Wer den Verdacht hat, er könne unter einem solchen Trauma leiden, sollte sich auf Spurensuche in die Familiengeschichte begeben, so Schickedanz: Wie haben die Eltern, Großeltern, vielleicht auch die Urgroßeltern gelebt? Was hat sich atmosphärisch vererbt? Gibt es typische Familienthemen?
Allerdings ist das anspruchsvoll, so Schickedanz, je nachdem, ob und was man weiß. Daher kann eine Therapie nicht nur hilfreich, sondern auch nötig sein, um ein Trauma zu erkennen und zu bearbeiten. Etwa indem der Therapeut mit gezielten Fragen bei der Suche nach dem Ursprungstrauma unterstützt, erklärt Schickedanz: Ist zum Beispiel die Großmutter früh gestorben, hat die Mutter in dem entsprechenden Alter große Angst gehabt und die Patientin nun auch? »Das Erkennen der Ursache ist dann eine große Erleichterung.«
Grundsätzlich gibt es für das Feld der transgenerationalen Traumata, also seelischer Wunden, die über Generationen weitergegeben werden – etwa nach Krieg, Flucht, Missbrauch oder familiären Gewalterfahrungen – verschiedene Therapieansätze, mit denen das Trauma durchgearbeitet, eingeordnet und schließlich verarbeitet und innerlich einsortiert wird.
Etwa die Traumatherapie nach psychotraumatologischem Ansatz mit dem Ziel, die oft unbewusst übernommene ursprüngliche Traumatisierung zu verarbeiten und Selbstregulation aufzubauen. Oder tiefenpsychologisch fundierte beziehungsweise analytische Psychotherapie, in der unbewusste Übertragungen verstanden und bearbeitet werden sollen.
Auch andere sowie integrative Methoden können hilfreich sein; welche Therapie »die richtige« ist, hängt unter anderem ab von Art und Schwere der Symptome (wie Depressionen, Bindungsprobleme, Ängste), dem Grad der Bewusstheit des eigenen oder »fremden« Leides – und natürlich auch der Passung zu Therapeutin oder Therapeut.
Die Behandlung weitergegebener Traumata stelle keinen Luxus dar, so Drexler. Sie kann Harald Schickedanz zufolge sogar nachhaltig wirken: »Eine Traumafolgestörung ist immer ein Feststecken von Gefühlen, man endet stets im Schrecken« – doch verarbeite eine Generation diesen Schrecken, habe er ein Ende, und der Teufelskreis sei durchbrochen.