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Risiko für Brustkrebs
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Welche Rolle spielt dichtes Brustgewebe?

Dichtes Brustgewebe ist ein eigenständiger Risikofaktor für eine Brustkrebserkrankung im Laufe des Lebens. Das sollte auch bei der Entscheidung für oder gegen Hormonersatz in den Wechseljahren in die Waagschale geworfen werden.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 19.03.2026  14:00 Uhr

Was bedeutet »dichtes Brustgewebe«?

Bei dichtem Brustgewebe besteht die Brust zu einem hohen Anteil aus Drüsen- und Bindegewebe und nur zu einem geringen Teil aus Fettgewebe.

Ist dichtes Brustgewebe eine Ausnahme?

Nein, knapp die Hälfte derjenigen Frauen, die das Mammografie-Screening nutzen, haben ein dichtes Brustgewebe. 

Wie verändert sich das Brustgewebe im Laufe des Älterwerdens?

Je weniger Östrogen im Blut zirkuliert, desto mehr nimmt bei vielen Frauen das Drüsengewebe ab und wird durch Fettgewebe ersetzt. Allerdings ist das Ausmaß dieses Prozesses individuell ganz unterschiedlich. Bei etwa 40 Prozent Frauen bleibt viel Drüsengewebe.

Wie lässt sich feststellen, ob man zu den Frauen mit dichtem Brustgewebe gehört?

Das lässt sich ausschließlich mithilfe einer Mammografie feststellen. Weder der optische Eindruck noch die Größe der Brust noch wie sie sich anfühlt lassen darüber eine Aussage zu. In der Mammografie stellt sich das Drüsengewebe weiß dar, weil es Röntgenstrahlen stark absorbiert. Das Fettgewebe ist hingegen dunkel.

Gibt es eine Einteilung, die beschreibt, wie dicht das Brustgewebe einer Frau ist? 

Es existiert eine vierstufige Einteilung, die die Dichte des Brustgewebes beschreibt und dem ACR BI-RADS Atlas (Breast Imaging-Reporting and Data System) entstammt. Hierbei handelt es sich um ein international anerkanntes Standardwerk des American College of Radiology (ACR), auf dessen Grundlage Mediziner Befunde standardisiert beurteilen, das Risiko einschätzen und die Dokumentation vornehmen können. Die Brustdichte lässt sich in ACR A bis D einteilen, von niedriger bis höchster Brustdichte. 

Welche Rolle spielt diese Einteilung für das Brustkrebs-Risiko?

Vor allem die Brustdichten der Klassen C und D gehen mit einem erhöhten Risiko für Brustkrebs einher. Das hat zwei wesentliche Gründe. Zum einen ist Drüsengewebe deutlich teilungsaktiver als Fettgewebe. Mit jeder Teilung besteht die Gefahr eines DNA-Schadens, über den sich ein Tumor entwickelt. Das heißt also, je mehr Drüsengewebe im höheren Lebensalter, desto wahrscheinlicher ein »bösartiger« DNA-Schaden. Der zweite Grund liegt darin, dass das in der Mammografie weiß erscheinende Drüsengewebe die Diagnose eines ebenfalls in der Mammografie weiß erscheinenden gut- oder bösartigen Tumors erschweren kann. Der Tumor ist dann einfach nicht zu erkennen.

Hängt die Brustdichte mit dem Körpergewicht zusammen?

Sehr schlanke Frauen haben häufiger ein sehr dichtes Brustgewebe. Bei Übergewicht nimmt hingegen meistens der Fettanteil in der Brust gegenüber dem Drüsengewebe zu. Das senkt aber in den Frauen mit starkem Übergewicht nicht etwa das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Denn ein maßgeblicher Faktor für das Risiko ist nach den Wechseljahren die Menge an metabolisch aktivem Bauchfett. Dieses Fett fungiert wie eine Drüse, wie ein eigenes Organ, und produziert Östrogen, umso mehr, je mehr Fett da ist. Dieses Östrogen steigert das Brustkrebs-Risiko. 

Gibt es metabolisch aktives Bauchfett auch bei schlanken Frauen?

Auch das ist möglich. Mediziner sprechen dann von »Skinny Fat«. Auch in diesen Fällen kann das vom Fettgewebe hergestellte Östrogen die Gefahr für Brustkrebs erhöhen.

Gibt es noch andere Bauchfettfaktoren, die dabei eine Rolle spielen?

Ja, metabolisch aktives Bauchfett sorgt für chronische Entzündungsprozesse im Körper und für Insulinresistenz, beides Faktoren, die Tumoren begünstigen.

Was müssen Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe beachten, wenn sie in Erwägung ziehen, wegen Wechseljahresbeschwerden eine Hormonersatztherapie zu beginnen?

Eine Hormonersatztherapie verdichtet das Brustgewewebe bei den meisten Frauen und kann je nach Einnahmedauer und Dosierung eventuell unter anderem auch über diesen Effekt das Brustkrebsrisiko erhöhen. Frauen mit bereits dichtem Brustgewebe müssen mit einer noch höheren Dichte rechnen und somit mit einer zusätzlichen Steigerung des Risikos für Brustkrebs, das sie bereits tragen, weil sie dichtes Brustgewebe haben. Deshalb sollten diese Frauen ganz besonders intensiv mit dem behandelnden Frauenarzt besprechen, wie das Verhältnis des Nutzens einer Hormonersatztherapie bei ihnen gegenüber den dadurch bedingten Risiken ausfällt. 

Wie sieht es mit der örtlichen vaginalen Östrogenanwendung aus?

Nach heutigem Kenntnisstand erhöht sie nicht die Risiken, die eine systemische Hormonersatztherapie mit sich bringt. Allerdings wirkt sie auch nur gegen die lokalen Hormonmangelsymptome.

Welche Vorsorgeuntersuchungen sollten Frauen mit dichtem Brustgewebe favorisieren?

Auf jeden Fall sollten sie keine Mammografie verpassen. Außerdem wird bei ihnen zu einer Ultraschalluntersuchung der Brust einmal im Jahr geraten. Ob das im Einzelfall notwendig ist, sollten Frauen mit ihrem Gynäkologen klären. Ein MRT der Brust, das sich sehr gut auch bei dichtem Brustgewebe eignet, ist nur in seltenen begründeten Fällen eine Kassenleistung. Privatpatienten bekommen die Untersuchung erstattet, Kassenpatientinnen, die ein MRT wünschen, müssen selbst zahlen. Der Preis dafür variiert, üblich sind zwischen 400 und 900 Euro. In aller Regel wird für die Untersuchung Kontrastmittel verabreicht. Die European Society of Breast Imaging (EUSOBI) empfiehlt für Frauen mit extrem dichter Brust ein MRT der Brust alle zwei bis vier Jahre. Darüber hinaus kann eine 3D-Mammografie effektiver als die 2D-Mammografie sein, weil sie Tumoren besser sichtbar macht.

Was können Frauen mit dichtem Brustgewebe sonst noch tun?

Wie alle Frauen sollten sie einmal im Monat fünf bis sieben Tage nach Ende der letzten Periode ihre Brüste abtasten. Wer das regelmäßig macht, erspürt schneller, wenn sich etwas verändert hat. Auch auf sichtbare Veränderungen wie die Einziehung einer Brustwarze oder eine Asymmetrie der Brüste, die vorher nie da war, wenn man beide Arme hebt, sollte immer direkt zum Frauenarzt führen.

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