| Verena Schmidt |
| 30.01.2026 16:00 Uhr |
Kaffee ist neben Wasser das Lieblingsgetränk der Deutschen. Rund 80 Prozent trinken Umfragen zufolge täglich oder mehrmals pro Woche Kaffee – sicher auch, um sich seine anregende Wirkung zunutze zu machen. / © Getty Images/franz12
Koffein wirkt als Antagonist an den Adenosin-Rezeptoren im zentralen Nervensystem. Durch die Hemmung der Rezeptoren fördert es die Freisetzung von Neurotransmittern wie Dopamin, Noradrenalin und Acetylcholin – das erhöht Wachheit und Konzentrationsfähigkeit und steigert die körperliche Leistungsfähigkeit.
Werden große Mengen Koffein aufgenommen, können jedoch auch unerwünschte Wirkungen auftreten: erhöhte Nervosität und Erregbarkeit, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche und Herzrasen. Ob und wie stark solche Nebenwirkungen auftreten, hängt von der Dosis und der individuellen Empfindlichkeit ab. Über einen längeren Zeitraum kann ein übermäßiger Konsum Herz-Kreislauf-Probleme, zum Beispiel erhöhten Blutdruck, bedingen. Nehmen Schwangere über längere Zeit erhöhte Mengen Koffein zu sich, kann dies das Wachstum des Fötus beeinträchtigen.
Bei oraler Aufnahme wird Koffein schnell im Körper aufgenommen. Die stimulierenden Effekte treten laut BfR rund 15 bis 30 Minuten nach dem Verzehr ein und können mehrere Stunden anhalten. In der Leber wird Koffein umgewandelt, abgebaut und schließlich über die Niere ausgeschieden. Die Geschwindigkeit des Abbaus unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.
Natürlicherweise kommt Koffein etwa in Kaffee- und Kakaobohnen sowie Teeblättern vor. Zahlreichen Lebensmitteln wird jedoch auch Koffein zugesetzt, etwa Cola-Getränken und Energydrinks. Darüber hinaus gibt es Nahrungsergänzungsmittel (NEM) und auch Arzneimittel, die Koffein enthalten.
Espresso, Schwarzer Tee oder Energydrink – der Koffeingehalt variiert je nach Getränk oder Lebensmittel stark. Die Tabelle gibt einen Überblick über typische Portionsmengen und die darin enthaltene Menge an Koffein.
| Getränk/Lebensmittel | Portionseinheit | Koffein pro Portion |
|---|---|---|
| Filterkaffee | eine Tasse (200 ml) | 90 mg |
| Energy Drink | eine Dose (250 ml) | 80 mg |
| Espresso | eine Tasse (60 ml) | 80 mg |
| Schwarzer Tee | eine Tasse (200 ml) | 45 mg |
| Cola-Getränk | eine Dose (330 ml) | 35 mg |
| Kakao-Getränk | eine Tasse (200 ml) | 8 bis 35 mg |
| Grüner Tee | eine Tasse (200 ml) | 30 mg |
| Zartbitterschokolade | halbe Tafel (50 g) | 25 mg |
| Vollmilchschokolade | halbe Tafel (50 g) | 10 mg |
Laut einer Risikobewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) können gesunde Erwachsene bis zu 200 mg Koffein (entsprechend 3 mg pro kg Körpergewicht) als Einzeldosis beziehungsweise innerhalb kurzer Zeit ohne gesundheitliches Risiko aufnehmen. Bei gewohnheitsmäßigem Verzehr gilt eine über den Tag verteilte Aufnahme von bis zu 400 mg für gesunde Erwachsene als gesundheitlich unbedenklich.
Schwangere und Stillende sollten pro Tag maximal 200 mg Koffein über die Ernährung aufnehmen; diese Menge gilt als unbedenklich für den Fötus beziehungsweise das gestillte Kind. Für gesunde Kinder und Jugendliche gilt ebenfalls ein Verzehr von 3 mg/kg KG als Einzeldosis oder über den Tag verteilt als risikofrei.
Koffein verstärkt aufgrund seiner Wirkweise die herzbeschleunigenden Effekte etwa von Sympathomimetika und L-Thyroxin. Die sedative Wirkung etwa von Barbituraten und Antihistaminika kann durch Koffein abgeschwächt werden.
Orale Kontrazeptiva, Cimetidin und Disulfiram können den Abbau von Koffein in der Leber verlangsamen, Gyrasehemmer können die Ausscheidung von Koffein bremsen. Barbiturate und Rauchen beschleunigen den Abbau dagegen. Die Ausscheidung von Theophyllin wiederum wird durch Koffein reduziert.
In der Schmerztherapie wird Koffein als Co-Analgetikum eingesetzt: Es verstärkt den schmerzlindernden Effekt von Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Ibuprofen; die Dosis der Analgetika kann dann durch Koffein bestenfalls reduziert werden. Das Abhängigkeitspotenzial von Analgetika steigt durch den Einsatz von Koffein wohl nicht – das hatte man früher aufgrund theoretischer Überlegungen angenommen.
Diese Frage ist unter Wissenschaftlern umstritten. Laut BfR ist allgemein wissenschaftlich anerkannt, dass die häufige Aufnahme von Koffein zu einer Toleranz führen kann – also ähnlich wie bei einer Sucht. Das bedeutet, bei gleichbleibendem Konsum treten einige Wirkungen des Koffeins nicht mehr oder weniger stark auf, der Blutdruck steigt beispielsweise nicht mehr oder nicht mehr so stark an.
Dazu kommt: Lässt man Koffein nach regelmäßigem Konsum plötzlich weg, reagiert der Körper mit Entzugssymptomen, etwa Kopfschmerzen, Müdigkeit, verringerter Energie und Aufmerksamkeit sowie Schläfrigkeit. Laut BfR sind gar eine verringerte Zufriedenheit, ein depressiver Gemütszustand, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit und ein »benebelter« Zustand möglich, wenn man zuvor täglich Kaffee getrunken hat.
Also: Wer täglich Koffein konsumiert, zeigt mitunter Zeichen einer Abhängigkeit. Diese sind aber deutlich milder ausgeprägt als bei anderen Suchtstoffen wie Alkohol oder Nikotin, ein zwanghaftes Suchtverhalten tritt bei Kaffee und Co. nicht auf. Wer seinen Koffeinkonsum reduzieren möchte, sollte das schrittweise tun – so lassen sich Entzugssymptome meist vermeiden.
NEM mit Koffein werden unter anderem als »Pre-Workout«-Produkte zur Leistungssteigerung im Sport beworben. Grundsätzlich gilt bei der Einnahme: Aufnahmemengen von 200 bis 400 mg pro Tag gelten als unbedenklich.
Das BfR warnt allerdings vor losen hochkonzentrierten oder reinen Koffeinpulvern, bei denen der Verbraucher die auf dem Etikett empfohlene Verzehrmenge selbst abmessen oder wiegen muss: Hier besteht die Gefahr einer versehentlichen Überdosierung. Das Institut verdeutlicht: Bei purem Koffeinpulver entsprechen 200 mg etwa einer Messerspitze Pulver. Die Einnahme von 5 bis 10 g purem Koffein (grob ein bis zwei Teelöffel) kann potenziell lebensgefährlich sein.
Energydrinks sind gerade bei Jugendlichen und Kindern beliebt. Neben Koffein enthalten sie meist Glucuronolacton, Taurin, Inosit und Süßungsmittel oder Zucker – Letzterer steigert, gerade wenn er in großen Mengen enthalten ist, ebenfalls kurzfristig die Leistung.
Gemäß der Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränke- und Teeverordnung dürfen Energydrinks bis zu 320 mg Koffein pro Liter enthalten – eine übliche 250-ml-Dose enthält somit etwa 80 mg Koffein, also so viel wie eine Tasse Kaffee. Beim Konsum größerer Mengen innerhalb kurzer Zeit können Konsumenten unter Nervosität und Erregbarkeit, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüchen und Herzrasen leiden. Zusätzlicher Alkoholkonsum oder anstrengende körperliche Betätigung kann die unerwünschten Wirkungen weiter verstärken.
In Fallberichten wurden nach einem hohen Energydrink-Konsum und gleichzeitigem Verzehr hoher Mengen an Alkohol oder anderen Drogen oder gleichzeitigem intensiven Sport schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Herzrhythmusstörungen, teilweise mit Todesfolge, beschrieben. Das BfR betont aber, dass die Ursachen hier nicht vollständig geklärt sind. Beispielsweise könnten Vorerkrankungen bei den schwerwiegenden Ereignissen eine Rolle gespielt haben.