Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac werden häufig im Rahmen der Selbstmedikation abgegeben. Hier ist auf Wechselwirkungen zu achten. / © Getty Images/alvarez
Hintergrund der als schwerwiegend eingestuften Interaktion ist das erhöhte Risiko für gastrointestinale Blutungen und die Ulkusentstehung bei gleichzeitiger Anwendung. Es kommt allerdings auf die Darreichungsform an: Bei lokaler Applikation, etwa als Inhalativa, Nasensprays oder Cremes, ist keine Interaktion zwischen Glucocorticoiden und NSAR zu erwarten.
Anders sieht es bei systemisch wirksamen Arzneiformen aus, zum Beispiel Tabletten, Injektionslösungen oder auch Suppositorien. Hier ist die Wechselwirkung gut untersucht – es scheint sich um additive Effekte zu handeln. Denn beide Arzneistoffgruppen können bereits allein im Therapieverlauf die Magenschleimhaut schädigen. Bei NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac ist die ulzerogene Wirkung allerdings stärker ausgeprägt als bei Glucocorticoiden. Letztere können offenbar erst in höheren Dosierungen und über mehrere Wochen eingenommen einen Ulkus auslösen.
Im Hinblick auf die Wechselwirkung zwischen Corticoiden und NSAR wird in der ABDA-Datenbank darauf hingewiesen, dass Ulzerationen und Blutungen nach mindestens einwöchiger Behandlung, aber auch nach mehreren Wochen oder Monaten der Therapie auftreten können. Corticoide können die Symptome einer irritierten Magenschleimhaut maskieren.
Das Risiko für gastrointestinale Blutungen wird wie folgt beschrieben: Bei Kombination von Corticoiden und NSAR war es in Studien um das 13-fache erhöht, bei Kombination von Corticoiden und selektiven COX-2-Hemmern (zum Beispiel Celecoxib, Etoricoxib) um das 5,6-fache, bei NSAR alleine um das 4,3-fache, bei Glucocorticoiden alleine um das 4,1-fache und bei selektiven COX-2-Hemmern alleine um das 2,9-fache.
In welchen Fällen die Interaktion relevant ist, hängt unter anderem von der Dosierung und der Therapiedauer ab. Das Risiko steigt mit längerer Anwendung und höheren Corticoid-Dosierungen. Weitere Risikofaktoren sind ein Lebensalter ab 65 Jahre, ein Ulcus pepticum oder gastrointestinale Blutungen in der Anamnese, Rauchen sowie Leberzirrhose. Auch andere Vorerkrankungen und Umstände, die das Risiko für Ulzera oder Magenblutungen erhöhen, sind zu beachten, zum Beispiel eine Helicobacter-pylori-Infektion, Stress, Alkoholkonsum oder kürzlich vorgenommene Eingriffe im Magen-Darm-Bereich.
Das Blutungsrisiko erhöht sich außerdem, wenn der Patient zusätzlich Arzneimittel einnimmt, die Blutungen begünstigen, wie Antikoagulantien oder Antidepressiva vom Typ Serotonin-Reuptake-Hemmer.