| Isabel Weinert |
| 16.01.2026 08:00 Uhr |
Ein akut geschwollener Lymphknoten ist in aller Regel kein Grund zur Sorge. / © Adobe Stock/M. Dörr & M. Frommherz
Die durchschnittlich 500 Lymphknoten im Organismus des Menschen sind Teil des lymphatischen Systems, zu dem unter anderem auch Lymphgefäße, Milz, Rachen- und Gaumenmandeln zählen. Dieses System, das nicht wie der Blutkreislauf in sich geschlossen ist, transportiert die Lymphflüssigkeit. Sie entsteht, wenn Flüssigkeit durch den Druck des Blutes aus den Blutkapillaren hinaus in den Zwischenzellraum gelangt, das sogenannte Interstitium. Muskelbewegungen und Atmung treiben sie in die Hauptlymphgänge, von wo aus sie in das Venensystem gelangen.
Wo im Körper befinden sie sich und wie viele davon gibt es?
Lymphknoten findet man im gesamten Körper, ein erwachsener Mensch besitzt etwa 500 davon. Liegen sie dicht unter der Haut, wie am Hals, im Nacken, in den Achselhöhlen und der Leiste, dann kann man sie tasten, wenn sie anschwellen. Die Lymphknoten im Körperinneren, an den inneren Organen, lassen sich nicht einfach so ertasten, wenn sie anschwellen.
Welchen Zweck erfüllen Lymphknoten?
Lymphknoten filtern die täglich anfallenden zwei bis drei Liter Lymphflüssigkeit unter anderem auf abzuwehrende Bestandteile wie Viren, Bakterien oder Krebszellen. Außerdem sorgen sie dafür, dass Lymphozyten reifen und sich vermehren. Erkennen die Lymphozyten Krankheiterreger, vermehren sie sich deutlich, der Lymphknoten schwillt an. B-Lymphozyten differenzieren sich zu Plasmazellen, die zahllose Antikörper gegen den Eindringling produzieren.
Wie lange bleibt ein akut geforderter Lymphknoten geschwollen?
Meistens schwellen Lymphknoten an, weil sie sich mit Viren auseinandersetzen. Dann schwellen sie in der Regel binnen zwei bis maximal vier Wochen wieder ab. Nur kurz vergrößern sie sich zum Beispiel auch unter der Achselhöhle, wenn man sich beim Rasieren verletzt, an Hand oder Arm eine Wunde hat oder von einem Insekt gestochen wurde.
Warum bleiben manche Lymphknoten dauerhaft geschwollen?
Hält eine Infektion an, zum Beispiel im Bereich der Zähne, oder kehrt immer wieder zurück, dann kommt die Abwehr in den Lymphknoten nicht zur Ruhe. Aber auch Autoimmunerkrankungen wie ein Lupus Erythematodes, Rheumatoide Arthritis oder das Sjögren-Syndrom (selten) können Lymphknoten dauerhaft beeinflussen. Selten steckt eine Krebserkrankung dahinter.
Wann sollte man aufmerken?
Wenn ein Lymphknoten länger als vier Wochen lang nicht abschwillt, wenn er sich beim Tasten hart anfühlt, sich nicht verschieben lässt und eher nicht schmerzt, dann sollte sich ein Arzt ansehen, was dahinterstecken könnte. Schwellen zum Beispiel Lymphknoten im Bauchraum an, dann können Bauchschmerzen darauf hindeuten, Verdauungsprobleme, Übelkeit und Erbrechen. Mitunter kann sich ein befallener Lymphknoten aber auch nur als kleiner, harter Knubbel zeigen.
Was geschieht in einem Lymphknoten, der sich derart verändert?
Krebszellen, entweder direkt im Lymphknoten aus entarteten Lymphknoten entstanden (Lymphom) oder aus einem Primärtumor in Lymphknoten gestreut, vermehren sich, verdrängen gesunde Zellen und können zu Metastasen werden. In der Folge schwillt der Lymphknoten an und verhärtet sich.
Wann steht eine Lymphknotenbiopsie im Raum?
Zeigt sich ein Lymphknoten nicht verschiebbar, hart, nicht schmerzhaft und womöglich auch im Ultraschall größer als 1,5 Zentimeter und formverändert, dann besteht eine Möglichkeit, herauszufinden, was nicht stimmt, in einer Biopsie. Dabei gibt es Risiken: Unter der Biopsie könnten bösartige Zellen des Lymphknotens in die Blutbahn verschleppt werden. Und zum anderen: Die entnommene Gewebeprobe könnte zufällig keine bösartigen Zellen enthalten, obwohl diese in anderen Bereichen des Lymphknotens siedeln. Deshalb sollten Patienten mit ihrem Arzt immer dezidiert besprechen, ob diese Maßnahme speziell in ihrem Fall medizinisch weiterführen wird.
Wann wird man den ganzen verdächtigen Lymphknoten für eine genaue Diagnostik entfernen?
Das wird immer dann notwendig, wenn ein dringender Verdacht auf einen Tumor besteht oder wenn ein Lymphknoten nicht abschwillt, auch nicht durch eine Therapie mit Antibiotika, und sich dafür keine Ursache wie etwa eine Zahnentzündung oder Ähnliches finden lässt. Ein dringender Krebsverdacht wird auch gespeist durch das Auftreten sogenannter B-Symptome, also Gewichtsverlust, Nachtschweiß, eventuell Fieber und/oder Appetitlosigkeit.
Ist die Abwehrlage des Organismus schlechter, wenn Lymphknoten entnommen werden mussten?
Fehlt ein Lymphknoten, stört das die Abwehrfunktion des Organismus nicht. Müssen mehrere entnommen werden, kann das die Immunfunktion jedoch beeinträchtigen. Um sowohl Operationsrisiken als auch Folgen der Entfernung wie ein Lymphödem, Nervenverletzungen und ein eingeschränktes Bewegungsvermögen möglichst gering zu halten, beseitigen Mediziner wann immer möglich nur den sogenannten Wächterlymphknoten. Das ist derjenige, der dem Primärtumor am nächsten liegt.
Mit was können weniger erfahrene Ärzte in bildgebenden Verfahren Lymphknoten verwechseln?
Wer im Ultraschall beispielsweise den Hals schallt und auf eine Struktur stößt, die er als auffälligen Lymphknoten einordnet, weil an dieser Stelle die medizinische Ultraschall-Erfahrung fehlt, der ist womöglich auf ein Nebenschilddrüsenadenom gestoßen. Das gibt es selten, und sowohl Hausärzten als auch Internisten fehlt es da häufig an Erfahrung.
Klagen Patienten über geschwollene Lymphknoten, lohnt es, nachzufragen, wie lange diese schon bemerkt werden und ob der Mensch eine Verletzung hatte, einen Insektenstich oder einen Infekt. PTA können in diesen Fällen beruhigen – der Lymphknoten scheint reaktiv, sollte aber nach spätestens vier Wochen nicht mehr tastbar sein. In allen anderen Fällen muss der Rat lauten, den Lymphknoten von einem Arzt checken zu lassen. Dabei ist es ratsam, einen Arzt auszuwählen, der sich in diesem Bereich sehr gut auskennt und wenn möglich auch eine hohe Ultraschall-Stufe erreicht hat, wie DEGUM II oder III.