PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Intensives Training
-
Was tun, wenn die Periode ausbleibt?

Treiben Frauen intensiv Sport, kann die Periode ausbleiben. Solche Zyklusstörungen sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn sie wirken sich auch auf andere Körperfunktionen aus, betonen Mediziner.
AutorKontaktVerena Schmidt
Datum 19.03.2026  08:00 Uhr

Ein regelmäßiger Menstruationszyklus zeigt, dass Hormone, Stoffwechsel und Energiehaushalt im Gleichgewicht sind. Störungen seien häufig sowohl in einer hormonellen, metabolischen als auch psychosozialen Dysbalance begründet, erklärte Dr. Imke Mebes, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Endokrinologikum Kiel, bei einer Online-Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Kongresses für Endokrinologie Anfang März.

Bleibt die Blutung bei zuvor regelmäßigen Zyklen drei Monate aus, sprechen Mediziner von einer Amenorrhö. Bei zuvor unregelmäßigen Zyklen ist das per Definition nach sechs Monaten der Fall. Eine Amenorrhö kann verschiedene Ursachen haben, Beispiele sind etwa eine Hyperprolaktinämie, also eine Überproduktion von Prolaktin, Funktionsstörungen der Schilddrüse sowie das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS). Auch unter der Therapie mit bestimmten Medikamenten, beispielsweise Psychopharmaka, kann die Regelblutung ausbleiben. Bei Frauen, die orale Kontrazeptiva einnehmen, kann das Hormonpräparat maskieren, dass natürlicherweise kein Zyklus mehr stattfinden würde.

Nach der Menarche, der ersten Monatsblutung, könne die Regelblutung durchaus mal ausbleiben, ebenso in der Menopause, so Mebes. Das sei in der Regel kein Grund zur Beunruhigung. »Alles dazwischen, also eine Amenorrhö in der fertilen Phase einer Frau, gehört immer ärztlich abgeklärt«, betonte die Expertin.

Viel Sport, wenig Energie

»Die sportassoziierte Amenorrhö tritt besonders häufig bei sportlich hochaktiven jungen Frauen auf. Sie beschreibt das Ausbleiben der Menstruation infolge intensiver körperlicher Aktivität. Meist ist der Energieverbrauch dauerhaft höher als die Energieaufnahme. Chronischer körperlicher und mentaler Stress verstärkt diesen Effekt«, erklärte Gynäkologin Mebes.

Eine primäre Amenorrhö – die Menarche kommt bis zum vollendeten 16. Lebensjahr nicht – zeige sich besonders häufig beim Leistungsturnen, so Mebes. Eine sekundäre Amenorrhö, also die Periode bleibt aus, nachdem sie zuvor regelmäßig oder auch unregelmäßig stattgefunden hat, könne man dagegen häufig bei Ausdauersportarten mit hoher Leistungsdichte finden, zum Beispiel beim Radsport oder Marathon. Und auch bei Sportarten mit üblicherweise sehr schlankem Körperbild, zum Beispiel Balletttanz, sei die Amenorrhö anzutreffen. Das Phänomen betreffe aber nicht nur Sportlerinnen im Leistungssport, so Mebes, sondern zunehmend auch solche, die in ihrer Freizeit intensiv trainieren und stark auf ihren Körperfettanteil achten.

Besteht ein dauerhaftes Missverhältnis zwischen Energieaufnahme und -verbrauch, spart der Körper an Funktionen, die er in dieser Situation nicht als lebensnotwendig einstuft; der Menstruationszyklus wird also eingestellt. Der Begriff »relative energy deficiency in sports«, kurz RED-S, beschreibt den Zusammenhang zwischen Energieverfügbarkeit, Menstruationszyklus und Knochengesundheit. »Fehlt dem Körper über längere Zeit Energie, gerät die hormonelle Steuerung im Gehirn aus dem Takt. In der Folge reifen Eizellen nicht mehr heran und die Periode bleibt aus«, so Mebes.

Die Grundlage eines regelmäßigen Zyklus liegt laut Mebes in der pulsatilen Ausschüttung von GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon) im Hypothalamus. GnRH bewirkt, dass in der Hirnanhangsdrüse FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon) freigesetzt werden. Exzessiver Sport, die damit verbundene körperliche Belastung und ein relatives Energiedefizit stören diese Pulsatilität. FSH und LH werden nicht mehr in ausreichender Menge freigesetzt. Das führt zu einer Follikelreifungsstörung und zum Ausbleiben der Menstruation. Im Blutbild sind dann FSH und insbesondere LH erniedrigt. Formal besteht hier laut Mebes ein hypogonadotroper Hypogonadismus – eine Unterfunktion der Gonaden durch eine mangelnde Serumkonzentration der Gonadotropine FSH und LH.

Folgen für Knochen, Herz und Stimmung

»Viele junge Frauen stört es erst einmal gar nicht, wenn die Periode ausbleibt«, sagte Mebes. Es kann jedoch weitreichende Folgen haben. Eine davon geht auf die verminderte Synthese von Estrogen zurück. »Dieses Hormon spielt eine zentrale Rolle für den Knochenstoffwechsel«, betonte die Gynäkologin. Gerade in jungen Jahren sei ein Mangel problematisch, da die maximale Knochendichte, die »Peak Bone Mass«, zu großen Teilen bereits bis zum frühen Erwachsenenalter aufgebaut wird. »Ein länger bestehender Estrogenmangel kann die Knochendichte verringern und das Risiko für Knochenbrüche und Osteoporose erhöhen.« Auch das Herz-Kreislauf-System sowie Schlaf, Stimmung und Konzentration können unter einem Estrogenmangel leiden. Dazu kommt: Bei einer Amenorrhö ist häufig auch der Cortisolwert erhöht und ebenso das »Hungerhormon« Ghrelin. Die Spiegel des Wachstumshormons IGF und von Insulin sind dagegen erniedrigt.

Frauen sollten eine Amenorrhö nicht auf die leichte Schulter nehmen, auch wenn kein akuter Kinderwunsch bestehe, betonte die Expertin. Bleibt die Periode länger als drei Monate aus, rät die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) zu einer ärztlichen Abklärung. Treten zusätzlich Beschwerden auf, etwa schnelle Verletzungen, Knochenbrüche, Erschöpfung oder psychische Veränderungen, ist der Gang zum Arzt auch früher sinnvoll. Ziel ist es, andere Ursachen auszuschließen und das hormonelle Gleichgewicht wiederherzustellen.

Das Gute ist: »Die Amenorrhö ist reversibel, das System kann sich wieder einspielen«, betonte Mebes. Die jungen Frauen erhalten in der Regel eine Hormontherapie, bevorzugt eine transdermale Estrogengabe. »Häufig besteht bei jungen Frauen eine Skepsis gegenüber einer Hormongabe, die muss erst einmal abgebaut werden«, verdeutlichte Mebes die Schwierigkeit bei einer Therapie.

Daneben sei es essenziell, das Energiedefizit auszugleichen. »Die jungen Frauen müssen ausreichend Kalorien zu sich nehmen und sollten gleichzeitig den Trainingsumfang beziehungsweise dessen Reduktion diskutieren«, erklärte Mebes. Das bedeute nicht, ganz mit dem Training aufzuhören. Eventuell können die Frauen die Intensität reduzieren und Regenerationstage einplanen. Auch eine begleitende ernährungsmedizinische oder psychologische Betreuung macht laut Mebes Sinn, insbesondere wenn bereits eine manifeste Essstörung vorliegt. »Je früher insbesondere das Energiedefizit ausgeglichen wird, desto besser kann sich die hormonelle Steuerung erholen und desto schneller kann der Körper zu einer funktionellen GnRh-Pulsatilität zurückkehren«, betonte die Expertin.

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa