PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Gefahr auch für Gesunde
-
Warum uns Hitze an die Nieren geht

»Wir müssen lernen, unsere Nierengesundheit in Zeiten extremer Hitze bewusst zu schützen« – mit diesem Appell hat sich die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) anlässlich des heutigen Hitzeaktionstags an besonders gefährdete Menschengruppen gewandt. Gleichzeitig warnt sie, dass Flüssigkeitsverlust durch starkes Schwitzen auch bei gesunden Personen zu bleibenden Nierenschäden führen kann.
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 04.06.2025  10:00 Uhr

Mögliche Folgen seien eine eingeschränkte Lebensqualität und verkürzte Lebenserwartung. Besonders gefährdet sind demzufolge Kinder, Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen, Hochbetagte sowie Menschen, die im Freien arbeiten, viel Sport treiben oder Diuretika und Blutdrucksenker einnehmen. Manche Menschen würden zudem gezielt weniger trinken, um nachts nicht auf Toilette gehen zu müssen, beispielsweise bei Blasenschwäche oder vergrößerter Prostata.

Bei Hitze schnell dehydriert

Ein Erwachsener kann pro Stunde bis zu einen Liter Schweiß verlieren – je nach körperlicher Belastung sogar noch deutlich mehr. Wer an heißen Tagen stundenlang schwitzt, habe einen erheblichen Flüssigkeitsverlust, warnt die Gesellschaft. Dann reiche es auch nicht aus, nur Wasser zu trinken. »Mit dem Schweiß verliert der Körper nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Elektrolyte, vor allem Natrium und Chlorid«, erklärt Dr. Julia Weinmann-Menke, Direktorin der I. Medizinischen Klinik (Nephrologie, Rheumatologie und Nierentransplantation) am Universitätsklinikum Mainz. Die Folgen: Muskelschwäche bis hin zu Krampfanfällen. Empfohlen werden daher eher mit einer Prise Salz angereicherte oder isotonische Getränke. Das kann beispielsweise eine Apfelschorle oder ein alkoholfreies Weizenbier sein, oder aber eine WHO-Trinklösung aus der Apotheke.

Wird ein erheblicher Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen, sei mit ernsthaften gesundheitlichen Folgen zu rechnen – bis hin zum Hitzschlag, warnt Weinmann-Menke. Der Flüssigkeitsmangel verringert die Durchblutung der Nieren und reduziert die glomeruläre Filtrationsrate, die Urinproduktion sinkt, während gleichzeitig Harnsäurekonzentration, Entzündungsfaktoren und oxidativer Stress im Körper ansteigen. »In schweren Fällen produziert die Niere kaum oder keinen Urin mehr. Das ist dann ein akuter Notfall«, so die Nephrologin. Es genüge schon ein Flüssigkeitsdefizit von 2 Prozent des Körpergewichts, um die Leistungsfähigkeit und die Organfunktion zu beeinträchtigen.

Auf Warnzeichen achten

Damit es nicht so weit kommt, sollten gefährdete Personen daher auf Frühwarnzeichen achten. Eine drohende Dehydrierung äußert sich durch Schwäche, Kopfschmerz, Benommenheit, Muskelkrämpfe und hochkonzentrierten, dunklen Urin. Auch ein plötzlicher Gewichtsverlust von mehr als 2 bis 3 Kilogramm innerhalb eines kurzen Zeitraums wie etwa einem Tag sei ein Frühwarnzeichen, erklärt Weinmann-Menke.

Schnell und einfach durchführbar sei auch der Hautfalten-Test: Dafür am Handrücken eine Hautfalte hochziehen. Bleibt diese stehen, ist das ein Zeichen für einen Flüssigkeitsmangel. Im Blut zeige sich eine akute Verschlechterung der Nierenfunktion durch den Anstieg des Kreatinins.

»Das Tückische an Nierenschäden ist, dass sie schleichend entstehen und lange unentdeckt bleiben«, warnt die Expertin. Ist ein Nierenschaden erst einmal fortgeschritten, ist er oft nicht mehr rückgängig zu machen. Für Weinmann-Menke steht Prävention daher an erster Stelle. Schutzmaßnahmen müssten nicht nur im Gesundheits- und Pflegesektor ergriffen werden, sondern auch im täglichen Leben, angefangen von der Kita über die Schule, den Arbeitsplatz bis hin zum Sportverein.

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa