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Oligoantigene Diät
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Wie die Ernährung bei ADHS hilft

ADHS macht betroffenen Kindern und Erwachsenen immer wieder das Leben schwer. Ein Stückweit können sie die Symptome selbst beeinflussen. Eine Stellschraube ist die Ernährung, erklärte Ernährungs-Doc Dr. med. Matthias Riedl im Gespräch mit PTA-Forum.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 27.11.2024  16:00 Uhr

PTA-Forum: Welchen Zusammenhang kann es zwischen ADHS und der Ernährung geben?

Riedl: Es ist individuell verschieden, ob und gegen welche Nahrungsmittel zum Beispiel eine Unverträglichkeit vorliegt und welche Lebensmittel ADHS verschlimmern können. Es lohnt sich jedoch in jedem Fall zu schauen, ob eine Ernährungsumstellung die ADHS-Symptome lindert. Das führt zwar nicht zu einer Heilung, aber man kann die Dosis der Medikamente eventuell senken.

PTA-Forum: Wie sollten Menschen mit ADHS dabei vorgehen?

Riedl: Der Ansatz von Ernährungsmedizinern ist die sogenannte oligoantigene Diät. Dabei bezeichnet »oligoantigen« bestimmte Stoffe in Nahrungsmitteln, auf die man verzichten sollte, weil sie häufiger Unverträglichkeiten auslösen.

Die Ernährungsumstellung teilen wir in zwei Phasen ein. In der Auslassphase, die vier Wochen dauert, werden bestimmte Lebensmittel komplett vom Speiseplan gestrichen. Dabei handelt es sich um Kuhmilch, Kuhmilchprodukte, Ei, Fisch, Soja, Nüsse, glutenhaltiges Getreide und jegliche Art von Zusatzstoffen.

PTA-Forum: Zusatzstoffe zu streichen erscheint sehr schwierig.

Riedl: Es geht, wenn man weiß, worin sie stecken, und zwar etwa als Farb- und Süßstoffe in verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren, in Fertiggerichten und Fast Food. Diese Energiequellen sollte man auf jeden Fall meiden.

PTA-Forum: Welche Lebensmittel sind in der ersten Phase erlaubt?

Riedl: Zunächst sollte alles so natürlich wie möglich sein und zudem ein geringes allergenes Potenzial haben. Dazu gehören die meisten Gemüse- und Obstsorten, glutenfreies Getreide und Kartoffeln, Milchersatzprodukte und helles Fleisch.

PTA-Forum: Wie geht es dann weiter?

Riedl: In der zweiten Phase führt man die in der ersten Phase ausgelassenen Lebensmittel einzeln und jeweils in zweiwöchigem Abstand wieder ein. Jetzt gilt es, sich selbst genau zu beobachten, wie reagiert mein Körper, was ist mit den ADHS-Symptomen? Um dabei den Überblick zu behalten, lohnt es, ein Ernährungstagebuch zu führen.

PTA-Forum: Kann der Fokus auf die Lebensmittel auch Risiken bergen?

Riedl: Ein Risiko besteht in einer zu starken Selbstbeschränkung bei der Auswahl der Lebensmittel. Manchmal meiden Menschen dann immer mehr Nahrungsmittel aus der Angst heraus, diese könnten ihre ADHS-Symptome verstärken. Das kann schlimmstenfalls zu einer Mangelernährung führen. Deshalb ist es so wichtig, wirklich nur das zu meiden, wovon man deutlich merkt, dass es die Symptome verschlechtert.

PTA-Forum: Gibt es auch Nahrungsmittel, die Menschen mit ADHS grundsätzlich nur in geringen Mengen beziehungsweise selten essen sollten?

Riedl: Ja, wer ADHS hat, verzichtet am besten auf Dauer auf hoch verarbeitete Lebensmittel und auf allzu viel Süßes. Wichtig ist aber nicht nur, aus was die Mahlzeiten bestehen, sondern auch, dass man sie möglichst regelmäßig einnimmt. Diese Struktur, die bei Erwachsenen am besten drei Mahlzeiten am Tag beinhaltet, sorgt auf einfachem Weg auch für mehr Ausgeglichenheit. Für Kinder und Menschen mit Untergewicht sind zwei Zwischenmahlzeiten zusätzlich wertvoll und wichtig.

PTA-Forum: Vielen Dank für das Gespräch.

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