| Juliane Brüggen |
| 14.01.2026 14:00 Uhr |
Um die individuell passende und sichere Verhütungsmethode zu finden, hilft ein Gespräch mit der Gynäkologin oder dem Gynäkologen. / © Getty Images/Courtney Hale
Brustkrebs ist oftmals mit mehreren Jahren medikamentöser Therapie verbunden – bis hin zur dauerhaften Therapie in der metastasierten Situation. Neben Chemo- und Strahlentherapie können auch längerfristig eingesetzte Medikamente wie das Antiöstrogen Tamoxifen, Aromatasehemmer, CDK4/5-Hemmer oder Anti-HER2-Therapien ein ungeborenes Kind potenziell schädigen. Für Frauen im gebärfähigen Alter heißt das, eine Schwangerschaft während der Therapie und gegebenenfalls auch einen bestimmten Zeitraum danach mit einer zuverlässigen Methode zu vermeiden. Ein häufiger Trugschluss: Auch wenn die Menstruation beispielsweise unter Chemo- oder Antihormontherapie ausbleibt, heißt das nicht, dass eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist.
Doch welche Verhütungsmethoden kommen überhaupt in Frage? Dem geht der Krebsinformationsdienst des DKFZ in einer Übersicht für Fachkreise nach. Die Empfehlung lautet demnach (trotz begrenzter Datenlage): Keine hormonelle Verhütung bei Brustkrebs – unabhängig davon, ob ein positiver oder negativer Hormonrezeptorstatus beim Tumor vorliegt. Die typischen oralen Kontrazeptiva, Vaginalringe sowie hormonhaltige Intrauterinpessare oder Implantate fallen somit weg.
Es bleiben laut Krebsinformationsdienst die folgenden Verhütungsmethoden:
Unter den hormonfreien Verhütungsmethoden gelten Kupferspiralen und die Sterilisation als sehr sicher, wie ein Vergleich des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf www.gesundheitsinformation.de zeigt. Die Kupferspirale – ein T-förmiges, etwa 3 cm langes mit Kupferdraht umwickeltes Kunststoffstäbchen – wird durch eine Ärztin oder einen Arzt in die Gebärmutter eingelegt und verbleibt dort je nach Modell für drei bis 10 Jahre. Alternativen sind die Kupferkette oder der Kupferball. Um den richtigen Sitz zu kontrollieren, werden in der Regel jährliche Ultraschallkontrollen durchgeführt. Die Wirkung kommt wie folgt zustande: Die kontinuierlich abgegebenen geringen Kupfermengen schränken die Spermien in Beweglichkeit und Fruchtbarkeit ein. Auch die Gebärmutterschleimhaut verändert sich dahingehend, dass Eizellen sich nicht einnisten können.
Anders als das Einsetzen der Kupferspirale macht eine Sterilisation dauerhaft unfruchtbar und ist daher vor allem eine Option, wenn die Familienplanung bereits abgeschlossen ist. Bei Frauen gibt es zwei Verfahren: Den Verschluss der Eileiter (Tubensterilisation) und die – deutlich seltenere – Entfernung der Eileiter (Salpingektomie). Die Tubensterilisation erfolgt in der Regel ambulant über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie). Dabei werden die Eileiter entweder mit einem Clip verschlossen oder mit Hitze verödet, wobei letzteres Verfahren zu einer höheren kontrazeptiven Sicherheit führt. Die Tubensterilisation ist zwar prinzipiell umkehrbar, die Chancen auf eine folgende Schwangerschaft sind jedoch deutlich reduziert: Nur etwa 50 Prozent der Frauen werden danach auf natürlichem Wege schwanger.
Weniger sicher als Spirale und Sterilisation sind Barrieremethoden wie Kondome oder Diaphragmen – beziehungsweise: Ihre Sicherheit hängt maßgeblich von der richtigen und konsequenten Anwendung ab. Die natürliche Familienplanung, bei der körperliche Veränderungen wie Zervixschleim und Temperatur im Verlauf eines Zyklus beobachtet werden, erfordert ebenfalls einiges an Erfahrung – das IQWiG empfiehlt mehrere Parameter gleichzeitig zu beobachten.
Zu beachten ist laut IQWiG, dass es generell schwierig ist, das Verhütungsverhalten und die Anwendung von Verhütungsmitteln in Studien zu untersuchen und diese teils zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Die Tabelle gibt einen Überblick, wie viele ungewollte Schwangerschaften innerhalb des ersten Anwendungsjahres einer Verhütungsmethode zu erwarten sind. Zum Vergleich: Ganz ohne Verhütung läge der Wert bei 85 Prozent.
| Verhütungsmethode | Perfekte Anwendung | Alltagsanwendung |
|---|---|---|
| Sterilisation Frau (Tubensterilisation und Salpingektomie) | 0,5 | 0,5 |
| Sterilisation Mann (Vasektomie) | 0,1 | 0,1 |
| Kupferspirale und -kette | 0,6 | 0,8 |
| Kupferball | Unklar | Unklar |
| Kondom | 2 | 13 |
| Femidom | 5 | 21 |
| Diaphragma | 4–14 | 12–18 |
| Symptothermale Methode | 0,4 | 2 |
| Zervixschleim-Beobachtung | 3 | 23 |
| Kalendermethode | 5 | 12 |
Auswahl hormonfreier Verhütungsmittel; ungewollte Schwangerschaften im ersten Jahr der Anwendung in Prozent; Quelle: www.gesundheitsinformation.de/verhuetungsmittel.html (aufgerufen am 08.01.2026)
Eine Verhütungspanne kann immer passieren. Hier gibt es neben dem Einsetzen einer Kupferspirale die Möglichkeit einmalig die »Pille danach« – entweder mit Ulipristalacetat, einem Progesteron-Rezeptor-Modulator, oder Levonorgestrel, einem Gestagen – einzunehmen, sofern der Zeitrahmen passt und keine Kontraindikationen vorliegen. Doch gilt das auch für Brustkrebspatientinnen? Hier gibt der Krebsinformationsdienst Entwarnung: »Im Falle einer Verhütungspanne wird das Risiko einer kurzfristigen Hormonbelastung geringer eingeschätzt als das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft.« Die Empfehlungen entsprechen daher denen gesunder Frauen.
Bei jungen Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs kollidiert die adjuvante Antihormontherapie (AHT), die je nach Rezidivrisiko für eine Dauer von fünf bis zehn Jahre empfohlen wird, manchmal mit der Familienplanung. Denn während der Therapie sollte eine Schwangerschaft vermieden werden.
Wie sich eine Unterbrechung der AHT auf das Rezidivrisiko auswirkt, hat die POSITIVE-Studie untersucht. Demnach ist eine Therapiepause von maximal zwei Jahren möglich, wenn die Patientin die Therapie zuvor schon mindestens 18 Monate durchgeführt hat. Dies entspricht den aktuellen Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO). Beim Herbstkongress 2025 der European Society For Medical Oncology (ESMO) wurden zuletzt 5-Jahres-Follow-up-Daten vorgestellt, die diese Vorgehensweise bestätigen. Um das Risiko allerdings über einen längeren Zeitraum einschätzen zu können, müssen weitere Studien folgen. Die individuellen Risiken sollten Patientinnen daher zusammen mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.