| Sven Siebenand |
| 11.02.2026 12:00 Uhr |
Bronchiektasen sind dauerhafte Aussackungen der Lunge, die sie schädigen. / © Adobe Stock/RFBSIP
Dauerhafte Erweiterungen und Aussackungen der Atemwege bezeichnet man als Bronchiektasen. Meistens sind Entzündungen die Ursache. Diese schädigen und zerstören die Bronchialwände und das elastische Bindegewebe der Lunge. Die Folge: Die Selbstreinigungskräfte der Lunge werden gestört. Typisch für die Erkrankung sind wiederkehrende Atemwegsinfektionen, aber auch Schleimbildung und starker Husten mit Auswurf. In der EU gibt es schätzungsweise 600.000 diagnostizierte Patienten, viele weitere Betroffene sind vermutlich bisher gar nicht diagnostiziert. Bislang setzte man in der Behandlung auf allgemeine Methoden wie Atemgymnastik, Inhalationen und Bewegung, empfahl Rauchstopp und schützende Impfungen. Bei Infekten der Atemwege kommen gezielt Antibiotika zum Einsatz.
Mit Brensocatib gibt es nun einen ersten zugelassenen Wirkstoff. Er darf zur Behandlung von nicht durch Mukoviszidose bedingten Bronchiektasen bei Patienten ab zwölf Jahren mit zwei oder mehr Exazerbationen im vorangegangenen Jahr angewendet werden. Brensocatib ist ein Dipeptidylpeptidase-(DPP-)Hemmer. Aus dem Bereich Diabetes kennt man die DPP-4-Inhibitoren. Zielstruktur von Brensocatib ist DPP-1. Dieses Enzym ist für die Aktivierung von neutrophilen Serinproteasen wie Elastase, Cathepsin G und Proteinkinase 3 verantwortlich, die für die Abwehr bakterieller Infektionen von Bedeutung sind. Bei Bronchiektasen kommt es aber zu einer verstärkten Aktivierung dieser Enzyme, sodass nicht nur Erreger, sondern auch umliegendes Lungengewebe und die Atemwege geschädigt werden. Brensocatib bremst das, indem der DPP-1-Inhibitor die Aktivierung dieser Proteasen verhindert. Studien zeigen, dass der neue Wirkstoff bei der Senkung der Zahl der Exazerbationen der Erkrankung sowie bei der Verzögerung ihres Auftretens wirksam ist.
Die empfohlene Dosis beträgt 25 mg einmal täglich oral. Patienten können die Filmtabletten mit oder ohne eine Mahlzeit schlucken. Häufig berichtete Nebenwirkungen von Brensocatib sind Kopfschmerz, Hyperkeratose, Dermatitis, Ausschlag, Infektionen der oberen Atemwege und trockene Haut.
Brensocatib greift durch seinen Wirkmechanismus in die Infektabwehr ein. Ein Warnhinweis in der Fachinformation, der über das häufigere Auftreten von Pilzinfektionen informiert, ist damit keine Überraschung. Zudem wird bei der Anwendung von Brensocatib bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Neutropenie, also immungeschwächten Personen, zur Vorsicht geraten. Ferner sollte die Anwendung von attenuierten Lebendimpfstoffen unter Brensocatib-Gabe vermieden werden.
Die Anwendung des neuen Wirkstoffs während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit Brensocatib verzichtet werden soll. Gut möglich, dass von Brensocatib zukünftig noch mehr zu hören ist. Denn die Substanz wird auch als potenzielle Pharmakotherapie bei anderen durch Neutrophile vermittelten Erkrankungen untersucht.