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»Herzkraut der Indianer«
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Wolfstrapp in der Medizin – früher und heute 

Schon im Mittelalter erwähnen die Autoren von Kräuter- und Heilpflanzen­büchern das Wolfstrappkraut. Doch erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts befassten sich Wissenschaftler mit der Pflanze. Dabei entdeckten sie ihre positive Wirkung auf Herz und Schilddrüse. Heute wird Wolfstrapp bei leichter Schilddrüsenüberfunktion und nervösen Herzbeschwerden eingesetzt.
AutorKontaktMonika Schulte-Löbbert | PTA-Forum
Datum 13.02.2026  12:00 Uhr

Der Gemeine oder Europäische Wolfs­trapp (Lycopus europaeus L.) gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Er ist eine bis zu einem Meter hohe, mehrjährige Staude mit langen unter­irdischen Ausläufern und kommt in ganz Europa, in Teilen Westasiens und in Nordamerika vor. Die Staude bevorzugt feuchte Standorte wie Fluss- und Bachufer, Sümpfe und nasse Wiesen, wächst aber auch in lichten Wäldern und erinnert Laien mitunter an die Brennnessel. Ihr vierkantiger Stängel ist mit gegenständigen, lanzettartigen und deutlich gezähnten Blättern besetzt. In den Monaten Juli bis September blüht Wolfstrapp. Dann stehen in den oberen Blattachseln dichte, kuge­lige Scheinquirle aus kleinen, weißen Lippenblüten mit violetten Punkten. Die Blüten reifen im Herbst zu Klausenfrüchten, die meist von Wasservögeln verbreitet werden.

In Anlehnung an ihren bevorzugten Standort am Wasser heißt die Pflanze im Volksmund auch Uferwolfsfuß, Wasserandorn oder Sumpfandorn. Der deutsche Name »Wolfstrapp« geht auf die Form der Blätter zurück, die dem Pfotenabdruck eines Wolfes ähneln. Auch der lateinische Gattungsname »Lycopus« leitet sich vom altgriechischen Wort »lykos« für Wolf und »pous« für Fuß ab. Der Beiname »europaeus« verweist auf die europä­ische Heimat dieser Art.

Der nordamerikanische, in Virginia beheimatete Verwandte der europä­ischen Art erhielt die lateinische Bezeichnung »Lycopus virginicus«. Die etwas kleinere virginische Art bildet weiße Blüten und wächst überwiegend auf Wiesen. In der Pflanzenheilkunde werden beide Arten eingesetzt, die Homöopathie verwendet überwiegend Lycopus virginicus.

Wolftrappkraut – Verwendung früher und heute

Über die medizinische Verwendung des Wolftrapps im Mittelalter ist wenig bekannt. Lange Zeit färbten die Menschen mit dem Sud der Pflanze Leinen, Wolle und Seide. Dazu wurde die ganze Pflanze mit Alaun gekocht. Der Sud verlieh den Geweben eine lang haltbare schwarze Farbe.

Die Sioux-Indianer Nordamerikas kannten dagegen schon lange die Heilkräfte des virginischen Wolfstrapps und setzten Abkochungen aus dem frischen Kraut erfolgreich bei Erkältungskrankheiten, zur Blutstillung und als Beruhigungsmittel ein. Besonders schätzten sie das Kraut als Herztonikum, vor allem bei nervös bedingten Herzbeschwerden.

In Europa interessierten sich Wissen­schaftler erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die Wirkungen des europäischen Wolfstrapps. Dabei entdeckten sie beruhigende Effekte auf das Herz und in den 1940er-Jahren auch positive Wirkungen bei Schild­drüsenbeschwerden infolge einer Überfunktion.

Die Inhaltsstoffe von Lycopus europaeus L. und Lycopus virginicus L. erforschte als erster der spätere Hochschullehrer Apotheker Heinz Schilcher 1959 im Rahmen seiner Doktorarbeit. Auch führte Schilcher die erste chro­matographische Gesamtanalyse des Pflanzenextrakts durch und prüfte in ersten biologischen Studien dessen Wirksamkeit. Neue Studien einer Forschergruppe um Professor Hilke Winterhoff (1942–2010), Pharmakologin an der Universität Münster, bestätigen die positive Wirkung des Wolfstrapps bei einer Überfunktion der Schilddrüse. Schon geringe Mengen an Lycopus-­Extrakten verbesserten die Herzsymptome sowie das Engegefühl im Hals (Kloßgefühl).

Antithyreotrope Wirkung des Wolfstrapp

Als Arzneipflanze dienen die kurz vor der Blüte geernteten, frischen oder getrockneten oberirdischen Teile von Lycopus europaeus L. und/oder Lycopus virginicus L. Die Droge stammt aus Wildsammlungen oder Kulturen ost­europäischer Länder. Ihre Hauptinhaltsstoffe sind Phenolcarbonsäuren mit Hydroxyzimt- und Kaffeesäurederivaten, Gerbstoffe, Lithospermsäure, Flavonoide, Diterpene und wenig ätherisches Öl. Als maßgeblich beteiligte Inhaltsstoffe gelten die Phenolcarbonsäuren sowie die Flavonoide.

*Studien deuten darauf hin, dass die Inhaltsstoffe die Wirkung von Schilddrüsenmormonen modulieren können. Eine direkte Senkung des TSH-WERtes oder eine spezifische Bindung an den TSH-Rezeptor ist jedoch nicht belegt. Die leicht antithyreotrope Wirkung ergibt sich vielmehr daraus, dass die Schilddrüsenhormonwirkung  im Zielgewebe gedämpft wird sowie aus vegetativ ausgleichenden Effekten. Dadurch können für eine leichte Schilddrüsenüberfunktion typischen Beschwerden gelindert werden, wie etwa Unruhe, Reizbarkeit, Angst, Schlafstörungen, Herzklopfen, Herzrasen und vermehrtes Schwitzen. Wolfstrappkraut wird heute als traditionell eingesetztes Phytotherapeutikum zur unterstützenden Behandlung einer leichten Hyperthyreose mit vegetativ-nervösen Störungen betrachtet.

Außerdem wirken Lycopus-Extrakte antigonadotrop, das heißt, sie hemmen die Bildung von Prolaktin, ein Hormon, das die Milchdrüsen in der Brust stimuliert, und lindern so zyklusbedingte Spannungen und Schmerzen in der Brustdrüse, die sogenannte prämens­truelle Mastodynie. Da die klinische Datenlage ist jedoch eher dünn. Für diese beiden Indikationen bewertete die Kommission E des früheren Bundesgesundheitsamtes das Wolfs­trappkraut positiv.

Wolfstrappkraut als Tee oder Fertigpräparat

*Wolfstrapp-Zubereitungen gibt es als Tee und Fertigarzneimittel sowie als homöopathisches Mittel. Ein Tee aus dem getrockneten Wolfstrappkraut wird traditionell zur Linderung vegetativ-nervöser Störungen bei leichter Schilddrüsenüberfunktion sowie bei zyklusabhängigen Spannungen und Schmerzen der Brustdrüse eingesetzt. Aufgrund schwankender Wirkstoffgehalte ist die Anwendung als Tee jedoch nur eingeschränkt empfehlenswert; bevorzugt werden standardisierte Fertigpräparate.

Zur Teebereitung wird ein gehäufter Teelöffel fein geschnittene Droge (etwa ein Gramm) mit einer Tasse heißem Wasser übergossen, zehn Minuten ziehen gelassen und dann abgesiebt. Die Tagesdosis von zwei Gramm Droge sollte nicht überschritten werden.

Dosierung und Anwendung

Da Patienten mit Hyperthyreose unter­schiedliche Schilddrüsenhormonspiegel als optimal empfinden, sind für die Dosierung der Droge oder des Extraktes allenfalls grobe Anhaltspunkte möglich. Zudem gilt es, Lebensalter und Körpergewicht zu berücksichtigen. Die Dosierung sollte sich an den Angaben des jeweiligen Fertigarzneimittels orientieren und bei Schilddrüsenerkrankungen vorzugsweise in ärztlicher Absprache erfolgen.

Nebenwirkungen bei bestimmungsgemäßer Anwendung selten 

Fertigpräparate sollten Patienten mit leichter Hyperthyreose nur auf ärztlichen Rat einnehmen. Für Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunk­tion (Hypothyreose) oder einer vergrößerten Schilddrüse ohne Funktionsstörung ist Wolfstrapp kontraindiziert. Dasselbe gilt für Schwangere und Stillende sowie für Kinder unter 12 Jahren.

*Eine gleichzeitige Einnahme von Wolfstrappkraut und Schilddrüsenhormonen (z. B. Levothyroxin) sollte nicht ohne ärztliche Kontrolle erfolgen, da sich die Wirkungen gegenseitig beeinflussen können. Vor einer Untersuchung der Schilddrüsenfunktion mittels Radioiod-Test oder Schilddrüsen-Szintigrafie sollte der behandelnde Arzt über die Einnahme von Wolfstrappkraut informiert werden, da das Untersuchungsergebnis verfälscht werden kann.

Zu den wenigen verfügbaren Fertigarzneimitteln zählen Monopräparate sowie Kombinationspräparate mit Wolfstrappkraut. Die Verfügbarkeit einzelner Präparate kann variieren.

Die Behandlung mit Wolfstrappkraut sollte mit niedriger Dosierung begonnen werden. Bei längerer Anwendung oder bei höheren Dosierungen sind regelmäßige Kontrollen der Schilddrüsenfunktion sinnvoll. In seltenen Fällen wurde bei langfristiger Einnahme über eine Zunahme des Schilddrüsenvolumens berichtet.

Amerikanischer Verwandter

Während in der Phytotherapie überwiegend der europäische Wolfstrapp eingesetzt wird, gelangt in der Homöopathie dagegen in erster Linie der vir­ginische Wolfstrapp zur Anwendung. Ausgangsstoff für das homöopathische Arzneimittel »Lycopus virginicus« ist die Urtinktur, die aus der frisch blühenden Pflanze gewonnen wird.

*In der homöopathischen Praxis wird Lycopus virginicus traditionell bei nervösen Herzbeschwerden und vegetativen Störungen im Zusammenhang mit innerer Unruhe eingesetzt. Dazu zählen unter anderem Angstzustände, inneres Zittern und ein beschleunigter Puls. Auch bei Beschwerden während des weiblichen Klimakteriums wird das Mittel in der Homöopathie empfohlen. Eine Anwendung bei immunologisch bedingten Schilddrüsenerkrankungen wie dem Morbus Basedow wird in der Homöopathie als begleitende Maßnahme beschrieben, ersetzt jedoch keine medizinisch notwendige Therapie.

Die Dosierung richtet sich nach den Empfehlungen der jeweiligen homöopathischen Schule und erfolgt häufig in niedrigen Potenzen wie D6. Das homöopathische Arzneimittel gilt in der Regel als gut verträglich; spezifische Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

*(aktualisiert am 13. 02. 2026)

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