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Früher war alles besser?
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Warum Nostalgie schön und schmerzhaft zugleich ist

»Früher war mehr Lametta!« - erinnert sich der Opa in Loriots »Weihnachten bei Hoppenstedts«. Doch stimmt das wirklich? Wann ein bisschen Nostalgie gut tut und wo man aufpassen muss.
AutorKontaktdpa
Datum 29.12.2023  08:00 Uhr

Wie es ausging, ist bekannt

Trotzdem habe es etwas Anheimelndes und Stabiles, sich in vergangene Zeiten zurückträumen, sagt Becker. »In unserer eigenen Gegenwart wissen wir ja nie, wie es ausgeht. Wir haben immer das Gefühl, wir leben in einer Krisenzeit.« Die Vergangenheit sei dagegen abgeschlossen, der Ausgang bekannt. Das erklärt vielleicht auch die große Beliebtheit von Serien wie »Mad Men«, »Babylon Berlin« oder »Downton Abbey«. Regelmäßig kommt es zu Retro-Wellen, die vergangene Jahrzehnte in Kunst, Kultur, Mode oder Design aufleben lässt. Der Nierentisch, eigentlich ein Klassiker der 1950er, hat längst wieder einen festen Platz in den Möbelhäusern. Schlaghose, bauchfrei, Plateauschuhe – was heute in Erinnerung an die 1990er Jahre wieder angesagt ist, war damals wiederum schon an die 1970er Jahre angelehnt.

Nostalgie in der Politik

»Ich würde sagen, dass wir seit 20, 30 Jahren in einer Konjunktur der Nostalgie leben«, sagt Pabst. Im Vergleich zu den späten 1990er und 2000er Jahren, in denen eine ästhetische Konsumartikel-Nostalgie im Vordergrund gestanden habe, sei die Nostalgie nun in die Politik gewandert. »Make America great again« - der Slogan von Donald Trumps Wahlkampf 2015/2016 wecke Assoziationen, dass irgendeine vergangene heile Welt wiedergeherstellt werde, sagt Pabst. »Etwas Vergangenes, das es nie gab und von dem niemand weiß, was das eigentlich gewesen sein soll.«

Wie die AfD Nostalgie in ihren politischen Botschaften einsetzt, hat Tim Wulf als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität zusammen mit einem Kollegen in einer Reihe von Studien untersucht. »Da konnten wir sehen, dass die populistische Kommunikation sehr viele nostalgische Elemente hat«, erläutert Wulf.

In einer Studie haben die Forscher dann Befragten eine populistische Aussage einmal in Verbindung mit Nostalgie und einmal ohne vorgelegt. »Was sich gezeigt hat, ist, dass der reine Populismus ohne die Nostalgie bei den Befragten deutlich schlechter ankommt«, sagt Wulf. »Die Nostalgie wirkt wie so ein kleiner Zuckerguss, der sich da drumlegt.«

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