PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Verunreinigte Säuglingsnahrung
-
Was ist Cereulid?

Verschiedene Hersteller haben ihre Babynahrung aus dem Handel zurückgerufen, weil sie möglicherweise mit Cereulid verunreinigt ist. Worum handelt es sich bei dem Stoff und wie gefährlich ist er?
AutorKontaktVerena Schmidt
Datum 10.02.2026  14:00 Uhr

Lebensmittelhersteller Danone hat in Deutschland kürzlich mehrere Chargen der Babynahrung Aptamil® zurückgerufen, da diese Cereulid enthalten könnten. Auch die Hersteller Nestlé und Lactalis haben aus dem gleichen Grund mehrere Säuglingsnahrungsprodukte vorsorglich aus dem Handel genommen.

Cereulid ist ein bakterielles Toxin, das von von bestimmten Bakterien der Bacillus-cereus-Gruppe – auch »emetische Bacillus cereus« genannt – gebildet wird. Die giftige Substanz gelangte wohl in China über eine kontaminierte Charge der Zutat Arachidonsäure-Öl in die betroffenen Säuglingsnahrungsprodukte.

Beim Erhitzen werde Cereulid nicht inaktiviert, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Das Abkochen von Lebensmitteln beseitigt das Toxin also nicht. Wird Cereulid aufgenommen, kann es nach einer halben bis zu sechs Stunden später Übelkeit und Erbrechen verursachen. In der Regel klingen die Symptome innerhalb von 24 Stunden von alleine ab. Bei selten auftretenden schweren Vergiftungen durch hohe Cereulid-Konzentrationen können sich jedoch Organschäden entwickeln. Dabei sind vor allem Leber und Nieren betroffen. In der Vergangenheit seien diese in Einzelfällen tödlich verlaufen, so das BfR.

Cereulid ist übrigens auch der Auslöser des sogenannten »Fried Rice Syndroms« – einer B. cereus-bedingten Lebensmittelvergiftung, die entstehen kann, wenn stärkehaltige Lebensmittel wie Reis oder Nudeln gekocht und zu lange bei Raumtemperatur gelagert werden. In Säuglingsmilchpulver wurde Cereulid laut BfR bislang nicht nachgewiesen, wohl aber emetische B. cereus. In dem ungelösten Pulver sei aufgrund des niedrigen Wassergehaltes aber keine Vermehrung des Erregers und damit keine Cereulid-Bildung möglich, schreibt das Institut. Werde das Pulver jedoch aufgelöst und die Säuglingsmilch für mehrere Stunden bei Raumtemperatur aufbewahrt, könnten sich die Bakterien vermehren und das Toxin bilden. Daher sei es enorm wichtig,  pulverförmige Säuglingsnahrung stets unmittelbar vor dem Verzehr zuzubereiten.

Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt es derzeit weltweit Rückrufe von Babynahrungsprodukten. Die Behörde hat daher nun erstmals einen klaren Sicherheitsrichtwert für Cereulid speziell für Babys festgelegt. Eltern sollten zurückgerufene Produkte keinesfalls weiter verwenden. Zeigen Babys nach dem Verzehr Symptome wie Erbrechen oder Durchfall, sollten sie dringend einem Arzt vorgestellt werden.

TEILEN
Datenschutz
THEMEN
Lebensmittel

Mehr von Avoxa