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Neueinführungen
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Zwei Neulinge im Handel

Zum 1. November kamen zwei neue Wirkstoffe in den Handel. Vimseltinib ist ein Medikament gegen einen seltenen, nicht malignen Tumor. Donanemab ist nach Lecanemab der zweite Alzheimer-Antikörper.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 05.11.2025  14:00 Uhr

Erst seit wenigen Wochen ist das Lecanemab-haltige Alzheimer-Medikament Leqembi® auf dem deutschen Markt, da bekommt es schon Konkurrenz: Donanemab (Kisunla® Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Lilly Pharma) hat das identische Anwendungsgebiet. Auch Donanemab kommt zur Behandlung von Erwachsenen mit leichter kognitiver Störung und leichter Demenz aufgrund der Alzheimer-Krankheit zum Einsatz. Es ist – wie Lecanemab – zur Anwendung bei Personen mit bestätigter Amyloid-Pathologie bestimmt, die nur eine oder keine Kopie von ApoE4, einer bestimmten Form des Gens für das Protein Apolipoprotein E, aufweisen. Der Test auf den ApoE4-Status muss vor Therapieeinleitung erfolgen.

Donanemab ist ein Antikörper mit hoher Affinität für die modifizierte, N-terminal verkürzte Form des Beta-Amyloids (N3pE-Aβ). N3pE-Aβ ist in geringen Mengen in Amyloid-Plaques im Gehirn vorhanden und wurde im Plasma und im Liquor nicht nachgewiesen. Donanemab bindet an N3pE-Aβ und unterstützt die Plaque-Entfernung durch Mikroglia-vermittelte Phagozytose.

Donanemab ist alle vier Wochen zu infundieren. Die empfohlene Dosis sind 350 mg bei der ersten Dosis, 700 mg bei der zweiten und 1050 mg bei der dritten. Bei nachfolgenden Gaben sind es jeweils 1400 mg. Laut Fachinformation soll die Behandlung so lange fortgesetzt werden, bis die Amyloid-Plaques entfernt sind, zum Beispiel bis zu sechs oder zwölf Monate. Die maximale Behandlungsdauer beträgt 18 Monate und sollte nicht überschritten werden, auch wenn die Plaque-Entfernung nicht bestätigt wird.

Der Arzt sollte das Nutzen-Risiko-Verhältnis der Behandlung regelmäßig und unter Berücksichtigung des Ausmaßes der Krankheitsprogression neu bewerten. Es ist in Erwägung zu ziehen, die Behandlung vor Ablauf der maximalen Behandlungsdauer von 18 Monaten abzubrechen, wenn Patienten zu einer mittelschweren Alzheimer-Demenz fortschreiten.

Wie bei Lecanemab sind auch bei Donanemab MRT-Untersuchungen verpflichtend, um die Patienten auf Amyloid-bezogene Bildgebungsanomalien (ARIA) zu überwachen. Dies ist eine potenzielle Nebenwirkung, die bei der Bildgebung des Gehirns beobachtet wird und Schwellungen sowie mögliche Blutungen im Gehirn beinhaltet. Vor Beginn der Behandlung muss ein aktuelles (maximal sechs Monate altes) MRT des Gehirns vorliegen, um einzuschätzen, ob bereits ARIA vorbestehen. Ein MRT ist auch vor der zweiten, dritten, vierten und siebten Infusion durchzuführen.

Bei Patienten mit ARIA-Risikofaktoren, wie ApoE-ε4-Heterozygotie und/oder Patienten mit früheren ARIA-Ereignissen während der Behandlung, sollte ein zusätzliches MRT nach einjähriger Behandlung durchgeführt werden. Wenn ein Patient zu irgendeinem Zeitpunkt während der Behandlung Symptome zeigt, die auf ARIA hindeuten, ist ferner eine klinische Beurteilung einschließlich eines MRT durchzuführen. Der Arzt kann auf der Grundlage der Ergebnisse der MRT-Untersuchungen entscheiden, die Behandlung vorübergehend zu unterbrechen oder ganz zu beenden.

Neben ARIA sind auch Kopfschmerzen eine sehr häufig beobachtete Nebenwirkung, häufig sind zum Beispiel infusionsbedingte Reaktionen sowie Übelkeit und Erbrechen. Kisunla darf nicht bei Personen mit Blutungsstörungen, die nicht angemessen kontrolliert sind, zum Einsatz kommen. Tabu ist auch der Beginn der Behandlung mit Donanemab bei Patienten, die eine laufende Therapie mit Antikoagulanzien erhalten.

Zudem ist der Antikörper kontraindiziert, wenn bei der MRT-Untersuchung vor der Behandlung frühere Blutungen im Gehirn, mehr als vier Mikroblutungen, oberflächliche Siderose (eine Erkrankung, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft und Blutungen einschließt) oder vasogenes Ödem (Schwellung im Gehirn, die die Gefäße betrifft) oder andere Probleme auftreten, die auf eine zerebrale Amyloidangiopathie (Ansammlung von Amyloidproteinen in Arterien im Gehirn, die Blutungen verursachen) hinweisen können.

Weitere Kontraindikationen sind: eine schwere Erkrankung der weißen Substanz im Gehirn, Patienten mit schlecht eingestellter Hypertonie und Gegebenheiten, die keine MRT-Beurteilung zulassen, einschließlich Klaustrophobie oder das Vorhandensein metallischer (ferromagnetischer) Implantate/Herzschrittmacher.

Um die sichere und wirksame Anwendung von Donanemab zu fördern, hat der Beginn der Behandlung bei allen Patienten über ein zentrales Registrierungssystem zu erfolgen, das Teil eines kontrollierten Zugangsprogramms ist. Bis zur Verwendung ist Kisunla im Kühlschrank (2 °C bis 8 °C) zu lagern. Ungekühlt ist das Präparat bis zu drei Tage bei Raumtemperatur (bis 25 °C) lagerfähig.

Erster Wirkstoff bei TGCT in Europa

Der tenosynoviale Riesenzelltumor (Tenosynovial Giant Cell Tumour, TGCT) ist ein seltener, nicht maligner Tumor. Er entwickelt sich um ein Gelenk und Sehnen und kann umliegendes Gewebe schädigen. Die Erkrankung betrifft in der Regel ein einzelnes Gelenk, meist das Knie oder den Knöchel junger Erwachsener. Zu den Symptomen gehören Schmerzen, Schwellungen, Steifigkeit und Schwierigkeiten bei der Bewegung des Gelenks. Die Hauptbehandlungsoption ist eine Operation.

Der neue Wirkstoff Vimseltinib (Romvimza™ Hartkapseln, Deciphera Pharmaceuticals) ist zur Behandlung von Erwachsenen mit symptomatischem TGCT zugelassen. Er darf zum Einsatz kommen, wenn bei den Betroffenen schwerwiegende Bewegungseinschränkungen vorliegen und wenn ein operativer Eingriff keine Option mehr darstellt oder zu schwerwiegenden langfristigen Problemen führen würde.

Bei TGCT kommt es zur Überproduktion des Proteins CSF1 (Colony Stimulating Factor 1). Vimseltinib ist ein selektiver Tyrosinkinase-Inhibitor, der am Rezeptor von CSF1 angreift und ihn hemmt. Dadurch werden CSF1R-exprimierende Zellen und nachgeschaltete Signalwege blockiert, die das Tumorwachstum und die Proliferation fördern. Die empfohlene Dosis von Vimseltinib sind 30 mg zweimal wöchentlich im Abstand von mindestens 72 Stunden. Je nach individueller Therapiesicherheit und Verträglichkeit können Therapieunterbrechungen oder Dosisreduktionen erforderlich sein.

Bei mäßig oder stark eingeschränkter Leberfunktion oder stark eingeschränkter Nierenfunktion sollte der neue Wirkstoff nicht zum Einsatz kommen. Kontraindiziert ist der Wirkstoff in der Schwangerschaft. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Vimseltinib und für 30 Tage nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Der Schwangerschaftsstatus muss bei ihnen vor Beginn und während der Behandlung mit Vimseltinib kontrolliert werden. Auf das Stillen sollen Frauen während der Behandlung verzichten. 

Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen von Romvimza zählen erhöhte Leberenzymwerte, Schwellung um die Augen, erhöhte Cholesterinspiegel, Ausschlag, erhöhte Kreatininwerte, verminderte Neutrophilenzahl, Müdigkeit, Ödeme im Gesicht, Juckreiz, periphere Ödeme und Hypertonie.

Einige Warnhinweise sind in der Fachinformation von Romvimza nachzulesen. Einer davon widmet sich dem Thema Langzeitsicherheit. Die Langzeitsicherheit des Präparats sei nicht erwiesen und die langfristigen Auswirkungen einer durch den Wirkmechanismus hervorgerufenen Makrophagen-Depletion, insbesondere in Organen wie der Leber, der Haut, des zentralen Nervensystems und des Knochenmarks, seien derzeit mit Unsicherheiten behaftet. Um diese Unsicherheiten auszuräumen, wird das Unternehmen eine Studie zur Untersuchung der langfristigen Sicherheit von Romvimza durchführen.

Ein anderer Warnhinweis beschäftigt sich mit der möglichen Erhöhung von Serumenzymen, unter anderem Leberenzymen. Eine Vimseltinib-Behandlung bei Patienten mit vorbestehenden erhöhten Serumtransaminasen, erhöhtem Gesamtbilirubin oder erhöhtem direktem Bilirubin oder akuter Leber- oder Gallenwegserkrankung sollte vermieden werden. Die Leberfunktion sollte vor Beginn der Behandlung, einmal monatlich während der ersten zwei Monate und einmal alle drei Monate während des ersten Behandlungsjahres und danach nach klinischer Indikation überwacht werden.

PTA und Apotheker sollten wie immer auch einen Blick auf die Begleitmedikation der Patienten werfen: Die gleichzeitige Anwendung von BCRP-, von P-gp- und von OCT2-Substraten ist zu vermeiden.

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