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Sonnenschutz im Winter
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Zwischen Lichtschutzfaktor und Vitamin D

Kann man an hellen Wintertagen die Sonnenstrahlen genießen, ohne gleich die Cremetube mit Lichtschutzfaktor (LSF) hervorholen zu müssen? Das kommt darauf an, wo man sich befindet, sagen Expertinnen und Experten. Ein hoher LSF könnte auf Dauer die Vitamin-D-Produktion ausbremsen. Der Vitamin-D-Status erreicht in den grauen Monaten ohnehin Tiefstwerte.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 03.02.2026  12:00 Uhr

In den wärmeren Monaten von März bis Oktober ist tägliche Sonnencreme mit ausreichend breitem und hohem Lichtschutzfaktor Pflicht, sagte Professorin Dr. Christiane Bayerl, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Helios Kliniken Wiesbaden, auf Nachfrage von PTA-Forum. Nur so könnten Alterungsprozesse aufgehalten werden – denn schließlich ist UV-Licht der Stressor Nummer 1 für ein gesundes Hautbild.

Im Winter täglich UV-Schutz in den hiesigen Breiten aufzutragen, hält sie dagegen nicht für notwendig. »Die Strahlungsintensität ist hierzulande im Winter viel zu gering, um sich vor Sonnendbrand schützen zu müssen. Das vertrete ich auch so in meiner Sprechstunde und rate erst ab dem Osterspaziergang zu Sonnenschutz. Anders sieht es aus, wenn etwa ein Melasma – also eine recht auffällige Pigmentstörung im Gesicht – besteht oder wenn es in den Skiurlaub in die Berge geht.«

Weil für Laien die Strahlungsintensität nur schwer einzuschätzen ist, orientiert man sich am besten am UV-Index. Dieser berücksichtigt nämlich wesentliche Einflussgrößen wie Bewölkung, Einstrahlungswinkel oder Ozonschicht. Der UV-Index hat in den dunkleren Wintermonaten in den hiesigen Breitengraden aufgrund des Sonnenstandes sehr niedrige Werte; bei niedrigem UV-Index erreichen weniger intensive UV-Strahlen unsere Haut. Zudem dürften ohnehin in der nass-kalten Jahreszeit bei den meisten die Aufenthalte im Freien kürzer ausfallen.

UV-Index als Orientierung

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hält Sonnenschutzmaßnahmen erst ab einem UV-Index von mindestens 3 für sinnvoll, um sich vor Sonnenbrand zu schützen. Ob das tägliche Auftragen von Sonnencreme unabhängig von der Jahreszeit auch Alterungserscheinungen zu mindern vermag, wird vom BfS nicht beantwortet.

Ein UV-Index von 3 und höhere Werte werden in unseren Breiten im Winter selbst bei Sonnenschein fast nie erreicht. Ausnahmen sind höhere Lagen, weshalb Dermatologin Bayerl etwa beim Skisport im Gebirge zu hohen Lichtschutzfaktoren für Haut und besonders Lippen sowie einer geeigneten Schneebrille rät. Im Flachland steigt der UV-Index normalerweise frühestens ab März wieder in Bereiche, die einen Sonnenschutz etwa in Form des täglichen Eincremens erforderlich machen. Der UV-Index kann dann um die Mittagszeit 3 oder mehr betragen. Im Sommer können die Werte teilweise auf 7 oder höher klettern.

Nachhilfe für Vitamin D

Welcher Lichtschutz individuell geeignet ist, richte sich nach den individuellen Bedürfnissen, erklärte die Dermatologin. Er hängt von Hauttyp, Vorbräunung und UV-Index am Aufenthaltsort ab. Immer LSF 50 zu verwenden, sei nicht die beste Wahl. »Damit belastet man die Haut unnötig mit Fremdsubstanzen und unterdrückt die Vitamin-D-Synthese unnötig stark«, meinte Bayerl.

Auch Privatdozent Dr. Stephan Scharla, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie in Bad Reichenhall, plädierte im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) dafür, den Lichtschutz gegen die notwendige Bestrahlung für die Vitamin-D-Produktion gegeneinander abzuwägen. »Im Winter kommt hierzulande die körpereigene Synthese aufgrund der zu geringen UV-B-Strahlungsintensität zum Erliegen. Aber nur UV-B-Strahlen ermöglichen die körpereigene Vitamin-D-Bildung.« Die regelmäßige Verwendung von Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor zählte er zu den Risikofaktoren, um in einen Vitamin-D-Mangel zu geraten.

Was ist die notwendige Sonnendosis für die Vitamin-D-Produktion? Laut dem Endokrinologen reichte es dafür in den Sommermonaten etwa zehn Minuten am späten Vormittag zwei- bis dreimal pro Woche aus, Gesicht, Hände und Unterarme unbedeckt und ohne Sonnenschutz der Sonne auszusetzen. Zu bedenken sei allerdings, dass die Vitamin-D-Synthese bei älteren Erwachsenen erheblich ins Stocken gerät und diese Personengruppe ohnehin nicht mehr so oft ins Freie gehe.

Für gewöhnlich baue ein gesunder Mensch im Sommer einen ausreichenden Speicher auf, von dem er im Winter zehre. Die niedrigsten Vitamin-D-Spiegel würden typischerweise im Februar oder März erreicht – denn dann ist das Depot aufgebraucht. »Es ist zudem gar nicht belegt, ob niedrige Vitamin-D-Spiegel im Winter überhaupt eine krankhafte Bedeutung haben«, erklärte Scharla. Untersuchungen zeigten, dass gesunde Erwachsene im Sommer rund 1 Prozent Knochenmineral aufbauen und im Winter wieder 1 Prozent verlieren.

Gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren benötigen aus Sicht des Experten keine Vitamin-D-Supplementation. Allerdings sei eine individuelle Selbstmedikation mit Vitamin D nicht schädlich, sodass nichts gegen eine präventive Einnahme spreche. »Im Winter kann man bedenkenlos ein Supplement von etwa 25 µg (1000 I. E.) täglich einnehmen. Das schadet nicht, kostet nicht viel und man kann sich sicherlich etwas Gutes tun«, so Scharla. Eine Empfehlung von Fachgesellschaften für eine generelle vorherige Blutspiegelmessung gebe es nicht.

Die empfohlene Dosierung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt zwischen 800 und maximal 3000 Einheiten täglich (20 μg – 75 μg tgl.). Der Experte rät zur täglichen Einnahme; diese sei höher dosierten Bolus-Gaben im Intervall vorzuziehen. Und er sprach sich für Präparate aus der Apotheke aus – »weil eine Qualität hinsichtlich der Inhaltsstoffe, der Konzentration und der angegebenen Einheiten gegeben ist.«

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