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Alzheimer
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Wann ist Frühdiagnostik sinnvoll?

Anlässlich des Welt-Alzheimer-Tages am 21. September hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) eine Videoreihe rund um die neurodegenerative Erkrankung veröffentlicht. Es geht unter anderem um die Frühdiagnostik.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 20.09.2024  13:00 Uhr

Das wichtigste Argument für eine Frühdiagnostik sei üblicherweise das Vorhandensein einer wirksamen Therapie, erklärt Professorin Dr. Dorothee Saur, Leiterin der Demenzsprechstunde am Universitätsklinikum Leipzig, in einem Videobeitrag. Für die Alzheimer-Demenz gelte dies nur bedingt, da die Erkrankung nicht heilbar ist und die Behandlungsmöglichkeiten limitiert. Daran könnte sich jedoch in Zukunft etwas ändern: Ein erster Schritt seien die monoklonalen Antikörper Lecanemab und Donanemab, die ein neues Wirkprinzip bieten und im frühen Stadium ansetzen. In der EU sind sie bislang nicht zugelassen.

Eine frühe Diagnose habe unabhängig von der Therapie einen Vorteil: »Vor allem gewinnen Ärzt:innen und Patient:innen Zeit«, so Saur. Zeit, in der zum Beispiel wichtige Entscheidungen für das weitere Leben getroffen werden können.

Betroffene könnten sich außerdem darauf konzentrieren, einer zusätzlichen vaskulären Schädigung des Gehirns vorzubeugen. »Man kennt den Feind und kann ihm ins Auge sehen«, so Saur. Essenziell sind ihr zufolge körperliche Bewegung, kognitives Training und ausreichend Schlaf. Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus sollten gut eingestellt, auf Rauchen und Alkohol verzichtet werden. Liegt bereits eine leichte Demenz vor, komme außerdem der Einsatz von Medikamenten wie Acetylcholinesterase-Hemmern infrage.

Bei Verdacht testen

Eine Diagnostik empfiehlt Saur, wenn der Verdacht auf den Frühverlauf einer Alzheimer-Erkrankung besteht. Die betroffenen Personen stellten sich oft mit dem Leitsymptom einer Gedächtnisstörung oder kognitiven Einschränkungen vor. »Red Flags« – meist von den Angehörigen bemerkt – sind Saur zufolge das wiederholte Erzählen der gleichen Geschichten, das wiederholte Stellen der gleichen Fragen und Orientierungsstörungen in einer fremden Umgebung. Dies deute darauf hin, dass das Hippocampus-abhängige Gedächtnis gestört sei. Als weitere, allerdings eher unspezifische Symptome, nennt sie Wortfindungsstörungen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen.

Möglichkeiten zur Diagnostik

Ziel der Diagnostik ist es, Alzheimer-typische Veränderungen im Gehirn festzustellen. Dazu gehören extrazelluläre Beta-Amyloid-Plaques und intrazelluläre Neurofibrillen aus phosphoryliertem Tau, wie Saur erklärt. Bezüglich der Methoden stehe die Liquordiagnostik an erster Stelle. Mit dieser könne vor allem erniedrigtes Beta-Amyloid-42 und erhöhtes Phospho-Tau-181 nachgewiesen werden. Bildgebende Verfahren können die Diagnose absichern.

Auch eine Amyloid-PET (PET = Positronen-Emissionstomographie) sei hinsichtlich der Alzheimer-Diagnostik von hoher Sensitivität und Spezifität. Sie werde angewendet, wenn eine Liquorpunktion nicht gewollt oder nicht möglich ist oder nicht eindeutig ausfällt. Eine Tau-PET ist Saur zufolge nicht in erster Linie zur Frühdiagnostik geeignet, sondern »ein guter Staging-Marker«, der das Stadium der Neurodegeneration widerspiegelt.

Darüber hinaus werden Blut-Biomarker, die eine frühe Diagnose erlauben, intensiv beforscht, zum Beispiel Phospho-Tau-217. Ein breites Screening bei asymptomatischen Personen sieht Saur allerdings kritisch, weil es keine Heilungsmöglichkeiten gebe und die Konsequenz der Früherkennung unklar sei. »So eine Diagnose stellt eine große psychische Belastung dar für die Betroffenen«, so Saur. Es sei letztlich eine sehr persönliche Entscheidung, ob man die Diagnose wissen möchte.

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