigste und schwerwiegendste Nebenwirkung einer Insulintherapie. Wird eine hohe Insulindosis ohne passende Kohlenhydratzufuhr appliziert, können bereits milde Unterzuckerungen Symptome wie Zittern, Schwitzen oder Verwirrtheit auslösen. Schwere Hypoglykämien, die sich durch Anzeichen wie Bewusstseinsverlust oder Krampfanfälle äußern, sind zwar seltener, wenn Patienten im Umgang mit ihrer Therapie geübt sind, müssen aber immer bedacht und als Notfall behandelt werden. Eine regelmäßige Schulung hilft, Warnzeichen zu erkennen und richtig zu reagieren.
Eine weitere unerwünschte Insulinwirkung ist, dass viele Betroffene zunehmen, wenn sie mit der Gabe beginnen. Ursache ist, dass der Körper mit Insulin effizienter mit Glucose versorgt wird und weniger Zucker und damit auch Wasser über den Urin verliert. Unter Insulinmangel verlieren Patienten üblicherweise viel Zucker mit dem Urin und nehmen zumindest bei Typ-1-Diabetes stark ab. Wenn Insulin von außen zugeführt wird, fällt dieser Verlust weg und gleichzeitig erhöhen Insulin und mögliche Unterzuckerungen Appetit und Heißhunger. Das Ergebnis kann eine ungewollte Gewichtszunahme sein.
Der Effekt lässt sich durch eine angepasste Kalorienzufuhr, ballaststoffreiche Ernährung und Bewegung reduzieren. Wichtig ist, Patienten auf dieses Risiko hinzuweisen und gemeinsam Gewicht und Essgewohnheiten im Blick zu behalten. Das Apothekenteam kann hier mit Ernährungshinweisen und Tipps für ein geeignetes Bewegungsprogramm helfen.
Weitere Nebenwirkungen einer Insulintherapie sind lokale Veränderungen des Unterhautfettgewebes (Lipohypertrophie) an Dauereinstechstellen, allergische Reaktionen (häufig ausgelöst durch Zusatzstoffe), Wasseransammlungen (insulinbedingtes Ödem) und in Einzelfällen eine Insulinresistenz durch Antikörperbildung. Eine Infektion am Kathetereinstich ist bei Pumpennutzung möglich. Wenn Patienten neue Hautrötungen oder Knoten bemerken, sollten sie diese mit dem Arzt besprechen. Die PTA kann daran erinnern, Einstichstellen regelmäßig zu wechseln.
Bei Anzeichen wie zum Beispiel Zittern, plötzlicher starker Müdigkeit, innerer Unruhe oder gereiztem Verhalten ist eine Unterzuckerung eine mögliche Ursache. Ist die Person ansprechbar, kann das Apothekenteam schnell verwertbaren Zucker (zum Beispiel Traubenzucker, Fruchtsaft oder gezuckerte Getränke) anbieten. Nach einer Wartezeit von 10 bis 15 Minuten zur Stabilisierung des Blutzuckerspiegels kann bei Bedarf weiterer Zucker verabreicht werden. Sofern die betroffene Person ein Glukagon-Nasenspray oder ein Glukagon-Notfallset mit sich führt, kann das Notfallmedikament helfen, den Blutzuckerspiegel rasch anzuheben und die Hypoglykämie zu beenden.
Tritt Bewusstlosigkeit ein, ist ein umgehender Anruf beim Rettungsdienst (112) erforderlich. Die Person wird in die stabile Seitenlage gebracht. Es dürfen keinesfalls Lebensmittel oder Getränke eingeflößt werden (Erstickungsgefahr). Bis der Rettungsdienst eintrifft, beaufsichtigt jemand aus dem Team den Patienten kontinuierlich.