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»Talkaholics« stoppen
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Wenn Menschen ohne Punkt und Komma reden

Wenn Menschen scheinbar ununterbrochen sprechen, kann das für andere äußerst herausfordernd sein. Doch wie sich in so einer Situation verhalten – wenn man kaum zu Wort kommt?
AutorKontaktdpa
Datum 26.09.2025  08:00 Uhr

Sie sprechen quasi ohne Punkt und Komma. Manche Menschen haben einen offensichtlichen Drang zum Reden. Das kann dem Gegenüber gehörig auf die Nerven gehen. Zum Beispiel die Kollegin, die bei der Teambesprechung Monologe hält. Der Nachbar, der einen beim Treffen offenkundig ohne Pause zutextet. Die Freundin, die in einem fort auf einen einredet und einem keinen Raum gibt, dass man selbst etwas erzählt.

Solche Menschen heißen auch »Talkaholics«. Und häufig ist ihnen nicht bewusst, dass ihr ununterbrochener Redefluss andere stören kann. Denn mitunter sendet das Gegenüber ein falsches Signal. Michaela Albrecht, Kommunikationstrainerin im hessischen Hohenroda, nennt ein Beispiel: »Wenn jemand zu dem Redeschwall des Gegenübers aus Höflichkeit nickt, obgleich es ihn nervt, kann dies der übermäßig mitteilsame Mensch als Interesse deuten«, sagt sie.

Ursachen für ein gesteigertes Redebedürfnis

Wenn jemand ununterbrochen redet und dem oder der anderen keine Gelegenheit lässt, selbst etwas zu sagen, kann dies unterschiedliche Ursachen haben.

  • Einsamkeit: »Manche leben allein und haben kaum jemand, mit dem sie sprechen können«, sagt Judith Lurweg, Systemische Therapeutin in Münster. Treffen diese Menschen dann auf andere und sehen die Möglichkeit, lange Ungesagtes zu sagen, machen sie es auch: »Es ist, als wenn sich etwas in ihnen löst und Angestautes nach außen drängt« so Lurweg.
  • Unsicherheit: Andere reden unaufhörlich in der Erwartung, dass sie Bestätigung erhalten. »Sie sind sich unsicher, ob es richtig ist, was sie tun oder wie sie sich verhalten«, sagt Lurweg, »und wollen das mit einem Redeschwall ausgleichen«.
  • Persönlichkeitseigenschaft: Manchen wurde als Kind nicht zugehört – und das kompensieren sie als Erwachsene damit, dass sie reden und erwarten, dass andere ihnen zuhören. »Andere sind es einfach gewohnt, dass man ihnen zuhört und reden allein deshalb unaufhörlich«, so Lurweg. Dieses Muster sei aufgrund der geschlechtlichen Sozialisation öfter bei Männern im Verhalten gegenüber Frauen anzutreffen. Die Frauen fügten sich und hörten zu, obwohl sie genervt sind, weil sie gelernt haben, zu gefallen.

»Mitunter hat es auch etwas mit dem Alter zu tun, weshalb manche Menschen unaufhörlich auf andere einreden«, sagt Albrecht. Je älter man ist, desto mehr hat man zumeist erlebt – und manche Ältere verspüren den Drang, die dabei gemachten Erfahrungen weiterzugeben, damit andere davon profitieren könnten.

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