Wenn die Angst bei der Ausführung der Arbeit behindert und zur Dauerbelastung wird, sollte man sich Unterstützung suchen. / © Getty Images/Jacob Wackerhausen
Auf lange Sicht kann Angst vor einer oder einem Vorgesetzten dazu führen, dass man übersehen wird und »karrieremäßig unter seinen Möglichkeiten bleibt« – oder über die eigenen Grenzen geht, sich überarbeitet und im schlimmsten Fall im Burn‑out landet, sagt Diplom‑Psychologin Elke Overdick. Es könne auch passieren, dass Menschen ihre Angst überspielen und der Führungskraft gegenüber unwirsch, laut oder provozierend auftreten. Auch das ist nicht förderlich für die Karriere. Wie kommt man aus dieser Angst wieder raus?
»Angst vor dem Vorgesetzten zu haben ist grundsätzlich normal«, sagt Beate Muschalla, Professorin und Leiterin der Abteilung Klinische Psychologie an der Technischen Universität Braunschweig. Dazu müsse der nicht einmal »besonders bedrohlich« sein. »Chefs haben allein durch ihre Rolle Bedrohungspotenzial«, so die Verhaltenstherapeutin, die sich viel mit arbeitsbezogenen Ängsten beschäftigt. Das liege in der Natur ihrer Aufgaben: Führungskräfte überwachen, kontrollieren, stellen Forderungen und erteilen Anweisungen – notfalls auch unter Androhung von Sanktionen.
Angst sei eigentlich »eine nützliche, wichtige Emotion«, sagt Elke Overdick. Sie schütze uns davor, Dinge zu tun, die uns in Gefahr bringen oder Dinge zu sagen, die uns negative Konsequenzen bescheren – sodass wir zum Beispiel unsere Chefin nicht anschreien, obwohl wir wütend sind.
Problematisch wird Angst im Job, wenn sie dazu führt, dass man sich nicht mehr traut, also »wenn die Angst so groß wird, dass sie uns blockiert und uns davon abhält, notwendige Dinge zu tun, die uns zu überleben helfen und die uns unseren Zielen näher bringen«, so Overdick. Beispiel: der Führungskraft in Bezug auf die Arbeitsbelastung Grenzen mitzuteilen.
Beate Muschalla sieht einen kritischen Punkt, wenn man Situationen mit dem Chef oder der Chefin vermeidet und dadurch Probleme bekommt, etwa weil man bei der Konferenz zu häufig fehlt, einem Informationen entgehen oder man sich ständig ängstlich absichert und sich deshalb nicht mehr auf die Arbeitsinhalte konzentrieren kann. In dem Fall rät die Psychologin dazu, sich Hilfe zu suchen, entweder im betrieblichen Umfeld oder bei Beratungsstellen. Auch der Arzt oder die Ärztin des Vertrauens können eine Anlaufstelle sein.