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Übelkeit, Bauchschmerzen, Sodbrennen
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Wie Gefühle unsere Verdauung beeinflussen

Aufregung kann Durchfall verursachen, anhaltende Probleme am Arbeitsplatz oder in der Familie können zu Bauchschmerzen führen. Auch häufige Übelkeit oder Sodbrennen können stressbedingt sein. Doch wie genau hängen psychische Belastungen und die Verdauung zusammen?
AutorKontaktCarina Steyer
Datum 28.11.2025  12:00 Uhr

Wie eng der Magen-Darm-Trakt und eigene Gefühle miteinander verwoben sind, hat wohl jeder schon einmal zu spüren bekommen. Auch in der Medizin ist der Zusammenhang keine Unbekannte und wurde in der Vergangenheit in Experimenten vielfältig nachgezeichnet. So erfasste der US-Mediziner Thomas Almy die Dickdarmbewegungen von Studienteilnehmern, während er mit ihnen über emotional aufwühlende Erlebnisse aus ihrem Leben sprach. Bei anderen führte er Dickdarmspiegelungen durch, in denen er angab, einen Tumor gefunden zu haben. Nachdem der Proband mit Dickdarmkrämpfen reagiert hatte, klärte Almy die Situation auf und konnte beobachten, wie sich der Darm wieder beruhigte. 

Doch warum wirkt sich Stress so sehr auf ein Organsystem aus, das weitestgehend autonom arbeitet? Zur Erinnerung: Das Verdauungssystem wird über das enterische Nervensystem gesteuert. Es koordiniert die Verdauungsmuskulatur und steuert die Abgabe von Verdauungssekreten und Nahrungsbestandteilen. Das Gehirn beteiligt sich an diesen Vorgängen kaum. Anders sieht es aus, wenn Stressoren auf den Körper einwirken. Nun übernimmt das Gehirn die zentrale Steuerung und aktiviert das »Kampf oder Flucht«-System. Alle nicht unmittelbar für das Überleben notwendigen Körperfunktionen werden zurückgefahren und der Fokus auf die optimale Versorgung von Muskulatur und Gehirn gelegt. 

Hemmung macht Beschwerden

Ob es nun ein gefährliches Raubtier ist, das uns gegenübersteht, oder eine bevorstehende Prüfung für Aufregung sorgt, für das Gehirn macht das keinen Unterschied. Es wertet beides als akuten Stress und fährt das Verdauungssystem herunter. Konkret bedeutet das: Der Sympathikus reduziert die Aktivität von Magen und Darm. So wird sichergestellt, dass kein Hungergefühl aufkommt. Oft gesellt sich auch leichte Übelkeit dazu. Der Hypothalamus schüttet das Hormon Corticotropin Releasing Factor (CRF) aus. CRF hemmt die Magenbewegungen, der Weitertransport der Nahrung in den Darm wird dadurch stark verlangsamt oder ganz gestoppt. Typische Beschwerden, die nun auftreten können, sind Bauchschmerzen oder Sodbrennen. Gleichzeitig sorgt CRF im Dickdarm dafür, dass er möglichst schnell entleert wird. Die Darmbewegungen werden angeregt und der Einstrom von Wasser erhöht. 

Obwohl beide Systeme bei akutem Stress aktiviert werden, ist die hemmende Wirkung des Sympathikus wesentlich schneller spürbar als die Hormonausschüttung des Hypothalamus. Das erklärt, warum in akuten Gefahrensituationen in der Regel kaum Darmbeschwerden auftreten. Bei absehbaren, bevorstehenden Herausforderungen der modernen Welt zählen anhaltender Stuhldrang und/oder Durchfall jedoch zu den häufigsten und unangenehmsten Beschwerden bei Stress.

Dauerhafte Schäden

Das Positive an aufregungsbedingten Magen-Darm-Beschwerden ist, dass sie sich schnell wieder legen, wenn die Prüfung überstanden oder die Fahrt in den Urlaub angetreten ist. Anders sieht es aus, wenn Menschen von chronischem Stress betroffen sind. Senkt sich der Stresspegel nicht ab, sind dauerhafte Schäden am Verdauungssystem möglich.  So kann eine anhaltende verminderte Durchblutung des Darms Schleimhautveränderungen begünstigen und die Durchlässigkeit der Darmbarriere erhöhen. Dringen Bakterien in die Darmschleimhaut ein, werden Entzündungsreaktionen ausgelöst. Auch das Stresshormon CRF wirkt direkt auf die Immunzellen der Darmwand ein, wodurch es zu einer weiteren Schwächung der Darmbarriere kommt. 

Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen können stresserzeugende Lebensereignisse wie der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine Trennung einen Krankheitsschub auslösen. Wissenschaftler der University of Pennsylvania konnten die Struktur dahinter bei Mäusen nachvollziehen: Nach einem Stressereignis aktiviert das Gehirn die Freisetzung von Glucocorticoiden in der Nebenniere. Diese wirken auf Neurone im Darm sowie die Verbindung zwischen ihnen, die sogenannten Gliazellen, ein. Gliazellen aktivieren Immunzellen, die für die Entzündungen im Darm verantwortlich sind. Gleichzeitig wird durch die Freisetzung von Glucocorticoiden die Entwicklung unreifer Darmneuronen blockiert, was den Signalweg für die Kontraktion der Darmmuskulatur beeinträchtigt. Die Nahrung passiert das Verdauungssystem langsamer, wodurch die Beschwerden zusätzlich verstärkt werden.

Den Gegensatz, dass Glucocorticoide in der Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen zur Entzündungshemmung eingesetzt werden, bei chronischem Stress aber entzündungsfördernd wirken, erklären die Wissenschaftler mit der Zeitspanne der Einwirkung. Chronischer Stress stellt eine Art Dauerzustand dar, während die Behandlung möglichst kurzgehalten wird.

Intensivierte Wahrnehmung

Als wahrscheinlich gilt zudem, dass chronischer Stress eine Rolle bei der Entstehung des Reizdarmsyndroms spielt. Betroffene leiden regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg unter Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung. Einige so sehr, dass sie sich in ihrem Alltag deutlich eingeschränkt fühlen. 

Trotz des hohen Ausmaßes an Beschwerden finden sich im Darm keine auffälligen Veränderungen wie bei einer Zöliakie oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Oft beobachten Gastroenterologen jedoch eine sogenannte viszerale Hypersensititvität. Dabei nehmen Betroffene grundsätzlich normale Vorgänge im Darm stärker und unangenehmer wahr als nicht betroffene Menschen. 

Verantwortlich dafür sind Schmerzrezeptoren im Rückenmark. Sie sind aufgrund anhaltender psychischer Stressbelastung oder als Folge von Entzündungen dauerhaft aktiviert und melden dem Gehirn normale Darmwahrnehmungen fälschlicherweise als Problem. Das setzt eine Spirale in Gang: Anhaltende Verdauungsbeschwerden können das Angst- und Stresslevel erhöhen. Angst und Stress erzeugen stärkere Darmaktivitäten, die erneuten Stress verursachen. Zudem ist belegt, dass der Magen-Darm-Trakt bei Menschen mit Reizdarmsyndrom empfindlicher gegenüber Stress ist als der nicht betroffener Menschen. Darmbewegungen und Bauchschmerzen fallen bei ihnen stärker aus. 

Derzeit gehen Gastroenterologen davon aus, dass stressbedingtes Sodbrennen einem ähnlichen Kreislauf folgen könnte. Auch hier sind die unangenehmen Beschwerden nicht immer auf einen verstärkten Reflux zurückzuführen. Bekannt ist aber, dass einige Betroffene dazu neigen, bei chronischer Stressbelastung die Aufmerksamkeit verstärkt auf körperliche Wahrnehmungen zu lenken. Und je stärker sie das machen, umso intensiver empfinden sie die Symptome.

Dem Stress begegnen

Doch was kann man nun tun, wenn Stress regelmäßig auf Magen und Darm schlägt? Solange es sich um vereinzelte Stresssituationen wie eine Prüfung handelt, können Hausmittel wie eine Tasse Tee, gezielte Entspannung oder Ablenkung bereits ausreichen, um die Situation zu meistern. Treten Beschwerden häufig auf oder werden sie als einschränkend empfunden, ist eine medizinische Abklärung sinnvoll. 

Im Fall des Reizdarmsyndroms haben sich Ansätze aus der kognitiven Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Betroffene lernen, mit Stress, Angst und Verdauungsbeschwerden besser umzugehen und Empfindungen aus dem Magen-Darm-Trakt nicht als bedrohlich wahrzunehmen. Dazu werden häufig Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelentspannung kombiniert. Ein ähnliches Ziel verfolgt die bauchgerichtete Hypnose. Durch Autosuggestion wird die Wahrnehmungsschwelle erhöht, sodass Verdauungsprozesse nicht mehr ins Bewusstsein dringen oder die unangenehmen Empfindungen kontrollierbarer werden. 

Manchmal kann auch eine Ernährungsumstellung hilfreich sein. Insbesondere bei Magenproblemen raten Experten, zunächst einmal auf regelmäßige Mahlzeiten mit wenig Fett und Alkohol zu achten. Auf Rauchen sollte ganz verzichtet werden.

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