Es gibt aber auch Wege, die Furcht vor der Führungskraft zu überwinden. Muschalla zufolge kann es hilfreich sein, »sich einmal grundsätzlich einige Ideen über den Chef zu machen und sich darauf einzustellen, was kommt.« Etwa, indem man sich bewusst macht, dass
Muschalla beschreibt exemplarisch drei Typen: »Der regt sich immer auf, meint es aber nicht so. Der sagt heute das und morgen das, also erst mal abwarten und Tee trinken. Mein Chef ist sachlich. Mit dem kann man reden, und so weiter.«
Auch Elke Overdick plädiert dafür, der eigenen Angst auf den Grund zu gehen. »Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf? Was genau stelle ich mir Negatives vor, das passieren könnte?«, so die Coachin. Sind meine Gedanken hilfreich? Sind meine Gedanken realistisch? Was hilfreich ist: Die eigenen Angstgedanken gemeinsam mit anderen überprüfen.
Auch Selbstwert und Selbstwirksamkeit spielen der Psychologin zufolge eine große Rolle: »Menschen, die mit den Hierarchiestufen auch Wertigkeiten der Menschen verbinden, sehen sich als weniger wert als Führungskräfte.« Das sei ein Nährboden für Angst.
Wer aber die Erfahrung macht, dass kommunizierte Grenzen von der Führungskraft respektiert und beachtet werden, also Selbstwirksamkeit erlebt, hat künftig weniger Angst und sieht sich gestärkt, sich weiter offen mitzuteilen.
»Verhalten kann man üben«, sagt Psychotherapeutin Muschalla. Etwa, indem man mit Freundinnen oder guten Kollegen Situationen mit dem Vorgesetzten nachspielt und dabei Verhaltensvarianten ausprobiert oder neues Verhalten einübt. So lässt sich testen, wie man künftig reagieren kann, wenn zum Beispiel Chefin oder Chef Kritik äußern. Wichtig sei, sich aktiv mit den typischen Situationen zu beschäftigen und sie nicht nur allein im Kopf zu durchdenken.
Elke Overdick rät zudem, dem (körperlichen) Stress zu begegnen, den Angst bei genügend Intensität auslösen kann. »Auf der Ebene hilft alles, was zur Entspannung und inneren Ruhe beisteuern kann«, sagt sie. Dazu zählen Atem‑ und Achtsamkeitsübungen, Entspannungsmethoden sowie die beschriebene bewusste Überprüfung eigener Gedanken.
Nicht zuletzt kann das Arbeiten mit inneren Bildern ein effektiver Ansatz sein. Overdick schlägt zum Beispiel vor, den inneren Film vom Mitarbeitergespräch kreativ zu verändern, etwa »indem ich mal ausprobiere, wie sich meine Angst verändert, wenn ich das Bild von farbig auf Schwarz‑Weiß einstelle oder von einem Film auf ein Bild umschwenke.«