Albrecht zufolge ist die individuelle Beratung und eine engmaschige Begleitung durch einen Arzt wichtig für den Therapieerfolg und auch, um Nebenwirkungen bei nicht optimal angepasster Dosierung zu vermeiden. Dazu gehören etwa Brustspannen, Schmierblutungen, Müdigkeit oder Schwindel sowie lokale Hautreizungen bei Pflaster oder Gel.
Bezüglich eines leicht erhöhten Thrombose- und Brustkrebsrisikos ist das Abwägen von Risikofaktoren wie Genetik, Brustdichte, Vorerkrankungen, Alter und Lebensstil (viszerale Körperfettmasse, Bewegung, Alkohol- und Nikotinkonsum) wichtig bei der Entscheidung, ob eine HRT begonnen werden soll.
Stichwort Krebsrisiko: Nach aktueller Studienlage kann eine kombinierte systemische HRT das Risiko für Brustkrebs leicht erhöhen. Die absoluten Zahlen sind jedoch im Vergleich zu anderen beeinflussbaren Risikofaktoren, etwa Übergewicht und Rauchen, nicht hoch. Der Lebensstil hat also einen stärkeren Einfluss auf das Brustkrebsrisiko als die heute oft niedrig dosierten Hormongaben. Auch die Behandlungsdauer spielt eine Rolle: Eine HRT von bis zu einem Jahr steigert das Risiko nicht. Bei einer Dauer von mehr als zehn Jahren ist es etwa doppelt so hoch wie bei fünf Jahren.
Das Risiko für ein Ovarialkarzinom erhöht sich unter der HRT geringfügig. Bei Darmkrebs scheint die HRT dagegen einen schützenden Effekt zu haben. Präventiv einsetzen sollte man eine HRT deswegen aber nicht.
Wichtig: Frauen mit Gebärmutter benötigen neben einem Estrogen immer auch ein Gestagen, um die Gebärmutterschleimhaut vor dem wachstumsfördernden Effekt des Estrogens und damit vor einem Endometriumkarzinom zu schützen – wenngleich das Risiko bei einer Therapiedauer von mehr als sechs Jahren leicht steigen kann. Frauen ohne Gebärmutter erhalten eine Estrogen-Monotherapie. Diese erhöht das Brustkrebsrisiko – wenn überhaupt – in weitaus geringerem Maß als die kombinierte HRT. Vaginal angewandtes Estrogen scheint nach aktuellem Wissensstand keinen Einfluss auf das Krebsrisiko zu haben.
Die HRT sollte so kurz wie möglich und so lange wie nötig durchgeführt werden – eine pauschale zeitliche Begrenzung gibt es heute nicht mehr. Ein früher Beginn der Therapie, möglichst vor dem 60. Lebensjahr, scheint am risikoärmsten zu sein. Einige Studien haben auch ein erhöhtes Risiko für einen ischämischen Schlaganfall bei Frauen über 60 Jahren gezeigt, wenn sie zehn Jahre nach Beginn der Menopause mit der Therapie begonnen haben.
Als Gel, Pflaster oder Spray können Hormone auch transdermal gegeben werden – und das hat einige Vorteile gegenüber der oralen Anwendung. Man umgeht so etwa den First-Pass-Metabolismus in der Leber. Das erhöht die Bioverfügbarkeit; daher sind transdermal meist deutlich geringere Dosierungen wirksam. Die französische E3N-Studie hat zudem gezeigt, dass transdermale Estrogene im Gegensatz zu oralen Präparaten das Risiko für venöse Thromboembolien nicht erhöhen. Diese Applikationsart ist daher besonders interessant für Patientinnen mit kardiovaskulären Risiken wie Adipositas, Migräne mit Aura, vorherigen Schlaganfällen oder Thrombosen, einem Alter über 60 Jahre oder Bluthochdruck.