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Was beeinflusst was?
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Wie Drogen und Depressionen zusammenhängen

Wer stimulierende Drogen wie Kokain oder Crystal konsumiert, leidet Studien zufolge häufiger an Depressionen. Dabei erhoffen sich Menschen, die Stimulanzien einnehmen, wacher zu werden und ihre Stimmung zu heben. Wie das zusammenpasst, haben nun Forschende aus Australien beleuchtet.
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 26.02.2025  10:00 Uhr

In ihrer Übersichtsarbeit fand das Team um Studienleiterin Zoe Duncan mehrere Studien, die auf eine eindeutige Verbindung zwischen Methamphetamin und Kokain mit Depressionen hinweisen. Die Forschenden interessierte jedoch die Frage nach dem zeitlichen Zusammenhang: Sind die Drogen für die Depressionen verantwortlich? Sind depressiv verstimmte Menschen anfälliger für Drogenkonsum? Oder wird beides durch eine andere, dritte Ursache beeinflusst?

Erst die Drogen, dann die Depression?

Von den elf geeigneten Studien wurden in sechs Belege für einen Zusammenhang zwischen Methamphetamin-Konsum und depressiven Symptomen gefunden, in dreien wurde berichtet, dass der Drogenkonsum den depressiven Symptomen zeitlich vorausging. Demnach könnte Crystal also tatsächlich eine Ursache für eine anschließende Depression sein. Bei Kokain fanden die Forschenden nur drei Studien, die einen Zusammenhang zwischen Kokainkonsum und Depressionen generell andeuteten.

Dennoch ist es den Forschenden zufolge plausibel, dass der häufige Konsum von Stimulanzien Depressionen auslösen kann. Denn diese beeinflussten körpereigene Botenstoffe, die unter anderem unsere Stimmung steuern. Dazu zählen etwa Dopamin, Serotonin oder Noradrenalin. Crystal und Kokain könnten den komplexen Regelkreislauf dieser Botenstoffe empfindlich stören, was Abhängige beim Entzug merkten. Diese sei häufig von Depressionen geprägt.

Oder Drogenkonsum aufgrund der Depression?

Doch auch für die umgekehrte Hypothese fanden die Forschenden Hinweise. Die sogenannte Selbstmedikations-Hypothese beschreibt Menschen mit depressiven Symptomen, die aufgrund ihrer Stimmungslage zu Drogen greifen. Kurzfristig seien Stimulanzien wie Kokain oder Crystal durchaus in der Lage, Zweifel und Grübeleien zu vertreiben und das Selbstvertrauen zu erhöhen. Doch hier dürfe auch eine Wechselwirkung nicht unbeachtet bleiben: Auch wenn eine Depression schneller zu Drogen greifen lasse, verschlimmerten diese ihrerseits die Depression.

Und schließlich dürfe auch eine mögliche genetische Ursache nicht unbeachtet bleiben. In diesem Falle würden Drogenkonsum und Depressionen nicht miteinander zusammenhängen, sondern unabhängig voneinander durch gemeinsame Gene beeinflusst werden.

Letztlich muss den Forschenden zufolge davon ausgegangen werden, dass sich Drogenkonsum und Psyche wechselseitig beeinflussen. In der Behandlung von Suchterkrankten müsse daher auch stets die mentale Gesundheit mit betrachtet werden.

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