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Nicht wegschauen
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Wie man auf Menschen mit Essstörung zugeht

Wenn jemand an einer Essstörung leidet, fühlen sich Angehörige und Freunde oft hilflos und trauen sich nicht, die Erkrankten anzusprechen. Sollten sie aber, sagt eine Therapeutin. So nämlich.
AutorKontaktdpa
Datum 25.04.2024  16:00 Uhr

Eine Essstörung wie Anorexie, Bulimie oder Binge-Eating ist eine ernsthafte Krankheit, die nicht nur die Erkrankten selbst belastet. Auch für die Menschen im Umfeld ist es zum Teil schwierig, die Betroffenen anzusprechen. Sollte man es tun und wenn ja, wie?

Den richtigen Ton finden

»Unbedingt! Je ehrlicher, je klarer, desto besser, weil die Betroffenen ein sehr feines Gespür für Echtheit haben«, sagt Sandra Steiner. Sie ist Therapeutin in Bern und berät in ihrer Praxis Betroffene und Angehörige. »Ich würde allen empfehlen, sie einfach in einem guten Moment direkt anzusprechen, mit einer konkreten Beobachtung. Zum Beispiel: ›Mir fällt auf, dass du nur noch einen Apfel isst.‹ Oder: ›Mir fällt auf, dass im Schrank immer die Biskuits verschwunden sind.‹« Dabei sollte man »möglichst die eigene Sorge zum Ausdruck bringen, ohne zu werten, ein offenes Ohr haben und auf keinen Fall wegschauen«.

Dabei ist laut BZgA wichtig:

  • Ich-Botschaften formulieren: Angehörige und andere berichten aus der Ich-Perspektive, welche Veränderungen im Verhalten der Betroffenen ihnen aufgefallen sind und aus welchen Gründen diese ihnen Sorgen bereiten.
  • Offen sein und Verständnis zeigen: Es kann für Betroffene eine große Erleichterung sein, jemanden zu finden, der zuhört und die eigene Situation versteht.
  • Gewicht, Figur und Essverhalten sollten nicht im Mittelpunkt des Gesprächs stehen.
  • Vorwürfe, Schuldzuweisungen, Warnungen oder Drohungen sollten unterbleiben.

Keinen Druck ausüben

Wichtig ist zu wissen: »Es ist nicht einfach eine Phase, die von allein vorübergeht. Die Essstörung sollte man unbedingt ernst nehmen«, sagt Steiner. Dazu gehöre auch, sich darauf einzustellen, dass die Genesung viel Kraft und Zeit erfordert.

Die Therapeutin und Autorin des Buches »Das Stück Brot ist wieder ein Stück Brot – Wege aus der Essstörung« schlägt vor, die Betroffenen zu einer Therapie zu ermutigen und bei der Suche nach einem Therapieplatz behilflich zu sein. Dabei sollte man sensibel vorgehen und auf keinen Fall Druck ausüben. Besser sei es, einfach Hilfe anzubieten und dann das umzusetzen, was die Betroffenen sich an Hilfe wünschen.

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