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Migräne
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Was in der Schwangerschaft möglich ist

Bei vielen Frauen bessert sich eine Migräne in der Schwangerschaft, vor allem im zweiten und dritten Trimenon. Bei acht von 100 schwangeren Frauen mit Migräne nehmen die Attacken jedoch zu. Was können sie dagegen tun?
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 27.01.2026  14:00 Uhr

Es sind vor allem die hohen und eher konstanten Konzentrationen an weiblichen Sexualhormonen, die sich im Gehirn vieler Migränepatientinnen während der Schwangerschaft anfallsmindernd auswirken. Und auch die endogene Endorphinproduktion steigt im Verlauf der Schwangerschaft an – besonders unter der Geburt. Diese natürlichen Schmerzmittel sorgen ebenfalls für weniger Migräne bei den meisten Schwangeren.

Bei 8 Prozent der schwangeren Frauen mit Migräne nehmen die Attacken allerdings zu und es gibt zudem Fälle, in denen Frauen, die noch nie eine Migräneattacke erleben mussten, ausgerechnet in der Schwangerschaft erstmals daran erkranken. Zur Therapie kommt in diesen zehn Monaten nicht jedes ansonsten zur Verfügung stehende Medikament infrage. CGRP-Antikörper etwa und Rimegepant verbieten sich in dieser Zeit.

Auf dem Deutschen Schmerzkongress im vergangenen Jahr zeigte Professorin Dr. med. Gudrun Goßrau, Uniklinikum TU Dresden, bevorzugte Maßnahmen bei Migräne in der Schwangerschaft auf. Dazu gehören zunächst das Führen eines Migränetagebuchs, in dem auch Trigger vermerkt werden, Achtsamkeitsübungen und Entspannungstechniken sowie Bewegung und bewusste Ernährung. Die Expertin nannte außerdem die kognitive Verhaltenstherapie, die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) und die Biofeedback-Methode. Bei einer ACT als Form der Verhaltenstherapie lernen Menschen, schwierige Gedanken und Gefühle zu akzeptieren statt sie zu bekämpfen und so die gesparte Energie in ihnen wirklich wichtige Dinge zu investieren.

Medikamente empfahl Goßrau bei einer akuten leichten Migräneattacke noch nicht. Hier sollten Schwangere ruhen, Menthol äußerlich einsetzen und lokal kühlen. Bei starken Schmerzen dürfen im ersten und zweiten Trimenon nach ärztlicher Anweisung ASS, Ibuprofen und Metamizol eingesetzt werden, wobei Ibuprofen bevorzugt und Metamizol wenn möglich nicht eingenommen werden sollte. Im letzten Schwangerschaftsdrittel sind ASS, nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) sowie Metamizol tabu.

Paracetamol dürfen Schwangere bei Migräne zwar einnehmen, es wirkt jedoch weniger gut als Ibuprofen. Wenn, so sollte es nur in geringster Dosis und so kurz wie möglich zum Einsatz kommen. Unter den Triptanen ist Sumatriptan das Mittel der Wahl in der Schwangerschaft. Rizatriptan ist ebenfalls unbedenklich, andere Triptane sind bei strenger Abwägung ebenfalls möglich. 

Ergotamine sind streng kontraindiziert, ebenso gilt das für Behandlungsversuche mit Mutterkraut und Pestwurz im Sinne der Prophylaxe. Um Attacken möglichst vorzubeugen, können Schwangere bei strenger Indikation auf Metoprolol zurückgreifen, für andere Prophylaktika existieren nicht genug Daten oder sie sind kontraindiziert.

Eine erstmals in der Schwangerschaft aufgetretene Migräne kann nach der Geburt des Kindes wieder verschwinden, während eine Migräne, die sich in der Schwangerschaft gebessert hatte, danach sowie nach dem Stillen häufiger wieder zurückkehrt.

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