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April, April!
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Warum lügen nicht immer schlecht ist

Flunkern, foppen, scherzen oder veräppeln: Am 1. April wird gern aufs Korn genommen. Doch sind Lügen eigentlich gleich Lügen? Und worin unterscheiden sie sich?
AutorKontaktdpa
Datum 31.03.2023  11:30 Uhr

Aprilscherz in der Krise

Oft sind Aprilscherze politisch unkorrekt, derb und gehen auf Kosten einzelner. Doch hat der Scherz in den vergangenen Jahrhunderten auch Hierarchien durchbrochen, sagt Kulturwissenschaftler Hirschfelder. »Vor 100 Jahren war das Hausmädchen noch Opfer des Aprilscherzes. Gegenüber ihrem Hausherrn durfte sie allerdings noch lange keinen machen.« Heute sehe das anders aus.

Die moderne Gesellschaft habe den Humor quasi ausgelagert, sagt Hirschfelder. »Wir haben die Produktion von Witz und Scherz an eine professionelle Reflexionselite delegiert, und die heißt dann meinetwegen Mario Barth oder so.« Comedians seien heute dafür zuständig, Witze zu machen. »Das heißt, wir sind von einer Gesellschaft, die selber witzig ist, zu einer Gesellschaft geworden, die sich Witze einkauft.« Kaum jemand traue sich deshalb noch, selbst Witze zu machen.

Auch deshalb stecke der Aprilscherz in der Krise. »Ich habe den Eindruck, dass wir an einem der üblichen Wendepunkte in der Kultur sind, wo wir eine ganze Reihe von Kulturmustern verlieren und neue bekommen«, sagt Hirschfelder. Das gelte auch für Feiertage wie etwa Pfingsten oder den von manchem gefürchteten Freitag, den 13. Bis ins 21. Jahrhundert hinein hatte der Aprilscherz Konjunktur, auch in den Medien. In Zeiten digitaler Meetings und sozialer Medien sei er aber nur noch eingeschränkt zeitgemäß, betont Hirschfelder. »Der Aprilscherz wird sich entweder verändern oder verschwinden. Aber wie alles andere in der Kultur kann er nicht so bleiben, wie er ist.«

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