| Isabel Weinert |
| 26.03.2026 16:00 Uhr |
Erst der Sport, dann das Frühstück – das schenkt dem Organismus mehr Effizienz im Stoffwechsel. / © Adobe Stock/vectorfusionart
Metabolische Flexibilität bedeutet, dass der Körper effizient switchen kann zwischen der Energiegewinnung aus Kohlenhydraten und der aus Fetten – möglichst ohne größeren Umweg über den Abbau von Proteinen, denn das ist unerwünscht. Je flexibler der Stoffwechsel in dieser Hinsicht ist, desto besser ist ein Mensch geschützt vor Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Zudem gibt es weniger Ups und Downs im Energielevel, weil sich der Körper in jeder Nährstoffsituation schnell zu helfen weiß, um an Energie zu kommen.
So weit, so gut – aber wie gelingt es, diese Fähigkeit des Körpers zu trainieren? Darauf weiß der Endokrinologe und Stoffwechselforscher PD Dr. med. Tim Hollstein vom Universitätsklinikum Kiel Antwort. Er erklärte gegenüber PTA-Forum: »Im Prinzip sind die meisten Menschen in unserer Gesellschaft metabolisch ziemlich inflexibel. Die meisten laufen die ganze Zeit auf Zuckerverbrennung, weil sie immer das Gefühl haben: ›Ich muss was essen, sonst falle ich in ein Zuckerloch‹. Das ist falsch. Unser Körper ist im Grunde dafür gebaut, mit Fastenperioden klarzukommen. Er hat eine Batterie, an der er sich bedienen kann und wenn die niemals benutzt wird, dann rostet das ganze System ein. Ich sage auch immer, unser Stoffwechselschalter rostet ein, und wir können dann nicht umschalten auf Fettverbrennung«.
Wenn man aber kontrolliert Fastenphasen einlegt oder im Fasten trainiert, also zum Beispiel vor dem Frühstück Sport treibt, dann muss der Körper unabhängig von Kohlenhydraten Energie besorgen – und die kommt dann aus dem Fettgewebe, so der Experte. Wird der Organismus regelmäßig auf diese Weise gefordert, dann kann er immer besser von Kohlenhydrat- auf Fettverbrennung umschalten, ohne dass der Körper Muskelmasse abbaut.
Hollstein betont aber auch, dass nicht jeder automatisch von Fastenphasen profitiert. Das hänge wohl auch vom individuellen Stoffwechseltyp ab, an dessen Erforschung er beteiligt ist. Auch Menschen mit bestimmten Stoffwechselkrankheiten müssen aufpassen. Dazu zählen Typ-1-Diabetiker, weil sie durch das Fasten unterzuckern und eine metabolische Ketoazidose entwickeln können. Doch auch für diese Menschen gibt es Wege, die metabolische Flexibilität zu trainieren, weiß Hollstein: »Man kann sie auch fördern, indem man seine Kohlenhydratzufuhr und die Menge des gespritzten Insulins entsprechend (mit ärztlicher Hilfe) anpasst.«