Das wahrscheinlich einzige bekannte Reservoir des Erregers ist die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon), bei der die Infektion keine schweren Symptome verursacht. / © Getty Images/CreativeNature_nl
In Bayern ist erneut ein Mensch mit dem seltenen Borna-Virus erkrankt. Die Infektion sei im Landkreis Erding nachgewiesen worden, teilte das Landratsamt mit. Die Infektionen mit der wahrscheinlich vordringlich von Feldspitzmäusen übertragenen Krankheit verlaufen in den meisten Fällen lebensbedrohlich. Jährlich werden weniger als zehn Fälle in ganz Deutschland gemeldet, ein Großteil davon aus Bayern. Das Gesundheitsamt Erding stehe bei der Untersuchung zur Infektionsursache in engem Austausch mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).
Das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) kommt in der Feldspitzmaus vor. Experten gehen davon aus, dass die Übertragung durch den Kontakt mit deren Ausscheidung erfolgt. Infizierte Tiere scheiden das Virus unter anderem über Kot, Urin, Speichel und die Haut aus, ohne selbst zu erkranken. Lebende oder tote Tiere sollten daher niemals mit bloßen Händen berührt werden.
Beim Entsorgen einer toten Spitzmaus sollten Gummihandschuhe, Schutzbrille und Maske getragen und die Maus mit über die Hand gestülpter Plastiktüte aufgenommen und im Hausmüll entsorgt werden. Davor sollten das Tier und deren Ausscheidungen gründlich mit Reinigungsmittel besprüht werden, damit kein virusbeladener Staub aufgewirbelt wird – und im Anschluss geduscht werden.
In einem Merkblatt des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM), das zusammen mit dem Robert-Koch-Institut erstellt wurde, wird jedoch erwogen, dass ein direkter Kontakt mit Feldspitzmäusen für eine Infektion gar nicht erforderlich sei. Vorstellbar sei die Aufnahme des Virus, das in der Umwelt lange infektiös bleiben kann, auch über verunreinigtes Erdreich, das in Hautverletzungen oder auf Schleimhäute gelangt. Auch kontaminierte Lebensmittel, verunreinigtes Wasser oder das Einatmen des Virus über kontaminierten Staub wird in Betracht gezogen. Zudem könnten laut BNITM auch Hauskatzen bei einer Ansteckung als Bindeglied dienen, da sie Spitzmäuse jagen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei dagegen sehr unwahrscheinlich.
Die Inkubationszeit könne mehrere Wochen oder Monate betragen und erst dann zunächst Fieber, Kopfschmerzen und Unwohlsein auftreten, so das BNITM. Darauf folgten neurologische Symptome (Verhaltensauffälligkeiten, Sprech- und Gangstörungen, Epilepsie) und im weiteren Verlauf in kurzer Zeit Koma. Meist verliefen die Infektionen tödlich.
Es gibt die Möglichkeit einer antiviralen sowie einer immunsupprimierenden Therapie. Letztlich ist es laut Experten die überschießende Immunreaktion, die die schweren und meist tödlichen Symptome auslöst.
Der Erreger ist bei Tieren zwar seit langem bekannt. Erst seit 2018 wurde aber nachgewiesen, dass BoDV-1 auch auf den Menschen übertragbar ist und dabei meist tödliche Gehirnentzündungen verursacht. Die Krankheit ist seit 2020 meldepflichtig.
Im vergangenen Jahr gab es mehrere Todesfälle in Bayern. Im Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz starb im Herbst eine 57 Jahre alte Person. Wenige Monate zuvor waren zwei Menschen aus dem oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm an dem Borna-Virus gestorben. Für die Häufung von zwei Borna-Fällen in der Gegend gab es damals zunächst keine Erklärung.