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Parodontitis

Gesunder Mund trotz Diabetes

Datum 08.10.2014  11:06 Uhr

Von Verena Arzbach / Diabetiker müssen eine ganze Reihe von Folgeerkrankungen fürchten: Der zu hohe Blutzuckerspiegel kann unter anderem Nerven, Herz und Niere schädigen. Kaum jemand weiß ­jedoch, dass bei den Patienten auch das Risiko für eine Parodontitis erhöht ist. Die tägliche gründliche Mundhygiene und regelmäßige Zahnarztbesuche gehören deshalb unbedingt zur Prävention dazu.

Als Parodontitis bezeichnen Zahnmediziner eine Entzündung des Zahnhalteapparats. Bakterien aus dem Zahnbelag setzen giftige Stoffe frei, die ins umliegende Zahnfleischgewebe eindringen. Um sie zu beseitigen, reagiert das menschliche Immunsystem. Das Gewebe rötet und entzündet sich. Die Entzündung schädigt im weiteren Verlauf das Zahnfleisch und den Kieferknochen, also die Gewebe, die die Zähne im Kiefer fest verankern sollen. In Deutschland sind etwa 40 Prozent der Erwachsenen von einer moderaten Parodontitis betroffen, bis zu 8 Prozent sogar von einer schwereren Form.

Im Vergleich zu Gesunden ist das Risiko eines Diabetikers, an Parodontitis zu erkranken, dreimal so hoch. Denn bei erhöhtem Blutzuckerspiegel lagert sich Glucose auch an Proteine der kleinen Blutgefäße im Zahnfleisch an. Der Blutfluss wird so eingeschränkt und damit die Sauerstoffzufuhr des Zahnfleisches gestört. Zudem ist das Immunsystem von Diabetikern geschwächt und ihre Wundheilung gestört, was die Zahl der Infektionen und damit der Entzündungen erhöht. All dies begünstigt ebenso wie Rauchen, Stress und andere chronische Erkrankungen das Parodontitis-Risiko. Dabei gilt: Bei Patienten mit schlecht kontrollierbarem Blutzucker verlaufen die Entzündungen schwerer als bei gut eingestellten Diabetikern; bei gut kontrolliertem Blutzuckerspiegel sinkt das Parodontitis-Risiko hingegen auf das Niveau von Gesunden.

Diabetiker sollten zum Zahnarzt gehen, wenn…

  • ihr Zahnfleisch häufiger blutet, stark gerötet und/oder geschwollen ist.
  • sie unter Mundgeruch und/oder schlechtem Geschmack im Mund leiden.
  • ihre Zähne übermäßig viel Zahnstein/-belag aufweisen.
  • die Zähne schmerzempfindlicher geworden sind.
  • sie das Gefühl haben, dass einzelne Zähne locker sind.

Umgekehrt beeinflusst eine Parodontitis auch die Allgemeingesundheit negativ. So soll die Zahnfleischerkrankung die Entstehung von arteriosklerotischen Gefäßveränderungen begünstigen. Bei Schwangeren mit schwerer Parodontitis ist das Risiko erhöht, dass sie ihr Kind zu früh oder mit Untergewicht zur Welt bringen. Und besonders Diabetiker müssen Komplikationen und Folgeerkrankungen fürchten. Denn wenn die Bakterien aus dem Zahnfleisch ins Blut gelangen, beeinträchtigen sie die Aufnahme von Glucose in die Skelettmuskeln. Eine Parodontitis verstärkt die Insulinresistenz, sodass sich der Blutzuckerspiegel schwieriger einstellen lässt. Eine schwere Parodontitis erhöht bei Diabetikern das Risiko einer Nierenerkankung bis um den Faktor 8,5, das Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, ist mehr als zweimal so hoch wie bei Diabetes-Patienten ohne oder mit schwacher Parodontitis. Auch sieht es so aus, als begünstige Parodontitis sogar die Entstehung eines manifesten Diabetes: Parodontitis-Patienten entwickelten in Untersuchungen im Vergleich zu Gesunden häufiger einen Diabetes.

Mit Hygiene vorbeugen

Gefährlich ist, dass sich eine Parodontitis immer schleichend und zunächst unauffällig entwickelt. Meist spüren die Patienten lange keine Schmerzen, aber die Entzündung breitet sich aus. Erstes Anzeichen einer Parodontitis ist häufig eine Zahnfleischentzündung, eventuell mit gerötetem, geschwollenem Zahnfleisch und Zahnfleischbluten. Mit verbesserter Mundhygiene und durch eine professionelle Zahnreinigung lässt sich die Entzündung meist zurückdrängen. Wird die Parodontitis aber nicht behandelt, schreitet die Entzündung weiter fort und dehnt sich in tiefere Gewebeschichten aus. Es entstehen Hohlräume, sogenannte Zahnfleischtaschen, durch die die Bakterien immer tiefer ins Gewebe eindringen. Dadurch werden Bindegewebe und der Kieferknochen angegriffen. Schließen können sich die Zähne lockern und letztendlich ausfallen.

Wichtige Zahnhygiene-Tipps für Diabetiker

  • Mindestens zweimal täglich die Zähne putzen
  • Die Zahnbürste regelmäßig, mindestens alle drei ­Monate ersetzen
  • Fluoridhaltige Zahnpasta verwenden, einmal pro ­Woche zusätzlich ein ­konzentriertes Fluoridgel
  • Zahnzwischenräume einmal pro Tag mit Zahnseide oder Interdentalbürsten reinigen
  • Zweimal pro Jahr zur Kontrolluntersuchung beim ­Zahnarzt, auch ohne ­Beschwerden
  • Zweimal pro Jahr eine professionelle Zahnreinigung durchführen lassen

Diabetes-Patienten sollten also wissen, dass ihr Parodontitis-Risiko und die Gefahr eines Zahnverlusts durch die Erkrankung erhöht sind. PTA und Apotheker können sie im Beratungsgespräch auch darauf hinweisen, dass als Folge der Erkrankung außerdem Mundtrockenheit und Mundbrennen auftreten können. Auch leiden Diabetiker häufiger unter oralen Pilzinfektionen und Schleimhautveränderungen. Das Apothekenteam sollte den Patienten daher auch wichtige Hinweise zur Zahnpflege geben. Denn sie müssen ganz besonders auf ihre tägliche Mundhygiene achten. Die Patienten sollten mindestens zweimal pro Tag gründlich die Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen. Um bakterielle Beläge aus den Zahnzwischenräumen zu entfernen, sollten sie außerdem täglich Zahnseide oder Interdentalbürsten verwenden. Zweimal jährliche Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt sind – ebenso wie eine halbjährliche professionelle Zahnreinigung – für Diabetiker absolut empfehlenswert. Bei Beschwerden sollten sie immer sofort zum Zahnarzt gehen. /

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