Das zeigt sich besonders im monatlichen Zyklus. In der ersten Zyklushälfte dominiert Östrogen und unterstützt unter anderem die Dopaminproduktion im Gehirn. In der zweiten Zyklushälfte sinkt der Östrogenspiegel, während Progesteron ansteigt – das hormonelle Gleichgewicht verändert sich, und dem Gehirn steht häufig weniger Dopamin zur Verfügung. Viele Frauen reagieren in dieser Phase empfindlicher und haben mehr Schwierigkeiten, ihren Alltag zu strukturieren.
Und es begünstigt das Prämenstruelle Syndrom (PMS), zu dessen Symptomen Reizbarkeit, Angstzustände, depressive Verstimmungen, Brustspannen und -schmerzen sowie Kopfschmerzen gehören. Studien zeigen, dass Frauen mit AD(H)S deutlich häufiger unter PMS leiden als Frauen ohne die Störung – je nach Untersuchung ist fast jede zweite betroffen.
Bei einem Teil der Betroffenen fallen die Beschwerden jedoch deutlich stärker aus. Dann sprechen Fachleute von der Prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS), bei der besonders die psychischen Symptome die Lebensqualität und den Alltag beeinträchtigen. In der weiblichen Allgemeinbevölkerung sind drei bis acht Prozent betroffen; es gibt Hinweise darauf, dass ADHS-Betroffene auch hier ein höheres Risiko haben.
Um PMS oder PMDS zu behandeln, gibt es verschiedene Möglichkeiten. So empfiehlt Matthias Rudolph Präparate mit Mönchspfeffer, die Symptome abmildern können. Mediziner können aber auch etwa niedrig dosierte Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), also Medikamente, die man auch bei Depressionen oder Angststörungen nehmen würde, verordnen. Die Betroffenen nehmen das Mittel nur an den Tagen vor der Periode. Eine andere Option sei, das ADHS-Medikament in dieser Zeit um fünf bis zehn Milligramm höher zu dosieren (nur mit ärztlicher Begleitung).
Bei Frauen kommen grundsätzlich auch hormonelle Präparate in Betracht, sofern die Verträglichkeit gegeben ist und keine Kontraindikationen vorliegen. Etwa orale Kontrazeptiva, die durchgehend genommen werden, sodass die Periode ausbleibt und die zyklischen Schwankungen unterdrückt werden. Auch die Gabe eines Östrogen-Gels kann stabilisierend wirken. Wichtig ist, dass Behandler sich eng abstimmen.