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Wie Hormone ADHS beeinflussen

ADHS zeigt sich bei Frauen nicht nur anders als bei Jungen und Männern, sondern auch die Symptome können bei hormonellen Veränderungen variieren. Eine Expertin berichtet in einem Buch von ihren Erfahrungen.
AutorKontaktdpa
Datum 08.01.2026  14:00 Uhr

Was sich in Schwangerschaft und nach Geburt ändert

In der Schwangerschaft steigen die Östrogenspiegel stark an. Für Frauen mit AD(H)S kann das zu einer Veränderung ihrer Symptome führen. Ob ADHS-Medikamente reduziert oder pausiert werden können, sollte individuell nach Nutzen-Risiko-Abwägung mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt entschieden werden. Gleichzeitig, so schreibt Borg Skoglund, berichteten schwangere Frauen mit AD(H)S häufig, dass sie sich in ihrem Körper unwohl fühlen, sich Sorgen über die Geburt machen und von Selbstzweifeln angesichts der Mutterschaft geplagt werden.

Fachleute raten deshalb dazu, Frauen mit AD(H)S während Schwangerschaft und Wochenbett besonders eng zu begleiten – etwa durch frühzeitiges Screening, eine engere Betreuung durch Hebammen und eine gute Vernetzung mit ärztlichen Ansprechpersonen.

Mit der Geburt sinkt das Östrogen stark ab, depressive Stimmungen nehmen zu. Studien legen nahe, dass auch die Rate an postpartalen Depressionen unter Frauen mit ADHS erhöht ist. Matthias Rudolph zufolge liegt sie für Frauen in der Allgemeinbevölkerung bei 10 bis 20 Prozent, bei Frauen mit AD(H)S in einigen Studien bei 60 Prozent.

Hinzu kommt: Untersuchungen haben gezeigt, dass ADHS familiär gehäuft auftritt. Sie kann demnach von Eltern vererbt werden. Das kann unter Umständen bedeuten, dass stresssensible Eltern ein Baby haben, das Regulationsstörungen zeigt und zum Beispiel viel schreit. Facharzt Matthias Rudolph rät dazu, sich in solchen Fällen zum Beispiel an Pro Familia zu wenden und mit der Hebamme und der Krankenkasse zu sprechen, damit die Eltern länger betreut werden und Hilfe erhalten.

AD(H)S in den Wechseljahren

Bei vielen Frauen wird AD(H)S erst mit Eintreten der (Peri-)Menopause diagnostiziert, also rund um die Wechseljahre. Mit der Perimenopause verändert sich das Zusammenspiel der Hormone: Progesteron wird weniger oder gar nicht mehr produziert, gleichzeitig schwankt auch der Östrogenspiegel stark. Das wirkt sich unter anderem darauf aus, wie viel Serotonin und Dopamin im Gehirn verfügbar sind – also Botenstoffe, die für Stimmung, Motivation und emotionale Stabilität wichtig sind.

Der unstete Hormonspiegel kann stärkere Stimmungsschwankungen sowie Probleme bei emotionaler Regulierung und Stresstoleranz begünstigen. Einige Frauen berichten Borg Skoglund zufolge in der Postmenopause von AD(H)S-Symptomen, die sie zuvor noch nie erlebt hatten. »Bei ihnen gilt es, unter Abwägung möglicher Kontraindikationen, die Einleitung einer Hormonersatztherapie besonders gründlich zu prüfen«, sagt Rudolph. Wichtig für Frauen mit AD(H)S ist dem Mediziner zufolge eine intensive Zusammenarbeit zwischen behandelnden Fachpersonen, also etwa Gynäkologin, Therapeut und Hausarzt. Neben Medikamenten kann Bewegung helfen oder Sport, der mit Entspannungsverfahren kombiniert wird wie Tai Chi, Yoga und Qigong.

»Strategien im Alltag wie feste Routinen, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und strukturierte Planung, sind in hormonell turbulenten Phasen besonders wichtig«, sagt Borg Skoglund. Auch Selbsthilfegruppen und Psychoedukation könnten hilfreich sein.

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