PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Frühaufstehen als Lifestyle-Trend?
-
Was Schlafmediziner dazu sagen

Ist frühes Aufstehen der Schlüssel zu einem erfüllten Leben? Warum das Trend-Rezept vom Frühaufstehen zum Gesundheitsrisiko werden kann – und was wirklich für erholsamen Schlaf zählt.
AutorKontaktdpa
Datum 10.02.2026  16:00 Uhr

Um 5 Uhr aufstehen, eine Runde Sport machen und dann zur Arbeit gehen: Ist das das Erfolgsrezept für effektiv genutzte Lebenszeit? Laut zahlreichen Social-Media-Trends und Coachingbüchern soll das frühe Aufstehen zu einem effizienteren und erfolgreicheren Leben verhelfen. Schlafexperten merken allerdings an, dass dieser Ansatz viele wichtige Faktoren unbeachtet lässt. Denn nicht jeder Mensch ist ein Frühaufsteher.

»Diese ganze Bewegung beruht eigentlich auf der Annahme, dass früher Aufstehen Disziplin erzeugt und dass die Disziplin automatisch zum Erfolg führt«, sagt der Schlafpsychologe Günther Amann-Jennson. Doch der Denkfehler sei, Disziplin über die Biologie zu stellen. Denn Schlaf folge ganz eindeutig biologischen Gesetzen, und jeder Mensch habe eine genetische innere Uhr – das sei nicht zu ändern.

Lerche oder Eule?

Grundsätzlich unterscheide die Forschung zwischen Tag- und Nachtmenschen. »Die Lerchen stehen in der Früh gerne auf, die haben nach dem Aufstehen gleich Appetit und die sind geistig und körperlich in der Früh leistungsfähig«, erklärt die Neurologin Professorin Birgit Högl von der Medizinischen Universität Innsbruck. »Die Eulen schlafen gerne ein bisschen länger und sind dann am Nachmittag auf ihrem geistigen Höhepunkt.«

Frühes Aufstehen sei nicht immer mit dem Alltag und der empfohlenen Schlafzeit von sieben bis neun Stunden vereinbar, so Högl. Wer also um 5 Uhr aufstehen wolle, müsste gegen 21 Uhr ins Bett. »Für Frühmenschen, die gerne früh ins Bett gehen, mag das eine Option sein, wenn man die Gesamtschlafdauer berücksichtigen kann, aber für Abendmenschen nicht.«

Schlafpsychologe Amann-Jennson geht davon aus, dass etwa 20 bis 25 Prozent der Menschen ausgeprägte Lerchen und rund 20 bis 30 Prozent ausgeprägte Eulen sind. Der größte Teil der Bevölkerung – etwa 50 Prozent – liege dazwischen und werde als intermediärer Chronotyp – als Taube – eingeordnet. Für viele Menschen sei das Frühaufsteher-Erfolgsrezept somit ungeeignet.

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa