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Long-Covid und ME/CFS
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Was jetzt Off-Label geht

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat für vier Wirkstoffe geregelt, dass sie künftig Off-Label bei gesetzlich Versicherten mit Long/Post-Covid verordnet werden dürfen, so eine Pressemitteilung des Ausschusses.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 02.04.2026  17:00 Uhr

Der unparteiische Vorsitzende des G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Arzneimittel, Professor Dr. Josef Hecken, wird wie folgt zitiert: »Wir haben mit unseren heutigen Beschlüssen die Empfehlungen der Expertengruppe Long-Covid sehr schnell umgesetzt. Ein Off-Label-Use als Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen wird damit möglich. Klar ist aber auch: Es besteht weiterhin dringender Bedarf an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu guten Therapiemöglichkeiten bei Long/Post-Covid und natürlich auch bei ME/CFS. Off-Label-Use kann nur eine Behelfsoption sein, besser sind arzneimittelrechtlich abgesicherte Zulassungsverfahren«.

Bei den nun verordnungsfähigen Wirkstoffen handelt es sich um: 

  • Ivabradin zur Behandlung des postinfektiösen Posturalen orthostatischen Tachykardie-Syndroms (PoTS). Bei PoTS steigt die Herzfrequenz nach dem Aufstehen massiv an, der Blutdruck fällt jedoch nicht ab. Schwindel, Herzrasen, Fatigue und Belastungsintoleranz kennzeichnen PoTS. Sie klingen ab, wenn der Mensch liegt. Voraussetzung für die Verordnung: Der Patient verträgt Betablocker nicht oder kann sie aus anderen Gründen nicht einnehmen. Regulär ist Ivabradin bei Angina pectoris und Herzschwäche zugelassen.
  • Metformin, eigentlich ein Antidiabetikum bei Typ-2-Diabetes, darf nun zum Einsatz gebracht werden, um Long/Post-Covid vorzubeugen. Das geht binnen drei Tagen nach der Diagnose einer akuten SARS-CoV-2-Infektion bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren ab einem BMI von 25 aufwärts und damit mit einem erhöhten Risiko. Die Symptome von Covid 19 dürfen nicht schon mehr als sieben Tage vorhanden sein.
  • Agomelatin, das regulär der Behandlung schwerer Depressionen Erwachsener dient, kann Fatigue bei ME/CFS und Long/Post-Covid lindern.
  • Auch Vortioxetin dient eigentlich der Behandlung schwerer Depressionen. Bei Menschen mit Long/Post-Covid kann es künftig gegen kognitive Einschränkungen und/oder depressive Symptome verordnet werden. 

Der G-BA weist in der Pressemitteilung darauf hin, dass im Off-Label-Use nur diejenigen Medikamente verordnungsfähig seien, bei denen der pharmazeutische Unternehmer die Haftungsübernahme erklärt habe. Der G-BA legt die Beschlüsse dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) zur rechtlichen Prüfung vor. Sie treten nach Nichtbeanstandung und Bekanntmachung im Bundesanzeiger in Kraft.

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