Die Studienergebnisse lassen keine Schlüsse auf individueller Ebene zu, sondern beschäftigen sich mit einer Theorie aus evolutionsbiologischer Sicht. / © Adobe Stock/SianStock
Das biologische Alter einer Frau korreliert einer Studie zufolge unter anderem damit, wie viele Kinder sie hat. Das berichtet ein finnisches Forschungsteam in der Fachzeitschrift »Nature Communications«. Sowohl überdurchschnittlich viele als auch keine Kinder waren in einer Zwillingsstudie (»Finnish Twin Cohort«) mit einer höherem Mortalitätsrisiko und beschleunigter biologischer Alterung verbunden. Das Ergebnis unterstütze die Disposable-Soma-Theorie, schreiben die Autorinnen und Autoren, nach der die Energie eines Organismus begrenzt ist und die verwendeten Ressourcen für Langlebigkeit und eine hohe Reproduktionsrate in Konkurrenz stehen.
In der Studie wurde zum einen die Assoziation zwischen Reproduktion und Überleben bei 14.836 Frauen untersucht, und zum anderen das biologische Alter von 1054 weiblichen Zwillingen ermittelt. Für letzteres nutzten die Forschenden den Algorithmus »PCGrimAge«, der anhand der DNA-Methylation die biologische Alterung und das Mortalitätsrisiko abschätzt. Am höchsten war das biologische Alter bei Frauen, die keine Kinder hatten oder die durchschnittlich 6,8 Kinder geboren hatten. Am langsamsten alterten Frauen mit etwa zwei bis drei Kindern. Auch das Alter bei der Geburt zeigte einen gewissen Effekt: Frauen, die ihre Kinder im Alter zwischen 24 und 38 Jahren bekamen, waren im Vergleich biologisch jünger. Frauen, die früh Kinder bekamen, zeigten dagegen Anzeichen einer schnelleren biologischen Alterung.
»In einigen unserer Analysen zeigte sich, dass frühes Kinderkriegen auch mit biologischer Alterung einhergeht. Dies könnte mit der Evolutionstheorie zusammenhängen: Die natürliche Selektion begünstigt eine frühere Fortpflanzung. Das führt zu kürzeren Generationszeiten, selbst wenn damit gesundheitliche ›Kosten‹ im Zusammenhang mit dem Altern verbunden sind«, erklärte Studienautorin Miina Ollikainen von der Universität Helsinki in einer Mitteilung.
»Aus evolutionsbiologischer Sicht verfügen Organismen über begrenzte Ressourcen wie Zeit und Energie«, erläuterte Mikaela Hukkanen, ebenso Universität Helsinki. »Wird viel Energie in die Fortpflanzung investiert, fehlt diese für die Erhaltung und Reparatur des Körpers, was die Lebenserwartung verkürzen kann.« Warum auch kinderlose Frauen schneller altern, bleibt allerdings offen. Die Autorinnen und Autoren bemerken, dass etwaige gesundheitliche Risikofaktoren in dieser Gruppe einen Einfluss auf die Fortpflanzung haben könnten und damit die Ergebnisse potenziell verzerren. Die Zusammenhänge seien aber auch nach Herausrechnen der Risikofaktoren signifikant geblieben.
Allgemein ist zu beachten, dass die Studie lediglich eine Korrelation darstellt, keine Kausalität. Die Autorinnen und Autoren diskutieren außerdem verschiedene Limitationen, zum Beispiel, dass die Teilnehmerinnen die Informationen zu BMI, Rauchstatus und anderen Gesundheitsfaktoren sowie Anzahl und Zeitpunkt der Geburten selbst berichtet haben, wobei etwa 40 Prozent der Daten zu Geburten validiert werden konnten. Auch die weite Spanne an Geburtsjahren könne Einfluss auf die Ergebnisse haben, so die Einschätzung. Weitere Studien seien nötig, um kausale Zusammenhänge zu zeigen.