Fußballspielerinnen und -spieler können von einem Bänderriss betroffen sein. / © Getty Images/PeopleImages
Beim Laufen auf unebenem Boden wie Kopfsteinpflaster oder beim Zweikampf auf dem Rasen des WM-Stadions: Das sind nur zwei Situationen von vielen, in denen man böse umknicken kann. Schießt dann ein enormer Schmerz in das Sprunggelenk, der das Gehen (fast) unmöglich macht, haben die Bänder wahrscheinlich Schaden genommen, sind vielleicht sogar gerissen.
Das ist Verteidiger Nico Schlotterbeck beim zweiten WM-Spiel der deutschen National-Elf passiert. Fünf Fragen und Antworten über Bänderrisse.
Beim Begriff Bänder dürften viele das Bild eines elastischen Gummibandes im Kopf haben. Tatsächlich lassen sich die Bänder in unserem Sprunggelenk aber eher mit den Speichen eines Fahrrads vergleichen. Ihre Aufgabe ist, die einzelnen Knochen des Sprunggelenks zusammenzuhalten und zu stabilisieren. Knickt der Fuß um, können die Bänder überdehnen, anreißen oder sogar komplett reißen.
»Je nachdem, in welche Richtung man den Fuß verdreht, reißen entweder Bänder auf der Innenseite, auf der Außenseite oder die Bandverbindungen zwischen Schienbein und Wadenbein, Syndesmose genannt«, erklärt Markus Walther, Chefarzt des Fachzentrums für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie an der Schön Klinik München Harlaching.
Mit Abstand am häufigsten kommt dabei eine Verletzung der Außenbänder vor. Denn: »Für eine Verletzung des Innenbands wie bei Schlotterbeck braucht es eine gewisse Rotationsbewegung, wie sie bei dem Foul passiert ist«, so der Mediziner.
Ein Bänderriss macht sich durch Schmerzen und eine Schwellung bemerkbar — wie andere Verletzungen auch. »Was genau kaputtgegangen ist, kann man erst mal nicht rauslesen«, sagt Markus Walther.
Der Rat bei (Sport-)Verletzungen ist aber immer gleich: Wichtig ist jetzt, das Gelenk nicht zu belasten, sondern es hochzulagern. Gegen die Schwellung kann eine moderate, kontrollierte Kühlung helfen, so der Mediziner, »aber kein Eisspray und generell auch kein Eis direkt auf die Haut.« Besser: ein Kühlpack in ein Tuch einwickeln. Teil der Soforthilfe ist auch ein Kompressionsverband.
Dann wichtig: die Verletzung ärztlich abklären lassen. Ärztinnen und Ärzte kennen verschiedene Schmerzpunkte, um eine erste Idee davon zu bekommen, ob die Bänder verletzt sind – oder ob es doch der Knochen ist.
Gewissheit über den Zustand der Bänder können aber nur bildgebende Verfahren liefern. »Von außen kann man nicht sagen, ob 20 oder 50 Prozent des Bandes abgerissen sind. Ein MRT oder ein guter Ultraschall zeigen dann zuverlässig das Ausmaß der Verletzung«, sagt Markus Walther. Das ist die Grundlage, um zu entscheiden, wie die Verletzung am besten behandelt wird.
Es kommt darauf an, was genau kaputtgegangen ist. »Außenbandverletzungen sind in vielen Fällen gut konservativ behandelbar, etwa mit Bandagen und Tape-Verbänden«, sagt der Orthopäde. Betroffene können den Fuß auch relativ schnell wieder belasten. Denn der große Vorteil ist hier: »Beim normalen Auftreten wird das Außenband nicht belastet.«
Beim Innenband ist das anders. Daher muss das Sprunggelenk bei so einer Verletzung mehr geschützt werden. »Da kommt typischerweise ein Kunststoffstiefel zum Einsatz, damit keine Belastung auf das Band kommt«, erklärt Markus Walther. Ist das Innenband komplett abgerissen, führt an einer Operation oft kein Weg vorbei.
Ohne Geduld geht es nicht. Schon jetzt zeichnet sich ab: Nico Schlotterbecks Verletzungspause wird sich bis in die nächste Bundesligasaison erstrecken. »Bei einer Innenbandverletzung sind wir häufig bei einer Größenordnung von drei Monaten, bis Sport wieder möglich ist«, sagt Markus Walther. Das gilt für Leistungs- wie für Hobbysportler gleichermaßen.
Geht es um das Außenband, kann es deutlich schneller gehen, hier kann es nach vier bis acht Wochen wieder losgehen mit Sport. »Bei einem Außenband brauche ich nicht immer die hundertprozentig abgeschlossene Heilung. Was das Band nicht leistet, kann man gut über Tapes ausgleichen.«
Wer eine gute Koordination hat, senkt das Risiko, dass er oder sie unglücklich umknickt. Die gute Nachricht: Das kann jeder im Alltag trainieren. Und zwar, ohne dafür Zeit freischaufeln zu müssen.
»Stellen sie sich beim Zähneputzen auf ein Bein und wechseln Sie nach einer Minute«, rät Markus Walther. »Und wenn das gut klappt, stellen Sie sich auf die Zehenspitzen dabei.« Wer es sich noch schwerer machen kann, führt die Übung auf einer weichen Sportmatte durch.
Für jedes Level gilt: »Wenn man die Übung zwei, drei Wochen lang durchzieht, merkt man, dass man besser wird.«